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Freitag, 21. Mai 2021

Nach Interkommunion beim ÖKT: Lässt sich Kirchensteuer noch rechtfertigen?

 



Das Thema Kirchensteuer wird seit langem kontrovers diskutiert. Jedes Mal, wenn deutsche Bischöfe nationalkirchliche Sonderwege beschreiten, stellen sich viele die Frage, ob die Zahlung der Kirchensteuer noch angebracht ist.

Diesen Text gibt es auch als Video unter: https://youtu.be/qWN8A6zd4to

Aktuell ist es vor allem die Interkommunion beim Ökumenischen Kirchentag während der Heiligen Messe am 15. Mai 2021. Der zelebrierende Priester gab die Kommunion in einem öffentlichen Akt an die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg. Bischof Georg Bätzing hatte zuvor eine Einladung an Nicht-Katholiken ausgesprochen.

Die Frage drängt sich geradezu auf: Wenn Nicht-Katholiken (die keine Kirchensteuer an die katholische Kirche zahlen) die Kommunion empfangen dürfen, so dürfen dann alle weiteren Sakramente auch empfangen. Es gibt nämlich keinen Grund für eine Unterscheidung in der Zulässigkeit des Empfangs des Sakramentes.

Wieso soll man dann aber noch Kirchensteuer zahlen?

Die Pflicht der Katholiken, Kirchensteuer zu zahlen, ist sogar eine Diskriminierung gegenüber Christen, die keine Kirchensteuer zahlen müssen.

Aber es gibt neben den Monetären noch einen tieferen Grund:

Die Eucharistie ist schlechthin das Sakrament der Einheit. Dieses Sakrament darf nur empfangen, wer tatsächlich katholisch ist. Das bedeutet, er muss zur katholischen Kirche gehören und zum katholischen Glauben und Lehramt treu sein.

Doch genau das scheint nach dem Ökumenischen Kirchentag nicht mehr für etliche deutsche Bischöfe zu gelten.

Das ist keine rein rhetorische Frage. Denn vor dem Ökumenischen Kirchentag hat Rom ausdrücklich vor der Interkommunion gewarnt!

Doch die Stellungnahme aus dem Vatikan wurde bloß als eine weitere Meinung zum Thema angesehen.

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, orientiert sich nämlich lieber an einem eigenen Gremium von Theologen – der „Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen“, welches das Papier „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ verfasst hat - als an den Stellungnahmen des Vatikans, die lediglich die Lehre der Kirche zur Eucharistie wiederholen.

Der „normale“ katholische Gläubige muss mit Ernüchterung feststellen, dass sich wichtige deutsche Bischöfe nicht mehr am katholischen Glauben, am römischen Lehramt und nicht mehr an Rom generell orientieren.

Diese Gläubige fragen sich berechtigterweise: An wen zahle ich eigentlich dann diese Steuer?

Diese Frage hat auch eine sehr wichtige kirchenpolitische Bedeutung: 

Wenn der Glaube, die Sakramente, die Einheit mit Rom und der Weltkirche nicht mehr wichtig sind, dann verwandelt sich die katholische Kirche immer mehr in eine bloße „Körperschaft des Öffentlichen Rechts“. Ihr wesentliches Merkmal aus der Sicht der Gläubigen ist, dass der Staat für sie die Steuern eintreibt. 

Man stelle sich folgendes vor: Was würde passieren, wenn der Staat sich weigert - aus welchen Gründen auch immer - die Kirchensteuer einzutreiben und kein Register mehr führt, wer Kirchensteuer zahlt und wer nicht?

Die einzige Bindung der Gläubigen zur Kirche würde dann entfallen. 

Hier sieht man: Die deutsche Kirchenkrise, die den katholischen Glauben in Deutschland zunehmend auflöst, führt automatisch dazu, dass sich in Deutschland die Kirche mehr und mehr von Staat abhängig macht.

Foto: Steve Buissinne, Pixabay



Donnerstag, 20. Mai 2021

ZDK-Chef will deutsche Kirchenrevolution weltweit verbreiten

 



Der (noch) amtierende Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und gleichzeitig Präsident des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT), Thomas Sternberg, hat laut des offiziösen Informationsportals der deutschen Bischöfe eine bemerkenswerte Aussage gemacht. Ich zitiere aus Katholisch.de:

„Beim Ökumenischen Kirchentag betonte Sternberg am Samstag (15. Mai 2021), dass die in Deutschland bearbeiteten Themen wie Macht und Machtmissbrauch, Rolle der Frau und Sexualmoral für die ganze Weltkirche relevant seien.“ Also die gesamte Agenda des „Synodalen Weges“: Frauenpriestertum, Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare, Umformulierung der Sexualmoral, etc.

Diesen Text gibt es auch als Video unter: https://youtu.be/t3ANru35oAc

Da reibt man sich die Augen. Wie revolutionär das ZDK ist, kann man daran ermessen, dass es jüngst die Gender-Sprache eingeführt hat. „Man könne nämlich nicht alle Menschen in die Kategorien Mann oder Frau zuordnen.

Nun fühlt sich das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ dazu berufen, seine gesamte Agenda, inklusive der Gender-Ideologie und des Feminismus, in die Weltkirche zu bringen.

Möglicherweise haben wir es mit einem fast pathologischen Fall von Hybris zu tun. Dafür spricht, dass das Ansehen der katholischen Kirche in Deutschland kaum schlechter sein könnte. Auf der ganzen Welt schüttelt man den Kopf über revolutionäre Aktionen wie etwa die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare am 10. Mai 2021.

Vielleicht müssen wir dieses Ansinnen, die deutsche Kirchenrevolution zu internationalisieren, ernst nehmen: 

Die katholische Kirche in Deutschland besitzt aufgrund der Kirchensteuer die Finanzkraft, eine progressistische Kirchenrevolution auf der ganzen Welt zu finanzieren. Zudem besitzt sie Dank der staatlich finanzierten Professoren an den Universitäten die nötige Armee von Theologen, um eine solche Revolution intellektuell – sprich sophistisch – zu unterstützen. Konservative Kirchen, wie etwa die Afrikanischen, sind finanziell von der revolutionären Kirche Deutschlands abhängig.

Gut möglich, dass Sternberg androht, mit deutschem Geld eine weltweite Kirchen-Revolution zu entfachen.


Mittwoch, 19. Mai 2021

Angriff auf katholische Ekklesiologie beim Ökumenischen Kirchentag

 



Zwei Ereignisse während des Kirchentages sind von besonderer Bedeutung: 

1. Die Interkommunion bei der Heiligen Messe im Frankfurter Dom am Samstag (15. Mai 2021) und 

2. Die Bekräftigung Bischofs Bätzings, die Segnung homosexueller Paare voranzutreiben.

Diesen Text gibt es auch als Video unter: https://youtu.be/swoRUpkK0dk

Erstens: Die beim Gottesdienst am 15. Mai 2021 praktizierte Interkommunion, also die Kommunionsspendung an die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg, war ein Angriff bzw. eine offene Ablehnung der katholischen Lehre über die Eucharistie.

Die Interkommunion war auch ein Angriff auf den katholischen Begriff von Kirche. Implizit wurde nämlich durch diese Interkommunion die Vorstellung vermittelt, die Kirche sei nicht klar umrissen, sondern sei so ein nebulöses Gebilde ohne klare Grenzen, ohne klare Mitgliedschaft, ohne einen festgelegten Glauben, ohne ein klar definiertes Lehramt.

Diese Vorstellung, die der Lehre der Kirche widerspricht, entspricht aber genau dem Kirchenbild des radikalen Progressismus. Dieser lehnt eine Kirche mit einer klaren Hierarchie und einem klaren Lehramt ab und damit auch die Vorstellung, dass die Kirche eine sichtbare Gemeinschaft ist. 

Gerade Theologen wie Hans Küng wetterten gegen dieses Kirchenbild und behaupteten implizit, die Kirche sei ein rein menschliches Werk, welches man zerstören müsse.

Zweites Ereignis: Bischof Georg Bätzing hat erneut behauptet, die Kirche müsse Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare einführen. Er wolle dies auf der Ebene der Weltkirche vorantreiben.

Damit erneuert Bischof Bätzing seinen Angriff auf die Sexualmoral bzw. seinen Willen, die Sexualmoral umzuformulieren.

Doch vor allem gibt er zu verstehen, dass das katholische Lehramt in ständiger Bewegung sei und sich mit der Zeit ändert. Möglicherweise meint er tatsächlich, das Lehramt entwickle sich in einem dialektischen Prozess, etwa so, wie sich Georg Friedrich Hegel den Erkenntnisprozess in seiner Phänomenologie des Geistes vorstellt. 

Zusammen genommen ergeben diese beiden Ereignisse während des ökumenischen Kirchentages eine Kirche, die keine fest definierte Identität besitzt. Für Bischof Bätzing und zusammen mit ihm viele Befürworter des sog. „Synodalen Weges“ ist die Kirche wohl eine Gemeinschaft des immerwährenden Dialogs, in welchem alles immer alles wieder von Neuem zur Diskussion gestellt wird. Die Kirche wäre ein amorphes und undefiniertes Gebilde, ein Fluidum, welches sich ständig bewegt und ändert.

Foto: Pressefoto ÖKT/Bongard