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Samstag, 28. Mai 2022
Pleite-Katholikentag: Ist Reformkatholizismus am Ende? Katholikentag zerstört zwei Mythen: Dass Progressismus 1. einflussreich ist und 2. Massen anzieht
Montag, 13. Februar 2017
Welcher Geist herrscht bei „katholisch.de“? / Dauerpolemik und Kampagnenjournalismus
Berechtigte Empörung provozierte ein Tweet des Chefredakteurs von „katholisch.de“, Steffen Zimmermann. Mit Fäkalsprache beleidigt er die AfD-Vertreter bei der Bundesversammlung am 12. Februar 2017 und alle Wähler dieser Partei.
Geradezu ironisch wirkt die Tatsache, dass der neue Bundespräsident, Walter Steinmeier, den Umgangston in sozialen Netzwerken beklagt.
Zimmermann selbst, oder jemand in der Redaktion, hat wohl schnell gespürt, dass diese Bemerkung definitiv zu weit ging und löschte nicht nur den Tweet, sondern gleich das Konto. Schon in der Nacht von Sonntag auf Montag zeigte Twitter die Meldung „Sorry, diese Seite existiert nicht!“.
Dieser Tweet ist aber keineswegs ein Einzelfall. „Katholisch.de“ ist schon seit Langem ein Ärgernis für viele Gläubige und nicht selten zum Fremdschämen.
Man fragt sich unwillkürlich, welcher Geist in der Redaktion dieses kirchenfinanzierten Portals herrscht.
Wenn es beispielsweise darum geht, Kritik an konservativen Katholiken zu üben, fehlt jede Verhältnismäßigkeit.
So wurden am 14. Januar 2017 die vier Dubia-Kardinäle Burke, Brandmüller, Meisner und Caffarra mit den Mördern Brutus und Cassius verglichen. So wertet man bei katholisch.de eine Anfrage beim Papst, er möge zu gewissen Punkten in seinem Schreiben Amoris Laetitia Stellung nehmen. Fragen zu stellen (in Form von Dubia) wird mit einem Cäsarenmord in Zusammenhang gebracht.
Das reichte der Redaktion wohl nicht. Wenige Tage später, am 18. Januar 2017, legte man nach und „katholisch.de“ machte sich Gedanken darüber, was wohl die Kritiker von „Amoris laetitia“ antreibt.
Zitat: „Es sind die selbsternannten Bewahrer der Lehre, die vor allem mit ‚Amoris laetitia‘ und der Zulassung Wiederverheirateter zur Eucharistie überfordert zu sein scheinen. Innerlich zerrissen zwischen Papst- und scheinbarer Lehramtstreue nehmen ihre Äußerungen – vom US-Kardinal bis hin zum deutschen Blogger – immer absurdere Züge an. Man spricht dem Lehrschreiben die Verbindlichkeit ab, fordert eine Klarstellung, will Franziskus formal korrigieren oder plädiert dafür, doch erst einmal auf den eigenen Bischof statt auf den Papst zu hören. Ab und zu fallen sogar Worte wie ‚Häretiker‘ oder 'Schisma'. Doch woher kommt all der Hass? Wovor haben die konservativen Katholiken eigentlich Angst?“
Wohlgemerkt: Unter diesen Personen befindet sich selbst jemand wie Kardinal Carlo Caffarra, einer der anerkanntesten Moraltheologen der Gegenwart. Auch der päpstliche Ehrenprälat, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, Kardinal Walter Brandmüller, ist demzufolge lediglich von Hass angetrieben. Dass diese beiden und viele andere, die Amoris Laetitia kritisiert haben, wie etwa der Philosoph Robert Spaemann, zahlreiche Bücher veröffentlicht haben, muss nicht eigens erwähnt werden.
Für "katholisch.de" spielt das alles keine Rolle. Das alles sind Personen, die aus der Zeit gefallen sind und eben aus Hass handeln. An dieser Stelle fragt man sich, was im Kopf der Verantwortlichen dieses Informationsportals der deutschen Bischofskonferenz vorgeht. Sind sie dermaßen von Narzissmus befallen, dass sie nicht merken, wie abfällig und überheblich sie über andere urteilen? Ist das etwa die Art und Weise, wie die katholische Kirche in Deutschland das Herz der Menschen für den Glauben gewinnen will?
Im Vorfeld der Familiensynode im Herbst 2015 konnte man laufend Artikel in „katholisch.de“ lesen, die der katholischen Morallehre widersprachen. Das Portal betrieb einen regelrechten Kampagnenjournalismus gegen das Lehramt.
Zu Recht empören sich viele Katholiken regelmäßig über dieses Portal. Kirchensteuern werden dazu verwendet, andere Katholiken – insbesondere konservative – zu verschmähen oder zu verspotten. Die Lehre der Kirche wird laufend angegriffen.
Ist das die Internet-Pastoral, die sich die Bischofskonferenz wünscht? Es wäre jedenfalls endlich Zeit, einzuschreiten und Maßnahmen zu treffen, damit sich solche Entgleisungen in der Zukunft nicht wiederholen.
Geradezu ironisch wirkt die Tatsache, dass der neue Bundespräsident, Walter Steinmeier, den Umgangston in sozialen Netzwerken beklagt.
Zimmermann selbst, oder jemand in der Redaktion, hat wohl schnell gespürt, dass diese Bemerkung definitiv zu weit ging und löschte nicht nur den Tweet, sondern gleich das Konto. Schon in der Nacht von Sonntag auf Montag zeigte Twitter die Meldung „Sorry, diese Seite existiert nicht!“.
Dieser Tweet ist aber keineswegs ein Einzelfall. „Katholisch.de“ ist schon seit Langem ein Ärgernis für viele Gläubige und nicht selten zum Fremdschämen.
Man fragt sich unwillkürlich, welcher Geist in der Redaktion dieses kirchenfinanzierten Portals herrscht.
Wenn es beispielsweise darum geht, Kritik an konservativen Katholiken zu üben, fehlt jede Verhältnismäßigkeit.
So wurden am 14. Januar 2017 die vier Dubia-Kardinäle Burke, Brandmüller, Meisner und Caffarra mit den Mördern Brutus und Cassius verglichen. So wertet man bei katholisch.de eine Anfrage beim Papst, er möge zu gewissen Punkten in seinem Schreiben Amoris Laetitia Stellung nehmen. Fragen zu stellen (in Form von Dubia) wird mit einem Cäsarenmord in Zusammenhang gebracht.
Das reichte der Redaktion wohl nicht. Wenige Tage später, am 18. Januar 2017, legte man nach und „katholisch.de“ machte sich Gedanken darüber, was wohl die Kritiker von „Amoris laetitia“ antreibt.
Zitat: „Es sind die selbsternannten Bewahrer der Lehre, die vor allem mit ‚Amoris laetitia‘ und der Zulassung Wiederverheirateter zur Eucharistie überfordert zu sein scheinen. Innerlich zerrissen zwischen Papst- und scheinbarer Lehramtstreue nehmen ihre Äußerungen – vom US-Kardinal bis hin zum deutschen Blogger – immer absurdere Züge an. Man spricht dem Lehrschreiben die Verbindlichkeit ab, fordert eine Klarstellung, will Franziskus formal korrigieren oder plädiert dafür, doch erst einmal auf den eigenen Bischof statt auf den Papst zu hören. Ab und zu fallen sogar Worte wie ‚Häretiker‘ oder 'Schisma'. Doch woher kommt all der Hass? Wovor haben die konservativen Katholiken eigentlich Angst?“
Wohlgemerkt: Unter diesen Personen befindet sich selbst jemand wie Kardinal Carlo Caffarra, einer der anerkanntesten Moraltheologen der Gegenwart. Auch der päpstliche Ehrenprälat, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, Kardinal Walter Brandmüller, ist demzufolge lediglich von Hass angetrieben. Dass diese beiden und viele andere, die Amoris Laetitia kritisiert haben, wie etwa der Philosoph Robert Spaemann, zahlreiche Bücher veröffentlicht haben, muss nicht eigens erwähnt werden.
Für "katholisch.de" spielt das alles keine Rolle. Das alles sind Personen, die aus der Zeit gefallen sind und eben aus Hass handeln. An dieser Stelle fragt man sich, was im Kopf der Verantwortlichen dieses Informationsportals der deutschen Bischofskonferenz vorgeht. Sind sie dermaßen von Narzissmus befallen, dass sie nicht merken, wie abfällig und überheblich sie über andere urteilen? Ist das etwa die Art und Weise, wie die katholische Kirche in Deutschland das Herz der Menschen für den Glauben gewinnen will?
Im Vorfeld der Familiensynode im Herbst 2015 konnte man laufend Artikel in „katholisch.de“ lesen, die der katholischen Morallehre widersprachen. Das Portal betrieb einen regelrechten Kampagnenjournalismus gegen das Lehramt.
Zu Recht empören sich viele Katholiken regelmäßig über dieses Portal. Kirchensteuern werden dazu verwendet, andere Katholiken – insbesondere konservative – zu verschmähen oder zu verspotten. Die Lehre der Kirche wird laufend angegriffen.
Ist das die Internet-Pastoral, die sich die Bischofskonferenz wünscht? Es wäre jedenfalls endlich Zeit, einzuschreiten und Maßnahmen zu treffen, damit sich solche Entgleisungen in der Zukunft nicht wiederholen.
Montag, 16. Mai 2016
Nach Amoris Laetitia steht der Progressismus vor einem Dilemma
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| Kardinal Walter Kasper Foto: Mathias v. Gersdorff |
Die von Kardinal Lehmann beschriebene Stimmung in Deutschland ist Folge von unterschiedlichen Erwartungen und Perspektiven, die im Progressismus von Anfang an bestanden.
Was alle Linkskatholiken eint, ist ihr Wunsch, dass sich die katholische Kirche der modernen Welt anpasst oder zumindest stark annähert. Wobei diese Annäherung zur Welt nicht irgendeine sein soll. Nein, die Kirche soll sich den egalitären ideologischen Strömungen anpassen. Die Kirche soll sich entsprechend der vorherrschenden gleichmacherischen Gesinnung umwandeln.
Um die Anpassung an die Welt zu erreichen, müsste sich dementsprechend die Kirche von allem entledigen, das dieser gleichmacherischen Gesinnung widerspricht:
Unterschied zwischen Laien und Priestern, Hierarchie innerhalb des Klerus, Unterschiede zwischen natürlicher und übernatürlicher Ordnung (durch Banalisierung der Liturgie, durch Abschaffung der Volksfrömmigkeit, durch Abschaffung von Devotionalien wie Rosenkränze, durch entsakralisierte Architektur und Kunst etc.), durch Ablehnung einer autoritären Sprache und eines selbstbewussten Auftretens (Stichwort „Barocke Prachtentfaltung“) etc.
Unnötig zu sagen, dass es hier unterschiedliche Intensitäten gibt. Nicht alle wollen so weit wie Hans Küng oder Eugen Drewermann gehen.
Trotz dieser Einheit unter den Progressisten in der Zielrichtung gab es einen wichtigen und grundsätzlichen Unterschied.
1. Für eine Fraktion ging es vor allem darum, dass sich die Kirche kulturell ändert, um auf Augenhöhe mit der „Welt von heute“ in Kontakt treten zu können. Die Vertreter dieser Auffassung meinten, die Kirche müsse anders auftreten, anders kommunizieren, damit sie von modernen Menschen verstanden werden kann. Zu diesem Zweck sollte sie sich weniger mit doktrinären Themen beschäftigen, sondern mit den pastoralen Schwierigkeiten der real existierenden Welt. Aus demselben Grund sollte sich die Kirche mit den Herausforderungen der Welt von heute beschäftigen: soziale Probleme, Hunger in der Welt, Umweltzerstörung etc. Was eben gerade (medial) aktuell ist.
Diese Auffassung führte in der Vergangenheit zu Ansichten, die man heute kaum noch für möglich hält. So gab es beispielsweise Priester, die offen mit sozialistischen oder gar kommunistischen Ideen sympathisierten (ohne unbedingt die Ideologien gutzuheißen). Sie meinten, Sozialismus oder gar Kommunismus seien imstande, den Armen zu helfen. Gleichzeitig verteidigten einige dieser Priester aber entschlossen die katholische Sexualmoral.
Es gab aber von vornherein ein zweites Lager innerhalb des Progressismus, welches sich nicht mit einer bloßen kulturellen Anpassung der Kirche zufrieden gab:
2. Diese zweite Strömung war der Auffassung, die Lehre der Kirche müsse geändert werden. Eine neue Pseudo-Lehre müsse kreiert werden, die den revolutionären Maximen der egalitären modernen Welt entspricht. Ein Nebenprodukt einer solchen „Reform“ wäre, dass die Kirche nicht mehr die Hüterin der Wahrheit sein würde. Für diese Fraktion entsteht die Wahrheit durch einen fortlaufenden theologischen Dialog.
Um beim Beispiel des Kommunismus zu bleiben: Die Befreiungstheologie, die eine Symbiose zwischen der Doktrin des Klassenkampfes und dem Christentum anstrebte, war eines dieser theologischen „Projekte“.
Was Deutschland anbelangt, ist die Kritik an einer Morallehre, die das Naturrecht zur Grundlage nimmt, seit langem stark verbreitet. Schon in den 1950er Jahren (um nicht noch weiter zurück zur Zeit des Modernismus zu gehen) war die Situationsethik [wonach moralische Sachverhalten müssen nach den konkreten individuellen Lebensumständen beurteilt werden müssen und nicht nach allgemeinen Normen] unter den modernen Theologen populär (wohl der wichtigste war damals der Redemptorist Bernhard Häring CSsR).
Diese Strömung innerhalb des deutschen Progressismus ist mit den Jahren immer stärker geworden und trat vor den letzten beiden Synoden publizistisch stark in Erscheinung. Sie hofften offenbar, dass die ordentliche (Familien-)Synode im Herbst 2015 nicht nur die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen erlauben würde, sondern auch die Verhütungsmittel und alle möglichen Formen von Partnerschaften – inklusive der gleichgeschlechtlichen – absegnen würde.
Amoris Laetitia, das postynodale Schreiben, greift diese Themen zwar auf, ist aber bestenfalls unklar, was Änderungen der Lehre angeht. Die herrschende Meinung unter den Theologen ist, dass die Lehre dadurch nicht geändert wurde, trotz mancher Passagen, die das Gegenteil andeuten. Es bleibt also alles beim Alten - was das Lehramt anbelangt.
Die Enttäuschung darüber würde möglicherweise erklären, wieso in Deutschland das Echo unter den progressistischen Theologen so schwach war, wie Kardinal Lehmann behauptet.
Ganz anders aber war die Aufnahme von Amoris Laetitia in Ländern, in denen Progressisten, die keine neue Lehre anstreben, sondern eine weitere kulturelle Anpassung der Kirche an die moderne Welt, die Mehrheit bilden.
Insbesondere in Italien ist diese Partei stark. Viele Theologen dort wollen gar kein klares Lehramt, sondern sind durchaus mit undeutlichen oder gar widersprüchlichen Aussagen zufrieden und hoffen, dass sich die Realität, also die real existierende Kirche ändert, ohne sich auf langwierige und anstrengende theologische Dispute einzulassen. Für sie ist das Chaos in der Kirche ein durchaus erstrebenswerter Zustand. „Die Gläubigen“, so die Überlegung dieser Progressisten, „würden in einem Zustand des Chaos´ beginnen so zu leben, wie sie es für richtig halten. Das Lehramt würde im Alltag fast keine Rolle mehr spielen und das wäre gut so.“
Im Grunde können die oben beschriebenen Parteien als zwei unterschiedliche Strategien aufgefasst werden, die zum selben Ziel führen sollen, also der Zerstörung der katholischen Kirche: Eine katholische Kirche, die nicht mehr vorrangig dafür da ist, die Wahrheit zu verkünden, wäre keine wahre Kirche mehr.
Es ist wichtig für die Gläubigen, beide Strategien im Auge zu behalten. Beide Vorgehensweisen erfordern unterschiedliche Gegenstrategien. Jedenfalls ist eine rein theologische Auseinandersetzung mit den Irrtümern der Progressisten nicht ausreichend, wenn es darum geht, den katholischen Glauben zu verteidigen. Eine kulturelle Gegenreaktion ist mindestens genauso wichtig.
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Progressismus
Freitag, 30. Oktober 2015
Wann beginnen die Bischöfe, die lehramtstreuen Katholiken zu verteidigen?
Die Angriffswelle auf das katholische Lehramt seitens linker Theologen und Basisgruppen, die nach der unsäglichen Rede von Kardinal Walter Kasper vor dem Konsistorium Anfang 2014 durchgestartet ist, droht in verschärfter Form nach der eben abgelaufenen Synode fortgesetzt zu werden.
Wie in diesem Blog gezeigt, ist es dem deutschen Progressismus im Grunde völlig gleichgültig, was auf der Synode besprochen wurde.
Sie sind fest entschlossen, ihre Agenda durchzusetzen. Diese Agenda besteht aus der Einführung der sexuellen Revolution nach den Maximen der 1968er in die Kirche.
Unsere Bischöfe haben diesen Angriff durch ihre Passivität in der Verteidigung der katholischen Lehre gefördert:
Hierzulande kann ein Theologe die verrücktesten Ideen verbreiten, ohne irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.
Gleichzeitig haben es Pfarrer, Priester und Theologen, die dem katholischen Lehramt treu bleiben, in Deutschland zunehmend schwer. Sie sind der öffentlichen Hetze ausgeliefert, sie müssen die üblichen Denunzianten in den Pfarrämtern fürchten, sie werden von der liberalen Presse, die gierig nach konservativen Priestern sucht, die sie in die Pfanne hauen können, geradezu verfolgt.
In diesem Klima werden die glaubenstreuen Katholiken zunehmend in eine mentale Katakombe gedrängt.
Nach der Synode droht sich diese Situation erheblich zu verschlimmern.
Wer heute banale Aussagen des Lehramtes auch nur verkündet, wird schon als Feind des Papstes beschimpft. Wer päpstliche Schreiben wie Familiaris consortio oder Humane Vitae zitiert oder verteidigt, wird als Fundamentalist beschimpft.
Gegen diese unerträgliche Situation müssen die Bischöfe Deutschlands endlich etwas unternehmen! Ansonsten wird sich das innerkirchliche Klima der Verfolgung immer mehr verbreiten.
Wie in diesem Blog gezeigt, ist es dem deutschen Progressismus im Grunde völlig gleichgültig, was auf der Synode besprochen wurde.
Sie sind fest entschlossen, ihre Agenda durchzusetzen. Diese Agenda besteht aus der Einführung der sexuellen Revolution nach den Maximen der 1968er in die Kirche.
Unsere Bischöfe haben diesen Angriff durch ihre Passivität in der Verteidigung der katholischen Lehre gefördert:
Hierzulande kann ein Theologe die verrücktesten Ideen verbreiten, ohne irgendwelche Konsequenzen zu befürchten.
Gleichzeitig haben es Pfarrer, Priester und Theologen, die dem katholischen Lehramt treu bleiben, in Deutschland zunehmend schwer. Sie sind der öffentlichen Hetze ausgeliefert, sie müssen die üblichen Denunzianten in den Pfarrämtern fürchten, sie werden von der liberalen Presse, die gierig nach konservativen Priestern sucht, die sie in die Pfanne hauen können, geradezu verfolgt.
In diesem Klima werden die glaubenstreuen Katholiken zunehmend in eine mentale Katakombe gedrängt.
Nach der Synode droht sich diese Situation erheblich zu verschlimmern.
Wer heute banale Aussagen des Lehramtes auch nur verkündet, wird schon als Feind des Papstes beschimpft. Wer päpstliche Schreiben wie Familiaris consortio oder Humane Vitae zitiert oder verteidigt, wird als Fundamentalist beschimpft.
Gegen diese unerträgliche Situation müssen die Bischöfe Deutschlands endlich etwas unternehmen! Ansonsten wird sich das innerkirchliche Klima der Verfolgung immer mehr verbreiten.
Mittwoch, 28. Oktober 2015
Nach Synode: Deutscher Progressismus will Fakten schaffen
Die Tatsache, dass die Synode kein demokratisches Entscheidungs-, sondern ein Beratungsgremium ist und das Synodenschlussdokument – die „Relatio finalis“ - kein lehramtliches Schreiben, sondern eine Art Positionspapier, ist manchen Progressisten in Deutschland egal: Schon jetzt sehen sie sich in ihren Ansichten bestätigt und wollen nun konkrete Fakten schaffen.
So sagte Professor Eberhard Schockenhoff, seit Jahren rabiater Verfechter der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, gegenüber der „Katholischen Nachrichtenagentur (KNA)“, der in manchen Gegenden übliche unwürdige Empfang der Kommunion wäre nun von der Weltkirche akzeptiert worden:
„Das, was sich bisher vielerorts als bewährte Praxis gezeigt hat, kann gestärkt weitergehen. Die Erzdiözese Freiburg und andere Diözesen können mit gutem Grund sagen, dass ihre Praxis der individuellen Lösungssuche im Einklang mit weltkirchlichen Regeln steht. Und zwar mit gutem Gewissen und voller Überzeugung.“
Das Bistum Limburg, zurzeit vakant und von Weihbischof Manfred Grothe geleitet, fordert in einer öffentlichen Mitteilung „mit Blick auf die Familiensynode“ eine neue Wertschätzung von wilden Ehen: „Die Kirche müsse sich sehr davor hüten, bestimmte Lebensformen, die ihrer Überzeugung nach nicht bejaht werden können, zu verurteilen. Vielmehr gelte es, andere Lebensformen zu akzeptieren und wertzuschätzen, ohne dabei das Ideal aufzugeben.“ „Es tut der Kirche gut, wenn sie gute Beziehungen stärkt, egal in welcher Lebensform“, so das Communiqué des Bistums.
Laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 27. Oktober 2015 soll es aber nicht bei der bloßen Wertschätzung bleiben: „Wo sind geeignete Liturgien für Geschiedene, die eine neue Ehe eingehen wollen? Wo die für homosexuelle Paare? Wenn die Kirche auch in diesen Gemeinschaften ihre wichtigen Werte verwirklicht sieht (so muss Grothe verstanden werden), müsste sie auch Formen finden, dies auszudrücken – offiziell und nicht unter der Hand, wie es einzelne Pfarrer schon praktizieren“.
Das Schuldbekenntnis der deutschen Sprachgruppe bei der Synode (die Deutschsprachigen baten um Verzeihung für vergangene unbarmherzige Haltung gegenüber Homosexuellen, Alleinerziehenden, Geschiedenen usw.) nehmen das „Netzwerk katholischer Lesben“ und die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“ zum Anlass, den Dialog mit der Kirche zu intensivieren.
Die postsynodale Diskussion entwickelt in Deutschland eine Dynamik, die mit der eigentlichen Synode in Rom immer weniger zu tun hat.
Ein schon lang existierender Verdacht bestätigt sich zunehmend: Teilen der katholischen Kirche war es immer egal, was am Ende bei der Synode rauskommt. Sie waren von vornherein dazu entschlossen, einen deutschen Sonderweg zu wählen.
Dienstag, 13. Oktober 2015
Derzeitige deutsche Strategie auf der Synode: Harmonie vortäuschen
Insbesondere Erzbischof Heiner Koch (Berlin) bemüht sich, in den deutschen katholischen Medien diese „Friede-, Freude-, Eierkuchen-Stimmung“ zu verbreiten.
Die Realität sieht aber ganz anders aus.
Die Vertreter aus Osteuropa sind geradezu entsetzt über die extravaganten deutschen Vorschläge und veröffentlichen laufend ihre Eindrücke, Meinungen und Bereitschaft, Widerstand gegen die deutsche Vertretung zu leisten. Insbesondere Stanisław Gądecki, Erzbischof von Posen und Vorsitzender der polnischen Bischofskonferenz, hat sich mit solchen Äußerungen hervorgetan.
Auch Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz (Minsk, Weißrussland) hat klar gemacht, eine Änderung der Sakramentenpastoral entsprechend den Vorstellungen von Kardinal Kasper sei ausgeschlossen.
Etliche Kardinäle haben sich nun an den Papst gewandt und auf die Möglichkeit massiver Manipulationen der Synodendokumente durch das Redaktionsteam hingewiesen. Die Redaktionskommission ist in ihrer großen Mehrheit von Progressisten wie etwa Kardinal Baldisseri oder Erzbischof Bruno Forte besetzt.
Kardinal Peter Erdö (Budapest) hielt am ersten Sitzungstag eine konservative Rede, in der die deutschen Vorschläge abgewiesen wurden, berichteten etliche Medien. Danach habe sich Kardinal Reinhard Marx sich abfällig geäußert und gemeint, die Ansprache sei unwichtig für die weiteren Gespräche während der Synode. Kardinal Kasper soll Kardinal Erdö mit einem versteinerten Gesicht zugehört haben.
Und nicht zuletzt: Der Papst selbst musste am vergangenen Dienstag (7. Oktober 2015) einschreiten, um einer Parteienbildung entgegenzuwirken.
Über die Gründe, wieso Marx & Co. in den deutschen Medien ein völlig anderes Bild präsentieren, als es den Realitäten entspricht, lassen sich folgende Hypothesen aufstellen:
1. Seit langem erwartet der deutsche Linkskatholizismus keine entscheidenden Siege bei der Synode, sondern bereitet sich auf die Zeit danach vor. Sie rechnen möglicherweise damit, dass die Dokumente, die überhaupt redigiert werden, schwammig und mehrdeutig sein werden. Diese könnten die liberalen deutschen Bischöfe nach ihrem Gutdünken auslegen und auf diese Weise ihre extravaganten Ideen hinsichtlich wiederverheirateter Geschiedener, Homosexueller, Sexualmoral usw. in die Praxis setzen.
2. Die deutsche Delegation hat sicherlich Angst, dass man ihnen vorwirft, sie seien maßgeblich für die vergiftete Atmosphäre während der Synode verantwortlich. Schließlich haben sie monatelang für ihre abseitigen Ideen auf der ganzen Welt geworben und einen wichtigen Teil des Weltepiskopats gegen sich aufgebracht. Für die Vertreter aus Osteuropa und aus Afrika ist die deutsche Delegation der Inbegriff einer arroganten und dekadenten westlichen Kirche, die von der sexuellen Revolution okkupiert wurde.
3. Die deutsche Delegation hat wohl auch Angst, dass die deutsche Öffentlichkeit mitbekommt, was für einen ungünstigen Ruf die katholische Kirche Deutschlands weltweit inzwischen hat und wie stark die linkskatholischen deutschen Bischöfe dafür verantwortlich sind.
Die Synode tagt noch zwei Wochen, so dass noch viel passieren kann. Jedenfalls ist die Delegation der Deutschen Bischofskonferenz nicht untätig und kontaktiert fleißig Bischöfe aus ärmeren Regionen. Hoffentlich versuchen sie nicht, sich gewissermaßen Sympathien mit Geld zu erkaufen.
Sonntag, 11. Oktober 2015
Weltweite linkskatholische Allianz macht Druck auf Synode
50 sogenannte „Reformgruppen“ fordern in einem Appell an die in Rom tagende Synode eine Abkehr der „verknöcherten Lehre zu Ehe, Familie und Sexualität“.
Im Appell werden die typischen Forderungen aus den linken Milieu gestellt: Homosexualität anerkennen, Zölibat abschaffen usw.
Die Enzyklika Humanae Vitae und die darin enthaltene Lehre zu Ehe, künstlichen Verhütungsmittel usw. wird scharf abgelehnt. Die Begründung: „Die Lehre der Kirchenleitung hinsichtlich der Empfängnisverhütung in der Enzyklika Humanae Vitae ist von den weitaus meisten Gläubigen nicht akzeptiert worden.“
Etliche deutsche Gruppen unterstützen den Appell, darunter „Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.“, „Initiative Kirche von unten“, „Pfarrer-Initiative Deutschland“, „Wir sind Kirche“ u.a.
Der Appell mit dem Namen „Folgt Papst Franziskus auf dem Weg des Dialogs und der Reform!“ ist in einem agitatorischen Stil redigiert.
Eine besonders aggressive Sprache wählen die Progressisten, wenn es um sexuellen Missbrauch geht: „Gegenüber den Überlebenden sexuellen Missbrauchs durch Priester und Ordensleute sollte die Synode ein klares Zeichen der Reue setzen und sich verpflichten, ihnen und ihren Familien Gerechtigkeit, Mitgefühl und Fürsorge zukommen zu lassen.
Die Initiative hat nicht vor, ihre Aktivitäten auf die Zeit der Synode einzuschränken. Für November 2015 sind schon zwei Tagungen geplant.
Im Laufe des Jahres haben linkskatholische Gruppen mehrmals erklärt, die Familiensynode sei erst der Anfang des (neuen) Kampfes gegen die traditionelle Ehe- und Sexualmoral der katholischen Kirche.
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Freitag, 2. Oktober 2015
Deutsche Laienverbände und Bischöfe pochen auf deutschen Sonderweg
Kurz vor der Familiensynode, die an diesem Sonntag beginnt, fordern der BDKJ und das ZdK die Möglichkeit eines deutschen Sonderweges.
Ausdrücklich wünschen sie sich Gestaltungsfreiheit hinsichtlich der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, homosexuelle Partnerschaften usw.
Ähnliche Stellungnahmen kamen in den letzten Monaten auch aus dem deutschen Episkopat.
Aufgrund der Tatsache, dass die Synode nicht mehr beabsichtigt, Dokumente zu veröffentlichen, ist die Möglichkeit eines deutschen Sonderweges (im Grunde wäre das eine Schisma) gar nicht so unwahrscheinlich.
Die Überlegungen der Linkskatholiken könnten folgende sein:
In Ermangelung konkreter Stellungnahmen seitens der Synode (und anschließend möglicherweise auch des Papstes) würden die Progressisten dieses als einen Freibrief für die Bischofskonferenzen oder die einzelnen Diözesen auslegen, die Debatten während der Synode nach ihrem Gutdünken zu „interpretieren“.
Marx & Co. ("Wir sind keine Filiale von Rom!") könnten so nach der Synode eine Anordnung erlassen, wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion zu erteilen. Radikalere Bischöfe könnten gar anordnen, in „speziellen“ Fällen nicht-eheliche Partnerschaften zu segnen.
Die Begründung: "Das sei der Wille des Kirchenvolkes, ausgedrückt durch die Stellungnahmen von ZdK, BDKJ usw.“.
Die Pfarrer, die sich weigern diesen Anordnungen zu folgen, würden ihre Posten verlieren.
Auf diese Weise könnte in Deutschland schnell die katholische Kirche durch eine andere Kirche substituiert werden, die natürlich den Namen „katholisch“ beibehalten würde. Schließlich möchte man nicht auf die Kirchensteuer verzichten.
Sollte der Papst zu spät einschreiten, könnten sich etliche deutsche Bistümer auf einen solchen Irrweg begeben.
Donnerstag, 17. September 2015
Betreibt Katholisch.de Dekonstruktion des katholischen Lehramts?
Es vergeht kaum ein Tag, an welchem das Informationsportal der Deutschen Bischofskonferenz 'Katholisch.de' keinen Beitrag bringt, der die katholische Lehre in irgendeinem Punkt angreift.
Heute, am 17. September 2015, erscheint beispielsweise ein Kommentar zum Modethema „Homosexualität“ von Herrn Simon Linder, Student der Theologie in Tübingen.
Linders ist der gefühlt hunderttausendste Beitrag zu diesem Thema. Nicht besonders originell ist die Kernaussage: Die katholische Kirche solle ihre Ansicht zu Homosexualität ändern.
Seit der Einberufung der Familiensynode (4. – 25. Oktober 2015) erscheint solche Art von Beiträgen in penetranter Häufigkeit.
Die Strategie von 'Katholisch.de' (und wohl zumindest einem Teil der Deutschen Bischofskonferenz) scheint folgende zu sein: Das Lehramt ist nicht die Gesamtheit der verbindlichen Aussagen, die die kirchliche Autorität verkündet hat, sondern eher ein Stoff, über den man ohne Ende debattieren kann. Das Lehramt wird im Grunde zu einer Sammlung von Denkanstößen degradiert.
Wenn wiederholt und systematisch ein Portal der Deutschen Bischofskonferenz wichtige und längst definierte Wahrheiten infrage stellt, vermittelt das den Eindruck, das Lehramt sei weder verbindlich noch würde es die Wahrheit erläutern.
Auf diese Weise verliert das Kirchenvolk (zumindest bei den Lesern von 'Katholisch.de') die Überzeugung, dass die kirchliche Autorität die Wahrheit des Evangeliums verkündet. Es entsteht der Eindruck, als seien das alles nur Meinungen und Theorien, die man annehmen oder auch ablehnen könne. Hinsichtlich Glaube und Moral dürfe der Katholik denken, was ihm beliebe. Die kirchliche Hierarchie hätte hinsichtlich Glaube und Moral keine lehramtliche Autorität. Das Lehramt sei lediglich eine Richtschnur, so was wie eine Referenz, die aber nicht wirklich verbindlich ist. In diesem Kontext ist die Kirche nicht viel mehr als ein Debattierclub.
Für diese Taktik oder Methode gibt es ein Wort: Dekonstruktion.
Durch die regelmäßige und immer radikalere Infragestellung katholischer Wahrheit will man wohl den Gläubigen in einen Dauerzustand des Zweifels versetzen. Er soll so seine Gewissheiten über den katholischen Glauben und die katholische Moral überprüfen und selber infrage stellen.
Ein Gläubiger, der sich auf diese Gehirnwäsche einlässt, weiß am Ende überhaupt nicht mehr, woran er glaubt. Schließlich tritt er aus der Kirche aus.
Jemand könnte nun einwenden, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht und auch 'Katholisch.de' Meinungen frei veröffentlichen und verbreiten dürfe.
Doch 'Katholisch.de' betreibt diese Dekonstruktion mit dem Etikett „katholisch“ (und finanziert mit der Kirchensteuer), was nichts anderes als eine Irreführung ist.
Ehrlicherweise sollte das Portal den Namen ändern und klar sagen, was es beabsichtigt: Die Schleifung der katholischen Lehre!
Donnerstag, 3. September 2015
Bischof Johan Bonny von Antwerpen wettert gegen Humanae Vitae
Wohl der liberalste unter den liberalen Bischöfen ist Johan Bonny von Antwerpen, Belgien. Schon vor der ersten Familiensynode im Oktober 2014 forderte er ein Umdenken der Kirche in Sachen Homosexualität und eine positive Würdigung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.
Kurz vor der bevorstehenden Synode, die am 4. Oktober 2015 beginnt, meldet er sich erneut zu Wort um die Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. scharf zu kritisieren.
Die wichtigsten Kritikpunkte: Die Enzyklika sei nicht im Konsens mit dem Weltepiskopat entstanden, ihr würde ein veraltetes Verständnis von Sexualität zugrunde liegen und deshalb würde sie künstliche Verhütungsmittel, außerehelichen Geschlechtsverkehr und nicht-heterosexuelle Verbindungen verurteilen.
All dies müsse die kommende Synode rückgängig machen.
Einige Passagen aus seinem Beitrag für das soeben erschienene Sammelband „Zerreißprobe Ehe“ (Verlag Herder), die Bischof Bonnys Gesinnung besonders deutlich zeigen, sollen hier dokumentiert werden. Herausgeber ist Ulrich Ruh, ehemaliger Chefredakteur der „Herder Korrespondenz“. Das Vorwort schrieb Karl Kardinal Lehmann. Das Buch versteht sich als ein Beitrag zur Diskussion über Ehe und Familie im Hinblick auf die Familiensynode im Oktober 2015.
Hier kritisiert Bischof Bonny die fehlende „Kollegialität“. Diese Haltung hätte nicht im Einklang mit dem Geist des Konzils gestanden:
Alle Konstitutionen und Dekrete des Zweiten Vatikanums, auch die schwierigsten, wurden schlussendlich annähernd im Konsens verabschiedet. Von dieser Art Kollegialität blieb allerdings drei Jahre später, bei der Veröffentlichung von „Humanae Vitae“ nur sehr wenig übrig. Dass der Papst ein Urteil zu den Problemen ‚Bevölkerung, Familie und Geburten‘ fällen sollte, war vom Konzil vorgesehen. Dass er dabei das kollegiale Bemühen um einen größtmöglichen Konsens beiseitelassen sollte, war vom Konzil nicht vorgesehen.
Bischof Bonny will deshalb einen Rückfall in einen harten Autoritarismus erkennen:
Aber mich bekümmert die Tatsache, dass das Fehlen einer kollegialen Basis sofort zu Spannungen, Konflikten und Brüchen geführt hat, die nicht mehr überwunden wurden. Sowohl von der einen wie von der anderen Seite wurden seinerzeit Türen geschlossen, die seither nicht mehr geöffnet wurden. Die lehramtliche Linie von „Humanae Vitae“ wurde darüber hinaus in ein strategisches Programm umgesetzt, das mit fester Hand durchgeführt wurde. Diese Kirchenpolitik hat eine breite Schneise von Verdächtigungen, Ausschlüssen und verpassten Chancen hinterlassen. Diese Spaltung darf nicht bleiben.
Lange führt er aus, wieso homosexuelle Beziehungen nicht abzulehnen seien:
Dem Heiligen Thomas zufolge werden Mann und Frau durch einen natürlichen Instinkt voneinander angezogen, wie es auch bei allen anderen Tieren der Fall ist. Die Anziehung durch das andere Geschlecht ist also allgemein und kennt keinerlei Ausnahmen. Nach diesem Ansatz bedeutet ein Handeln gegen die heterosexuelle Neigung ein bewusstes Abweichen vom natürlichen Instinkt; von daher stammt auch der Begriff einer „Sünde gegen die Natur“, wie schon der Apostel Paulus bekräftigte (Röm 1,24–32). Der wissenschaftliche Fortschritt erlaubt es, diese Sichtweise zu nuancieren. Zunächst einmal weiß man, dass es Homosexualität auch in der Tierwelt gibt.
Dabei benutzt er typische Totschlagbegriffe wie „Diskriminierung“:
Darüber hinaus wird in unserer personalistischen Kultur das Verbot jeder homosexuellen Beziehung als unzumutbare Diskriminierung betrachtet: Es sollte also Männer und Frauen geben, die nicht das Recht hätten, ihre Sexualität auszuüben, bloß weil sie nicht wie die große Mehrheit der anderen Menschen leben! Für die allermeisten unserer Zeitgenossen ist das unvorstellbar. Schließlich bedeutet dieses Verbot, eine enorme Verantwortung auf sich zu nehmen: Man weiß heute, dass eine von außen auferlegte Unterdrückung der sexuellen Praxis zu unbewussten Verlagerungen der entsprechenden Regungen mit unheilvollen Konsequenzen führen kann: Alkoholismus, Drogen, andere Verirrungen, psychosomatische Krankheiten, Beziehungsstörungen, Unduldsamkeit, Aggressivität, Autoritarismus usw.
Kurz vor der bevorstehenden Synode, die am 4. Oktober 2015 beginnt, meldet er sich erneut zu Wort um die Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. scharf zu kritisieren.
Die wichtigsten Kritikpunkte: Die Enzyklika sei nicht im Konsens mit dem Weltepiskopat entstanden, ihr würde ein veraltetes Verständnis von Sexualität zugrunde liegen und deshalb würde sie künstliche Verhütungsmittel, außerehelichen Geschlechtsverkehr und nicht-heterosexuelle Verbindungen verurteilen.
All dies müsse die kommende Synode rückgängig machen.
Einige Passagen aus seinem Beitrag für das soeben erschienene Sammelband „Zerreißprobe Ehe“ (Verlag Herder), die Bischof Bonnys Gesinnung besonders deutlich zeigen, sollen hier dokumentiert werden. Herausgeber ist Ulrich Ruh, ehemaliger Chefredakteur der „Herder Korrespondenz“. Das Vorwort schrieb Karl Kardinal Lehmann. Das Buch versteht sich als ein Beitrag zur Diskussion über Ehe und Familie im Hinblick auf die Familiensynode im Oktober 2015.
Hier kritisiert Bischof Bonny die fehlende „Kollegialität“. Diese Haltung hätte nicht im Einklang mit dem Geist des Konzils gestanden:
Alle Konstitutionen und Dekrete des Zweiten Vatikanums, auch die schwierigsten, wurden schlussendlich annähernd im Konsens verabschiedet. Von dieser Art Kollegialität blieb allerdings drei Jahre später, bei der Veröffentlichung von „Humanae Vitae“ nur sehr wenig übrig. Dass der Papst ein Urteil zu den Problemen ‚Bevölkerung, Familie und Geburten‘ fällen sollte, war vom Konzil vorgesehen. Dass er dabei das kollegiale Bemühen um einen größtmöglichen Konsens beiseitelassen sollte, war vom Konzil nicht vorgesehen.
Bischof Bonny will deshalb einen Rückfall in einen harten Autoritarismus erkennen:
Aber mich bekümmert die Tatsache, dass das Fehlen einer kollegialen Basis sofort zu Spannungen, Konflikten und Brüchen geführt hat, die nicht mehr überwunden wurden. Sowohl von der einen wie von der anderen Seite wurden seinerzeit Türen geschlossen, die seither nicht mehr geöffnet wurden. Die lehramtliche Linie von „Humanae Vitae“ wurde darüber hinaus in ein strategisches Programm umgesetzt, das mit fester Hand durchgeführt wurde. Diese Kirchenpolitik hat eine breite Schneise von Verdächtigungen, Ausschlüssen und verpassten Chancen hinterlassen. Diese Spaltung darf nicht bleiben.
Lange führt er aus, wieso homosexuelle Beziehungen nicht abzulehnen seien:
Dem Heiligen Thomas zufolge werden Mann und Frau durch einen natürlichen Instinkt voneinander angezogen, wie es auch bei allen anderen Tieren der Fall ist. Die Anziehung durch das andere Geschlecht ist also allgemein und kennt keinerlei Ausnahmen. Nach diesem Ansatz bedeutet ein Handeln gegen die heterosexuelle Neigung ein bewusstes Abweichen vom natürlichen Instinkt; von daher stammt auch der Begriff einer „Sünde gegen die Natur“, wie schon der Apostel Paulus bekräftigte (Röm 1,24–32). Der wissenschaftliche Fortschritt erlaubt es, diese Sichtweise zu nuancieren. Zunächst einmal weiß man, dass es Homosexualität auch in der Tierwelt gibt.
Dabei benutzt er typische Totschlagbegriffe wie „Diskriminierung“:
Darüber hinaus wird in unserer personalistischen Kultur das Verbot jeder homosexuellen Beziehung als unzumutbare Diskriminierung betrachtet: Es sollte also Männer und Frauen geben, die nicht das Recht hätten, ihre Sexualität auszuüben, bloß weil sie nicht wie die große Mehrheit der anderen Menschen leben! Für die allermeisten unserer Zeitgenossen ist das unvorstellbar. Schließlich bedeutet dieses Verbot, eine enorme Verantwortung auf sich zu nehmen: Man weiß heute, dass eine von außen auferlegte Unterdrückung der sexuellen Praxis zu unbewussten Verlagerungen der entsprechenden Regungen mit unheilvollen Konsequenzen führen kann: Alkoholismus, Drogen, andere Verirrungen, psychosomatische Krankheiten, Beziehungsstörungen, Unduldsamkeit, Aggressivität, Autoritarismus usw.
Mittwoch, 2. September 2015
Progressisten fordern „Dekade des Dialogs“ und „humanisierte Sexualität“
Hintergrund ist die Familiensynode, die am 4. Oktober 2015 beginnt. Inzwischen erwarten wohl die progressistischen Theologen keine nennenswerten Änderungen in der Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Sexualmoral, den homosexuellen Praktiken etc. und planen für die Zeit nach der Synode.
Gegen Kardinal Kasper und generell gegen den liberalen Flügel hat sich im Vorfeld der Synode ein großer Widerstand gebildet. Etliche Kardinäle und Bischöfe publizierten Bücher und Artikel gegen die Thesen Kaspers. Die Aktion „Ergebene Bitte an Papst Franziskus zur Zukunft der Familie“ konnte schon 522.000 Unterschriften sammeln.
Die afrikanischen Bischöfe haben Proteste angekündigt, sollte der liberale Flügel versuchen, die Thesen von Kasper, Marx & Co. durchzusetzen.
Stephan Goertz plädiert in seinem Sammelband für eine völlig neue katholische Sexualmoral und eine Neubewertung homosexueller Praktiken: „In der katholischen Ehe-Moral hat man seit 50 Jahren offiziell erkannt, dass die Liebe zwischen Mann und Frau im Grunde das Sinnbestimmende auch für ihre Sexualität ist. Also, Sexualität im Kontext einer Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau ist etwas Gutes und Schönes nach katholischer Lehre. Daraus ziehe ich den Schluss, dass auch im Kontext einer Liebesbeziehung zwischen zwei Männern oder zwischen zwei Frauen dann diese Sexualität nicht einfach Sünde sein kann oder etwas Schlechtes. Also, ich würde sagen, ich ziehe die Konsequenz daraus, was die katholische Lehre im Bereich Sexualität zwischen Mann und Frau formuliert hat und übertrage das nun auf Homosexualität.“
Überhaupt solle „Sexualität humanisiert“ werden: „Weder die Bibel noch die Natur verbieten Homosexualität von vornherein“.
Im Grunde sieht Goertz keinen wesentlichen Unterschied zwischen hetero- und homosexuellen Beziehungen. Doch anstatt offen zu sagen, die Sexualmoral der Kirche sei falsch, behauptet er, sie hätte sich „fortentwickelt“. Offensichtlich meint er, das Kirchenvolk zum Narren halten zu können.
Die Idee einer „Dekade des Dialogs“ wird in „Wer bin ich, ihn zu verurteilen? Homosexualität und katholische Kirche“ vom homosexuellen Theologen Michael Brinkschröder, Autor von „Schwule Theologie“, erläutert.
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Montag, 24. August 2015
Der Rachefeldzug der Linkskatholiken gegen Humane Vitae
Liest man die vielen Publikationen aus
dem linkskatholischen Lager, die im Hinblick auf die Familiensynode im Oktober
2015 gedruckt werden, fällt eines auf: Der Hass gegen die Enzyklika „Humanae
Vitae“ von Papst Paul VI. kennt keine Grenzen.
Für viele „Reformtheologen“ scheint der
Kampf für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen und für
homosexuelle Partnerschaft ein wahrer Rachefeldzug gegen diese Enzyklika vom
Jahr 1968 zu sein. Sie wollen Humanae Vitae am liebsten für ungültig erklären
und dafür ihre eigene Sexualmoral durchsetzen.
Das Apostolische Schreiben „Familiaris
Consortio“ aus dem Jahr 1981 – heute das eigentliche Referenzdokument zum
Themenkomplex Ehe -, in welchem die Aussagen von Humanae Vitae bekräftigt
werden, steht erst an zweiter Stelle in der Hass-Skala linker Theologen.
Gegen „Humanae Vitae“ wird aus verschiedenen Gründen agitiert.
1. In dieser Enzyklika wiederholt der Papst, dass die Ehe neben der gegenseitigen Hilfe und Ergänzung von Mann und Frau vor allem auch der Fortpflanzung dient. Aus diesem Grund wird die Verwendung künstlicher Verhütungsmittel verurteilt. Der eheliche Akt muss grundsätzlich der Zeugung offen stehen und eben in der Ehe geschehen.
Diese enge Verbindung zwischen ehelichem Akt und Fortpflanzung lehnen die meisten Progressisten vehement ab, denn sie wünschen sich eine Sexualmoral, die sich nach den Maximen der sexuellen Revolution orientiert. Durchtrennt man die Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Fortpflanzung, ebnet man den Weg zu einer moraltheologischen Neubewertung der künstlichen Verhütungsmittel, des außerehelichen Geschlechtsverkehrs, usw.
Eine neue Sexualmoral könnte dann fabriziert werden. Die katholische Sittenlehre wäre dann der sexuellen Revolution angeglichen.
Die zutreffendere Bezeichnung dieser Linkskatholiken ist eigentlich „68er-Katholiken“.
2. Nach dem „Zweiten Vatikanischen Konzil“ waren viele progressistischen Theologen der Auffassung, von nun an würden die lehramtlichen Dokumente in einer Art Konsensverfahren zwischen Papst und Bischöfen (und eventuell auch der Theologen-Gilde) formuliert werden. Zudem meinten sie, die einzelnen Bischofskonferenzen würden mehr Autonomie auch in der Auslegung des Lehramtes erhalten.
Der Schock war deshalb groß, als der Papst „Humanae Vitae“ herausgab. Zuvor hatte es etliche Kommissionen und Gespräche gegeben, doch sie wirkten sich kaum in der Endfassung aus. Paul VI. redigierte seinen eigenen Text, der bei den linken Theologen und Kleriker sauer aufstieß.
Die schlimmsten Revolten erlebte man in Deutschland, Österreich und Belgien. Die dortigen Bischofskonferenzen setzten die Enzyklika praktisch außer Kraft. In Deutschland geschah das durch die Königsteiner Erklärung, in Österreich durch die Erklärung von Maria Trost. Diese Rebellion wirkt sich bis heute katastrophal aus.
3. Die Progressisten erhofften sich Ende der 1960er Jahre auch eine Relativierung des Lehramtes. Die Gläubigen sollten sich nach ihrem eigenen Gewissen richten und weniger nach dem Lehramt. Dieses sollte lediglich eine allgemeine Orientierung geben.
Von dieser Haltung ist in „Humane Vitae“ nichts zu spüren, ganz im Gegenteil, denn die Enzyklika definiert klar und deutlich die Sexualmoral der katholischen Kirche.
Die Verbitterung unter den Progressisten war immens. Immer wieder haben sie versucht, „Humane Vitae“ zu attackieren, doch viel konnten sie auf der Ebene des Lehramtes nicht anrichten. 1981 bestätigte Familiaris consortio diese kirchlichen Positionen.
Mit der Familiensynode im Oktober 2015 sieht der Linkskatholizismus die historische Chance gekommen, endlich „Humanae Vitae“ einstampfen zu können.
Gegen „Humanae Vitae“ wird aus verschiedenen Gründen agitiert.
1. In dieser Enzyklika wiederholt der Papst, dass die Ehe neben der gegenseitigen Hilfe und Ergänzung von Mann und Frau vor allem auch der Fortpflanzung dient. Aus diesem Grund wird die Verwendung künstlicher Verhütungsmittel verurteilt. Der eheliche Akt muss grundsätzlich der Zeugung offen stehen und eben in der Ehe geschehen.
Diese enge Verbindung zwischen ehelichem Akt und Fortpflanzung lehnen die meisten Progressisten vehement ab, denn sie wünschen sich eine Sexualmoral, die sich nach den Maximen der sexuellen Revolution orientiert. Durchtrennt man die Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Fortpflanzung, ebnet man den Weg zu einer moraltheologischen Neubewertung der künstlichen Verhütungsmittel, des außerehelichen Geschlechtsverkehrs, usw.
Eine neue Sexualmoral könnte dann fabriziert werden. Die katholische Sittenlehre wäre dann der sexuellen Revolution angeglichen.
Die zutreffendere Bezeichnung dieser Linkskatholiken ist eigentlich „68er-Katholiken“.
2. Nach dem „Zweiten Vatikanischen Konzil“ waren viele progressistischen Theologen der Auffassung, von nun an würden die lehramtlichen Dokumente in einer Art Konsensverfahren zwischen Papst und Bischöfen (und eventuell auch der Theologen-Gilde) formuliert werden. Zudem meinten sie, die einzelnen Bischofskonferenzen würden mehr Autonomie auch in der Auslegung des Lehramtes erhalten.
Der Schock war deshalb groß, als der Papst „Humanae Vitae“ herausgab. Zuvor hatte es etliche Kommissionen und Gespräche gegeben, doch sie wirkten sich kaum in der Endfassung aus. Paul VI. redigierte seinen eigenen Text, der bei den linken Theologen und Kleriker sauer aufstieß.
Die schlimmsten Revolten erlebte man in Deutschland, Österreich und Belgien. Die dortigen Bischofskonferenzen setzten die Enzyklika praktisch außer Kraft. In Deutschland geschah das durch die Königsteiner Erklärung, in Österreich durch die Erklärung von Maria Trost. Diese Rebellion wirkt sich bis heute katastrophal aus.
3. Die Progressisten erhofften sich Ende der 1960er Jahre auch eine Relativierung des Lehramtes. Die Gläubigen sollten sich nach ihrem eigenen Gewissen richten und weniger nach dem Lehramt. Dieses sollte lediglich eine allgemeine Orientierung geben.
Von dieser Haltung ist in „Humane Vitae“ nichts zu spüren, ganz im Gegenteil, denn die Enzyklika definiert klar und deutlich die Sexualmoral der katholischen Kirche.
Die Verbitterung unter den Progressisten war immens. Immer wieder haben sie versucht, „Humane Vitae“ zu attackieren, doch viel konnten sie auf der Ebene des Lehramtes nicht anrichten. 1981 bestätigte Familiaris consortio diese kirchlichen Positionen.
Mit der Familiensynode im Oktober 2015 sieht der Linkskatholizismus die historische Chance gekommen, endlich „Humanae Vitae“ einstampfen zu können.
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Sonntag, 9. August 2015
Strafanzeige gegen Bischof Vitus Huonder wegen Homophobie
Grund: Anstachelung zu Hass und Gewalt gegen homosexuelle Personen.
Bischof Hounder hatte in einem Vortrag beim Kongress „Freude am Glauben“ Gesetzesvorgaben bezüglich Homosexualität aus dem Alten Testamente zitiert.
Pink Cross: „Das Zitieren von zwei Bibelzitaten aus einer Gesetzesordnung aus dem Alten Testament zur Legitimation von aufrufen zu Hass und Verbrechen – bar jeder Exegese (Auslegung) und jeglichen Zusammenhangs mit der Lehre Christi – sondern im wortwörtlichen Sinn, ist für uns nicht hinnehmbar. Es sät Hass. Wir dulden keinen Hass, keine Aufrufe zu Verbrechen und keine Gewalt an homosexuellen Menschen und anderen sogenannten Minderheiten.“
Laut Blick.CH drohen dem Bischof drei Jahre Gefängnis!
Die Erklärung des Vereins erfolgt nachdem der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Markus Büchel von Sankt Gallen, sich in einer öffentlichen Stellungnahme scharf von Bischof Hounder distanziert hat.
Die Erklärung von Bischof Büchel wurde in linkskatholischen Kreisen bejubelt. Man darf also gespannt sein, wie der Linkskatholizismus auf diese Strafanzeige reagiert.
Samstag, 8. August 2015
Linke Christen jubeln über Bischof Büchels Aussagen zu Homosexualität
Bischof Markus Büchel, Bischof von St. Gallen, erntet Applaus für seine Aussagen zu Homosexualität und seine Kritik an Bischof Vitus Hounder von Chur, der einige Tage zuvor die katholische Lehre zu diesem Thema in einem öffentlichen Vortrag erläutert hatte. Resonanz aus Twitter und Facebook:
Steffen Zimmerman, Chef vom Dienst des umstrittenen DBK-Portals »katholisch de«
Danke, Bischof Büchel für dieses Statement! Richtige/christliche Antwort auf #Huonder und seinen unsäglichen Vortrag! http://t.co/dIabbJlWQw
— Steffen Zimmermann (@steffmann) 7. August 2015
Sybille Forrer, Pfarrerin der reformierten Kirche in der Schweiß schreibt in Twitter:
Hallelujah! Danke @BistumSG und AMEN!!! Aufgabe der Kirche (...), Sexualität als Geschenk Gottes." DAS ist Evangelium http://t.co/8fDPQXKci6
— Sibylle Forrer (@sibylleforrer) 7. August 2015
Andri Rostetter vom St. Galler Tagblatt schreibt ebenfalls in Twitter:
Deutliche Worte: St.Gallens Bischof Markus Büchel distanziert sich von #Huonder. http://t.co/cbXJjoKqRJ @BistumSG
— Andri Rostetter (@AndriRostetter) 7. August 2015
Die Häme gegen dem konservativen Bischof von Chur, Vitus Huonder, kennt keine Grenzen:
Verklemmt noch mal! Guter Beitrag von @Martin_Wilhelm zu #Huonder und den homophoben Klerikern. http://t.co/LKCoaBy8IX via @tagesanzeiger
— Andri Rostetter (@AndriRostetter) 7. August 2015
Die Aussagen von Bischof Büchel führen zu den wildesten Interpretationen:
Endlich ist das Gewissen als theologischer Parameter zurück! Dank an Sie, Bischof Büchel! @BistumSG http://t.co/dF7mOu6wsZ
— Christoph Lehner (@morihirvi) 7. August 2015
Einige der Kommentare, die in Facebook gepostet wurden:
ENDLICH! Eine Stellungnahme des Bischofs von St. Gallen Makus Büchel, zur Zeit auch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Der Text ist im Gegensatz zu seinem polternden Kollegen in vornehm argumentierender Sprache abgefasst, lässt aber an Deutlichkeit keine Wünsche offen. Hoffentlich lesen ihn auch die "Seelsorger" in Chur.
Bei allem Verständnis für mitbrüderliche Loyalität ist es in meinen Augen an der Zeit, dass die SBK auch in aller Öffentlichkeit (neben der in Ihrem Brief ja unüberhörbaren indirekten auch) direkte Kritik am Bischof von Chur und seiner Amtsausübung formuliert.
Besten Dank für Ihren treffenden Brief. Es ist unverständlich, was Ihre Berufskollegen in der heutigen Zeit für eine weltfremde Einstellung haben und das bei einem so sympathischen und weltoffenen Chef.
Dienstag, 4. August 2015
Die Doppelstrategie des deutschen Linkskatholizismus
Diese Theologen und diese Organisationen à la „Wir sind Kirche“ oder „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ führen im Grunde eine Protest-Kampagne gegen das katholische Lehramt. Sie wünschen sich ein nicht verbindliches Lehramt und eine Entwertung des Priesterstandes, um so die Kirche zu demokratisieren.
Dass sich diese Forderungen gegen den verbindlichen Glaubensschatz der Kirche richten, ist ihnen egal. Sie wollen im Grunde eine neue Kirche gründen. Normalerweise müsste die kirchliche Autorität öffentlich erklären, dass diese Art von Forderungen nicht katholisch sind.
Im Vorfeld der Familiensynode ist deutlich geworden, dass auch einige Bischöfe öffentlich Forderungen stellen, die nicht im Einklang mit der Lehre der Kirche stehen. Das betrifft vor allen die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion sowie eine gewisse Akzeptanz von homosexuellen Lebensweisen und Partnerschaften.
Dieser Kampf gegen das katholische Lehramt ist nur eine von zwei Strategien, die der deutsche Linkskatholizismus verwendet, um seine Vision einer neuartigen Kirche zu erreichen.
Diese „kämpferische“ Strategie hat zwei wichtige Nachteile: Gegen sie bildet sich schnell eine Gegenreaktion und sie hat stets das Image eines deutschen „Sonderweges“, der im Konflikt mit der Weltkirche steht.
Das ist auch, was man in den letzten Monaten beobachten konnte: Stets bildete sich Protest gegen die arroganten Forderungen aus Deutschland, die Lehre der Kirche über Ehe, Familie und Sexualmoral zu schleifen. Die afrikanischen Bischöfe haben sogar schon Widerstand bei der Familiensynode im Herbst 2015 angekündigt, sollte die deutsche Delegation versuchen, ihre abstrusen Vorstellungen durchzusetzen.
Der Linkskatholizismus besitzt eine zweite Strategie: Man müsse die tatsächlichen Lebensverhältnisse zur Kenntnis nehmen. Die „gesellschaftlichen Realitäten“ hätten sich eben verändert.
So argumentierte jüngst der neue Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße. Laut katholisch.de sagte er: „Wir müssen auf die Vielfalt der Lebensformen schauen, die nun einmal da sind“. Zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht, das nicht mehr die automatische Kündigung in Fällen von Wiederheirat nach Scheidung, nach Abschließen einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder nach dem Austritt aus der Kirche vorsieht, sagte Erzbischof Heße: „Anders könnten wir gar nicht weitermachen, weil wir sonst zu wenig qualifizierte Mitarbeiter bekämen, um unsere Einrichtungen zu betreiben.“
Ähnlich äußerte sich der Direktor des Münchner Diözesan-Caritasverbands, Hans Lindenberger, nachdem eine lesbische Leiterin eines Caritas-Schülerhorts im oberbayerischen Holzkirchen ihren Arbeitsplatz behalten darf. Sie ging eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer Frau ein.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu: „Prälat Lindenberger zeigte sich erleichtert über die Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses. Die Hortleiterin sei ihrem Arbeitgeber gegenüber stets loyal gewesen und habe keinen Anlass für ein Ärgernis gegeben.“ Offensichtlich besitzt der Prälat kein Gespür für die Ernsthaftigkeit des Vorfalls: Nach außen wird vermittelt, dass die (deutsche) katholische Kirche ihre Haltung zu praktizierter Homosexualität verändert hat.
Im Kielwasser dieser Entwicklung rudern auch die katholischen Schützenverbände mit ihren ca. 300.000 Mitgliedern: „Der Verband orientiere sich am neuen kirchlichen Arbeitsrecht, wonach Wiederheirat oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft nur noch in schwerwiegenden Fällen Konsequenzen hätten“, so die „Katholische Nachrichtenagentur KNA“.
Offensichtlich wird schrittweise die Auflösung der katholischen Kirche in etlichen Bistümern Deutschlands vorangetrieben. Man muss kein Experte in Infinitesimalrechnung sein, um zu begreifen, dass der Limes dieser Strategie das Ende des katholischen Lebens anstrebt.
Das neue kirchliche Arbeitsrecht ist das ideale Instrument, um langsam die katholische Kirche in Deutschland von ihrer Vergangenheit zu entkernen. Das neue Arbeitsrecht sieht keinen Automatismus vor. Es soll „von Fall zu Fall“ entschieden werden, ob ein Angestellter in irregulärer Situation noch haltbar ist.
In „konservativen“ Bistümern, wird man noch mehr oder weniger nach den alten Richtlinien vorgehen, während „liberale“ Bistümer Homosexuelle und Wiederverheiratete sogar noch fördern werden, um sich ein modernes Image zu verschaffen. Drei Bistümer, Passau, Regensburg und Eichstätt, wollen das neue kirchliche Arbeitsrecht gar nicht einführen.
Der Linkskatholizismus hat stets vermieden, dass sich diese beiden Strategien vermischen.
Eine Verbindung der beiden Strategien würde sich explosiv auswirken: Würde eines Tages eine (falsche) theologische Begründung nötig sein, um eine unorthodoxe Praxis aufrecht erhalten zu können, würde es zu einer Häresie und damit zu einer Kirchenspaltung kommen. In einer solchen Situation könnten Protagonisten und Antreiber schnell zu Getriebene werden: Auch Heinrich VIII. und Martin Luther wollten anfangs keine Kirchenspaltung, doch eines Tages waren sie nicht mehr die Herren der Lage...
Sonntag, 12. Juli 2015
Familiensynode: Korrigiert Kardinal Marx seinen liberalen Kurs?
Mit dieser Aussage wolle Kardinal Marx die „Erwartungen an die Familiensynode dämpfen“, so KNA.
Gemeint sind die Erwartungen linkskatholischer Gruppierungen, wie etwa des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) von „Wir sind Kirche“ oder von Kirchenverbände wie der „Katholische Deutsche Frauenbund“ (KDFB).
Wenn das tatsächlich die Absicht des Münchner Kardinals ist, so haben wir es mit einer wichtigen Änderung der Strategie des deutschen Linkskatholizismus hinsichtlich der Familiensynode in Rom und der Familienpastoral generell zu tun.
Der deutsche Linkskatholizismus stellte sich nämlich im vergangenen Jahr ganz hinter den liberalen Vorstellungen von Kardinal Walter Kasper zur Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion.
Doch die Reformkatholiken, wie sie sich selber nennen, wollten eigentlich viel mehr und begannen rasch, radikalere Forderungen zu stellen: Anerkennung außerehelicher Beziehung, Neubewertung der Homosexualität, moralische Unbedenklichkeit von künstlichen Verhütungsmittel usw. Ihrer Ansicht nach soll die katholische Sexualmoral der sexuellen Revolution der 1968er angeglichen werden.
Dass deutsche Laienverbände solche bizarren Forderungen stellen, ist nicht neu. Neu ist aber, dass im Vorfeld der Familiensynode auch deutsche Bischöfe vehement und lautstark auch solche Vorstellungen hinsichtlich Ehe, Sexualmoral und Homosexualität in der Öffentlichkeit verteidigten.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Delegation der Deutschen Bischofskonferenz für die Synode in Rom besteht ausschließlich aus Liberalen: Kardinal Reinhard Marx, der ernannte Erzbischof von Berlin, Heiner Koch und der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode. Diese Delegation ist was Ehe und Familie angeht keineswegs repräsentativ für das deutsche Episkopat.
Aufgrund dieser Tatsache sah wohl der deutsche Linkskatholizismus die Zeit gekommen, endlich ihre unorthodoxen Ansichten zur Sexualität in der Weltkirche durchzusetzen. Sie wollten die Familiensynode schlicht missbrauchen, um Fakten zu schaffen.
Je näher der Beginn der Synode heranrückte, desto respektloser wurden deshalb die Forderungen von ZdK & Co.: Segnungen von homosexuellen Partnerschaften, von wilden Ehen und von zivilen Zweitehen. Jeder konnte sehen, dass diesen Gruppen das katholische Lehramt gleichgültig ist.
Kein Wunder, dass in Deutschland der Widerstand gegen diese Linie immer stärker wurde. Insbesondere Bischof Stefan Oster übte harsche Kritik an diesem deutschen Sonderweg.
Doch auch in der Weltkirche wuchs das Entsetzen über Deutschland. Die afrikanische Bischofskonferenz kündigte sogar Widerstand gegen die deutsche Delegation an, sollten sie ihre Linie in der Synode vertreten.
Zudem davon ist jedem bekannt, in welcher Krise das Glaubensleben in Deutschland steckt. Die anmaßenden Positionen der linken deutschen Bischöfe wurden zunehmend als Arroganz einer materiell reichen aber ansonsten armseligen Kirche empfunden.
In diesem Kontext schien ein Erfolg der deutschen Positionen hinsichtlich Sexualität, Ehe und Familie in der Synode immer unwahrscheinlicher.
Sollten Marx & Co. in Rom scheitern, wird die Enttäuschung im linkskatholischen Lager groß sein. Damit es nicht zu den üblichen pöbelhaften Protesten kommt, dämpft nun Kardinal Marx die Erwartungen. Er hofft, dass sich ZdK, „Wir sind Kirche“ usw. zusammenreißen.
Eine allgemeine Entwarnung ist aber nicht angebracht: Marx, Bode und Koch haben recht deutlich gemacht, dass sie sich die Liberalisierung bzw. die Schleifung der Sexualmoral wünschen. Aus Überzeugung hat Kardinal Marx also nicht gesprochen, seine letzten Aussagen sind reine Taktik.
Bleiben wir also wachsam.
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Sonntag, 7. Juni 2015
Linkskatholizismus und Sexuelle Revolution in Deutschland
Die Allianz zwischen Sexueller Revolution und Linkskatholizimus in Deutschland
Vortrag von Mathias von Gersdorff an der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau am 14. April 2015 im Rahmen der Tagung „Was Gott zusammengefügt hat ... - Ehe, Familie und Sexualität im Zusammenhang mit der Bischofssynode, 2014-2015".
Der deutsche Linkskatholizismus - auch Reformkatholizismus genannt -, der in einer großen Anzahl von Vereinigungen organisiert ist, war in den 1990er Jahre besonders aktiv. So wurde regelmäßig gegen lehramtliche Dokumente protestiert, die als „konservativ“ eingestuft wurde, wie etwa Dominus Iesus. Das wichtigste Thema für diese Katholiken war aber stets die katholische Ehe- und Sexualmoral. Diese wurde als despotisch, unzeitgemäß, impraktikabel oder gar als nicht biblisch kritisiert. Darüber hinaus fordern sie eine Demokratisierung der kirchlichen Strukturen und eine größere Beteiligung der Laien an den kirchlichen Entscheidungen, inklusive Bischofsernennungen. Nach der sogenannten „Debatte um den Beratungsschein“ Ende der 1990er Jahre, in der es um die Zulässigkeit der Erteilung von Beratungsscheinen durch katholische Beratungsstellen der Caritas, des „Sozialdienstes katholischer Frauen“ (SKF) und andere ging, hielt sich der Linkskatholizismus in der Öffentlichkeit mit allzu polemischen Stellungnahmen zurück. Caritas & Co. machten damals großen Druck auf die Bischöfe, um im staatlichen Beratungssystem zu verbleiben. Es hagelte Kritik, denn die ausgestellten „Beratungsscheine“ waren die notwendige Voraussetzung, um eine straffreie Abtreibung vorzunehmen. Schließlich stiegen die deutschen Bischöfe aus diesem System aus.
Für den Linkskatholizismus in Deutschland war es eine herbe Niederlage, denn wollten diese Debatte ausnutzen, um eine stärkere Beteiligung an den kirchlichen Entscheidungen zu erzwingen. Viele Jahre wurde es still um den deutschen Linkskatholizismus. Doch seit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. sind diese Kräfte deutlich sichtbarer für die allgemeine Öffentlichkeit geworden. Selbstbewusst und sich ihrer Sache sicher, veröffentlichen sie seitdem Stellungnahmen oder fordern von der kirchlichen Hierarchie gar Reformen, die selbst für kirchenferne Personen unschwer erkennbar dem katholischen Lehramt widersprechen.
Einige Beispiele: Mitte Dezember 2013 forderten 17 Theologieprofessoren ein „Umdenken der katholischen Kirche bei Sexualmoral und Familie“ und behaupten beispielsweise hinsichtlich Homosexualität, dass „Treue, Verlässlichkeit und Solidarität nicht weniger wert sind, nur weil sie von Schwulen und Lesben gezeigt werden“. Die christliche Moralverkündigung müsse auch „die vielen Erscheinungsformen des Sexuellen außerhalb der Ehe“ zum Thema machen.
Ebenfalls Mitte Dezember 2013 hat das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK)“ eine Stellungnahme zum Thema Ehe und Familie veröffentlicht: mehr Verständnis für Homosexuelle, wiederverheiratete Geschiedene und Patchwork-Familien.
Mitte Januar 2014, als die Debatte um die Petition „Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“, die die Einführung der Gender-Ideologie in den Schulen Baden-Württembergs vorsah, hochkochte, meldete sich der Freiburger Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und proklamierte: „Katholische Jugendverbände sind für die Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt (also der Gender-Ideologie) im neuen Bildungsplan“ der Grün-Roten Landesregierung.
Christoph Lehmann von der Katholischen Elternschaft schrieb am 8. Februar 2014 im Berliner Tagesspiegel: „Und auch Konservative können kaum leugnen, dass die staatliche Anerkennung der Übernahme gegenseitiger Verantwortung von Menschen füreinander etwa in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft (also homosexuelle Partnerschaften) hohe Wertschatzung verdient.“ Sowohl Papst Johannes Paul II. wie auch Benedikt XVI. haben „eingetragene Partnerschaften“ unmissverständlich abgelehnt und als Angriffe auf Ehe und Familie bezeichnet.
Nun, solche Erscheinungen sind im deutschen Katholizismus nicht neu. Seit eh und je gibt es Bestrebungen deutscher Katholiken, sich eine eigene Moral und eine eigene Religion zu basteln und sich hierbei nicht zu scheuen, gegen „Rom“ zu polemisieren. Doch es ist auffällig, dass solche Initiativen just in einer Zeit aufkommen, wenn in der säkularen Welt anhand von Projekten im EU-Parlament wie dem „Estrela-Bericht“ (Recht auf Abtreibung und ultraliberale Sexualkunde) und dem „Lunacek-Bericht“ (Sonderrechte inklusive Definition von sog. Hassverbrechen für LGBTI-Menschen), sowie der Einführung der Lerneinheit „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Rahmen des „Bildungsplanes 2015“ in Baden-Württemberg, Gender Mainstreaming, Gender-Theorie, Homo- und LGBTI-Agenda mit brachialer Gewalt und gar mit Hinterlist vorangetrieben werden. Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen den innerkirchlichen und säkularen Vorgängen.
Trotz unterschiedlicher Sprache und Gewichtungen verfolgen beide Strömungen – säkulare linksliberale Kräfte sowie liberale bzw. progressistische Linkskatholiken – dasselbe Ziel: die Durchsetzung der Maximen der Sexuellen Revolution im Geiste der Achtundsechziger-Bewegung als gesellschaftliche und moralische Norm. Die kirchlichen Gruppen, die dies vorantreiben, sind so etwas wie die „Fünfte Kolonne“ der Achtundsechziger-Revolution innerhalb der katholischen Kirche.
Besonders empörend ist die Tatsache, dass diese linksliberalen katholischen Gruppen solche Themen aufgreifen, wenn konservative Katholiken oder Christen überhaupt dabei sind, gegen das Voranschreiten der sexuellen Revolution in der Form der oben genannten EU-Resolutionen oder der Einführung von Gender-Mainstreaming in den Schulen kämpfen. Der Linkskatholizismus wählt oft den passenden Moment, um den guten katholischen Kräften in den Rücken zu fallen.
Neue Energie hat dieses linke Milieu erhalten durch die bekannte Rede von Walter Kardinal Kasper vor dem Konsistorium Anfang 2014 als Vorbereitung für die Familiensynode im Oktober 2014. Bekanntlich schlug er vor, Wege zu suchen, damit wiederverheiratet Geschiedene Zugang zur heiligen Kommunion finden könnten. Es ging aber von vornherein um viel mehr, was der Linkskatholizismus auch schnell erkannt hat. Mit seiner Rede hat Kardinal Kasper in Wahrheit die Büchse der Pandora geöffnet, wodurch all der Schmutz der „Sexuellen Revolution“ der Achtundsechziger-Bewegung in die katholische Kirche einzudringen droht.
Beide Familiensynoden – die vom Oktober 2014 und die kommende im Oktober 2015 - werden vom Linkskatholizismus als willkommene Vorwände missbraucht, wieder aktiv für ihre revolutionäre „Vision“ von Kirche und Lehramt zu werben.
Speerspitze des deutschen Links- oder Reformkatholizismus ist die Bewegung „Wir sind Kirche“. Seit etwa 20 Jahren kämpft sie für eine egalitäre Kirche und dient einer liberalen Auffassung von Moral: Schleifung der Unterschiede zwischen Laien und Priestern, Abschaffung des Zölibats, Akzeptanz außerehelicher Sexualität, Akzeptanz der Wiederheirat nach Scheidung, Verständnis für Abtreibung usw.
Somit propagiert „Wir sind Kirche“ innerhalb des Katholizismus sämtliche Positionen, die im säkularen Bereich diverse Organisationen und Aktivisten der sexuellen Revolution im Geiste der 1968er-Bewegung vertreten.
Wegen der durch Kardinal Kasper neu entflammten Diskussion über eine mögliche kirchliche Neubewertung von wiederverheirateten Geschiedenen Katholiken, kamen alle Themen von „Wir sind Kirche“ auf den Tisch. Lange Zeit war von dieser sogenannten „Basisbewegung“ kaum etwas zu hören. In gewisser Weise hat Kardinal Kasper sie wieder aus der Versenkung geholt.
Trotz ihrer Inaktivität ist „Wir sind Kirche“ ideologisch nicht in der Zeit stehengeblieben. Sie haben im Arbeitspapier „Texte und Arbeitshilfen zur Familien-Synode 2014-2015“ komplett die Entwicklungen der sexuellen Revolution der letzten Jahre übernommen.
So treten sie heute für eine positive Bewertung der Homosexualität und von homosexuellen Partnerschaften ein, sie fordern eine positive Bewertung für das „breite Spektrum sexueller Beziehungen unterschiedlicher Intensität und Ausdrucksformen“, sie fordern die Akzeptanz von künstlichen Verhütungsmitteln usw. Diese Forderungen finden sich in einem Positionspapier mit dem Namen „Sexualität als lebenspendende Kraft“, was schon vieles über die Gesinnung der Autoren sagt.
Auch ihre Auffassung von Familie unterscheidet sich kaum noch von jener der Gender-Ideologen: „Ehrlich bemühte Christinnen und Christen in Sachen Familie und Partnerschaften finden sich in unterschiedlichen Lebens‐ und Familienformen: gut gelebte Ehen mit und ohne Kinder, gescheiterte Ehen und Partnerschaften, gelingende zweite Ehen, alleinerziehende Mütter und Väter, Patchwork‐Familien, homosexuelle Partnerschaften mit und ohne Kinder, Singles in familienähnlichen Netzwerken…“
„Wir sind Kirche“ beschränkt sich aber nicht bloß darauf, Forderungen zu stellen und Arbeitspapiere zu redigieren. Sie will in allen Ebenen aktiv werden, um eine revolutionäre Kirche einzurichten. Eine Liste mit fast zwanzig „Aktionsmöglichkeiten vor Ort“ erklärt den Anhängern, wie sie die Ansichten der Bewegung bekannt machen können. Ein „Synoden-Fahrplan“ erläutert die wichtigsten Etappen bis zur Synode und koordiniert die bundesweiten Aktivitäten, um die größtmögliche Wirkung zu erreichen.
Kurz: „Wir sind Kirche“ hat eine regelrechte Kampagne organisiert mit dem Ziel, die sexuelle Revolution in der Familiensynode 2015 in die katholische Kirche einzuführen.
Diese Bewegung steht in Deutschland natürlich nicht alleine da. Eine Schar von subventionierten Theologen leistet die intellektuelle Vorarbeit, um die katholische Ehe- und Sexualmoral zu demontieren. Sie publizieren in renommierten Verlagen wie Herder oder Patmos.
Vor allem Herder hat etliche Titel herausgegeben, in denen zentrale Inhalte des Lehramtes in Frage gestellt oder direkt angegriffen werden. Eines der wichtigsten Bücher in dieser Kategorie ist das des Tübinger Theologen Hermann Häring, „Keine Christen zweiter Klasse“. Zu ihm gesellen sich Titel wie „Der Fall Tebartz-van Elst: Kirchenkrise unter dem Brennglas“, von Joachim Valentin herausgegeben, oder „Leitbild am Ende? – Der Streit um Ehe und Familie“. In einem verschärft rigiden Ton werden die polemischen Themen Sexual- und Ehemoral, Zölibat, hierarchische Verfassung der Kirche usw. wieder aufgewärmt.
In „Leitbild am Ende?“ vertritt Konrad Hilpert, einer der beiden Herausgeber und emeritierter Professor für Theologie an der Universität München, hinsichtlich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften folgende Ansicht: „(Es wäre) evident ungerecht, gleichgeschlechtliche Partner von einem öffentlich anerkannten Institut, in dem der Wille zur dauerhaften Verbundenheit und die gegenseitigen Beistandspflichten geregelt sind (also die sog. gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften gem. dem Lebenspartnerschaftsgesetz, Anm. d. Red.) prinzipiell und auf Dauer auszuschließen.“ Sowohl Johannes Paul II., wie auch Benedikt XVI. lehnten solche pseudofamiliären Konstruktionen vehement ab.
Hilpert will aber keineswegs solche rechtlichen Institute auf homosexuelle Paare beschränkt wissen und regt an: „zusätzlich weitere Institute öffentlich geregelter Partnerschaften zu schaffen, die der Ehe in relevanten Regelungshinsichten ähnlich sind.“ Unter diesen Umständen wundert man sich nicht mehr, wenn Bernhard Laux, zweiter Herausgeber und Professor für Theologische Anthropologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Regensburg, die Auffassung vertritt, für manche könnten alternative Partnerschaftsformen – also „wilde Ehen“ – die „bestmöglich erreichbare Form sein“.
In „Der Fall Tebartz-van Elst“ sinniert Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg, über die ekklesiologischen, also kirchenstrukturellen Auswirkungen des Limburger Falles: „Unter der Hand verschieben sich ekklesiologische Koordinaten. Das Volk Gottes erhält ein Mitspracherecht, wenn es um das Amt des Bischofs geht. Zugleich wird die nicht-kirchliche Öffentlichkeit als ein Faktor innerkirchlicher Entscheidungen ernst genommen.“ Der Autor erhofft sich im Grunde eine Demokratisierung der Kirche.
Wesentlich deutlicher und verständlicher fordert Hermann-Josef Frisch eine Demokratisierung der Kirche in seinem Pamphlet „Nicht Kirchenschafe, sondern Mut-Christen“, erschienen im Patmos-Verlag: „Diese hierarchische, klerikale, selbstbezogene, auf Macht und Einfluss drängende Kirche, die Menschen unterdrückt statt befreit, die eine Drohbotschaft verkündet statt der Frohen Botschaft christlichen Glaubens, die ausschließt statt integriert, die fordert statt zu schenken, die Angst statt Mut und Hoffnung macht – diese Kirche ist am Ende, personell und moralisch.“ Sollte sich die Kirche nicht ändern, so würde sie zu einer unter vielen Sekten verkommen.
In ihren Schriften werden also so gut wie alle Thesen der sexuellen Revolution in theologischer Sprache wiedergegeben, inklusive der letzten Ausprägungen der Gender-Ideologie.
Die Aktivisten von „Wir sind Kirche“ brauchen diese Bücher nur zu lesen, um genügend Argumente für ihren Propagandafeldzug zu sammeln. Kurz: In Deutschland existiert eine gut geölte Maschinerie zur Zerstörung essentieller Bereiche des katholischen Lehramtes.
Wie destruktiv diese Forderungen sind, erklären ausführlich die Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski im Buch „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“.
Nach „moderner“ - aber natürlich völlig falscher – Auffassung, sind Sexualität und Fortpflanzung völlig getrennte Dinge, die man zusammenlegt, wenn es zweckmäßig erscheint, so Pérez-Soba und Kampowski. Insbesondere die „Sexuelle Revolution“ hat Sexualität von Liebe (und von der Ehe sowieso) getrennt. Und zwar nicht erst in den 1960er Jahren, sondern schon viel früher. Für den Psychoanalytiker Wilhelm Reich war Sexualität eine menschliche Tätigkeit, die völlig frei von höheren Erwägungen praktiziert werden sollte. Er vertrat also das glatte Gegenteil der katholischen Auffassung.
Bekanntlich hat sich Reichs Sichtweise immer mehr durchgesetzt. Inzwischen dermaßen stark, dass sich die katholische Kirche in einer Defensivposition befindet. Viele können gar nicht mehr nachvollziehen, wieso Sexualität nur in der Ehe stattfinden soll, zudem ohne künstliche Verhütungsmittel.
Diese moderne freizügige Mentalität prägt natürlich unsere Kultur. In Spielfilmen, Fernsehserien, Literatur, Talkshows, Werbung, ja, überall wird eine Sicht von Sexualität verbreitet, die weitgehend der von Wilhelm Reich und seinen Nachfolgern, vor allem Herbert Marcuse und den Achtundsechzigern, entspricht. Die moderne Kultur unterstützt nicht die katholische Kirche, ihre Ehe- und Sexualmoral den Menschen begreiflich zu machen. Ganz im Gegenteil: Die moderne Kultur steht in vielen Punkten konträr zum katholischen Lehramt.
Auf diese Situation gibt es zwei mögliche Antworten: Eine wäre, die Kultur komplett zu verändern. Das war die Haltung des Apostels Paulus und der anderen Apostel, die permanent der antiken Welt die Leviten gelesen und zu einer umfassenden Bekehrung aufgerufen haben. Dasselbe taten später Menschen wie der hl. Bonifatius oder der hl. Remigius, der Chlodwig I., dem König der Franken, nach seiner Konversion sagte: „Bete an, was du verbrannt hast – verbrenne, was du angebetet hast. Adora quod incendisti, incende quod adorasti!“
Kardinal Walter Kasper ist weit von solchen Vorstellungen entfernt. Er meint, man müsse die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit akzeptieren und mit ihnen ganz behutsam umgehen. Keineswegs solle man sie überfordern oder gar einen drastischen Lebenswandel verlangen.
Dieser „pragmatische Ansatz“ ist das Programm des Linkskatholizismus in Deutschland.
-------
Fast unnötig zu sagen, dass wenige im deutschen Episkopat den unverschämten Forderungen von „Wir sind Kirche“ widersprechen. Viele unterstützen sogar die Implementierung von Kardinal Kaspers Vorstellungen zur Familienpastoral. Dass diese schon mehrmals widerlegt wurden, unter anderem durch Kardinal Ratzinger, als er noch Glaubenspräfekt war, spielt keine Rolle. Auf Biegen und Brechen wollen die Progressisten die katholische Kirche dem modernen Zeitgeist anpassen. Diese Situation ist natürlich nicht neu. Neu ist allerdings die Entschlossenheit, mit der man die katholische Ehe- und Sexualmoral über Bord werfen will.
„Wir sind keine Filiale von Rom.“ Dieser Spruch kam bekanntlich nicht von Reichskanzler Otto von Bismarck während des Kulturkampfes, sondern laut kath.net aus dem Munde von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, ausgesprochen vor kurzem auf einer Pressekonferenz.
Das war keineswegs ein Ausrutscher.
Reinhard Kardinal Marx gab schon am 22. Januar der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten America ein Interview, in welchem er seine Hoffnungen für die Familiensynode im Oktober 2015 und seine Vision von Kirche schildert. In Deutschland wurden vor allem die Passagen zu geschiedenen Wiederverheirateten und Homosexuellen registriert. Die Süddeutsche Zeitung wählte für ihren Bericht die Überschrift „Auch Homosexuelle gehören dazu“, der Nordbayerische Kurier titelte: „Marx für Reformkurs bei wiederverheirateten Geschiedenen“.
Diese Themen sind zur Zeit die wichtigsten für die sogenannten Reformkatholiken, die eine Anpassung der Lehre der katholischen Kirche an die Maxime der sexuellen Revolution der Achtundsechziger-Bewegung anstreben.
Doch Kardinal Marx beschränkt sich im Interview mit „America“ keineswegs auf diese Themen, sondern präzisiert und aktualisiert die üblichen Anschauungen des Reformkatholizismus. Damit stellt er sich an die Spitze einer Bewegung, die spätestens seit dem Missbrauchsskandal vor fünf Jahren immer deutlicher und lauter in der Öffentlichkeit ihre Ansichten vertritt: Die Kirche müsse ihre Strukturen drastisch schleifen, die Kirche müsse sich demokratisieren, und das kirchliche Lehramt müsse sich dem heutigen Lebensgefühl anpassen.
Der sogenannte „Fall Tebartz-van Elst“ im vergangenen Jahr war ein neuer willkommener Anlass für die liberalen Katholiken, für ihre Agenda zu werben. Angeblich um in Zukunft „Limburger Verhältnisse“ auszuschließen, müsse nun auch über eine neue Definition des Bischofsamtes und der kirchlichen Hierarchie schlechthin diskutiert werden.
In Wahrheit geht es um eine völlig neue Vision dessen, was Kirche überhaupt ist. Dies wird im Interview von Kardinal Marx mit America sehr deutlich. So sagt er: „Die Kirche kann der Welt zeigen, dass sie nicht ein Instrument für sich selbst, sondern für die Einheit der Nation und der Welt sein kann.“ Die Kirche dürfe keine narzistische Kirche, keine Kirche der Furcht sein, so Marx.
Verständnis zeigt Kardinal Marx auch für homosexuelle Partnerschaften, für „wilde Ehen“, für wiederverheiratete Geschiedene, für die Forderungen, die Sakramentenlehre zu verändern. Für ihn sei sowieso nicht klar definiert, was die katholische Kirche über Ehe und Familie lehrt.
Kardinal Marx tritt ein für eine Entklerikalisierung der Macht an der römischen Kurie. Dementsprechend sollten Laien wichtige Ämter, sogar den Vorsitz von Räten, Kongregationen (also der vatikanischen Ministerien) und sonstigen Verwaltungseinheiten übernehmen.
An diesen Aussagen wird folgendes klar: Die Kirche wird von den liberalen Reformkatholiken nicht primär als Hüterin der Wahrheit aufgefasst, sondern als ein Ort der Begegnung, wo sich alle Menschen, egal wie sie sind, treffen. Damit das überhaupt funktionieren kann, muss sich die Kirche an den Zeitgeist anpassen und möglichst offene Grenzen haben. Die Grenzen zwischen katholisch und nicht-katholisch werden möglichst verwischt – aber nicht so stark, dass das die Kirchensteuereinnahmen gefährden könnte). Um das wiederum zu erreichen, ist eine Schwächung des Priester- und Bischofsamtes nötig.
In einer solchen Kirche kann die Wahrheit beziehungsweise die Treue zum Evangelium nicht im Mittelpunkt stehen. Das wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, doch das ist die zwangsläufige Konsequenz. Damit die Wahrheit gegen die ständigen Angriffe gewappnet ist, muss sie hierarchisch auf der Basis des Weihesakramentes aufgebaut sein.
Sollte dieser Prozess lange genug fortdauern, entstünde ein formloses Gewebe von Bistümern und Pfarreien ohne festumrissene Gebietsabgrenzungen. Das Sagen hätten pseudo-demokratische Gremien und charismatische Figuren, die einen Lebensstil vorgeben, der nicht mehr an festdefinierte Glaubenswahrheiten gebunden ist.
Eigentlich sähe dann die Kirche nicht viel anders aus als die utopische poststrukturalistische Gesellschaft der Achtundsechziger-Revolutionäre.------
Dass in Deutschland die katholische Kirche nicht schon längst einen Sonderweg eingeschlagen hat, ist maßgeblich in Deutschland lebenden Gläubigen aus Kroatien, Polen oder Afrika zu verdanken. Ohne diese Katholiken würde vielerorts, vor allem in Großstädten, kaum noch Glaubensleben mehr existieren. Zudem werden sie immer aktiver und mischen sich inzwischen auch in kirchenpolitische Angelegenheiten ein. Der hierzulande noch herrschende Laien- und Rätekatholizismus von Reformkatholiken, der in den entscheidenden Ämtern sitzt und über großzügige finanzielle Mittel verfügt, bekommt allmählich Konkurrenz.
Hoffnung für die Kirche kommt entspringt heute vor allem aus Ländern und Regionen, in denen der Glaube noch nicht so stark verdunstet wie bei uns: Polen, Asien, Afrika. Von dort sowie aus den USA kam bei der Familiensynode im Oktober 2014 der größte Widerstand gegen die Demontage der Ehe- und Sexualmoral.
Aber Hoffnung kommt auch von deutschen Katholiken selbst. Lange Zeit haben sie es zugelassen, dass sich der linksliberale moderne Geist in der Kirche ausbreitet. Doch auch diese Katholiken werden aktiver und organisieren sich.
Wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird, ist noch ungewiss. Eines ist sicher: Die katholische Kirche in Deutschland geht turbulenten Zeiten entgegen. „Doch am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“ hat die Gottesmutter in Fatima versprochen. O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen!
Vortrag von Mathias von Gersdorff an der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau am 14. April 2015 im Rahmen der Tagung „Was Gott zusammengefügt hat ... - Ehe, Familie und Sexualität im Zusammenhang mit der Bischofssynode, 2014-2015".
Der deutsche Linkskatholizismus - auch Reformkatholizismus genannt -, der in einer großen Anzahl von Vereinigungen organisiert ist, war in den 1990er Jahre besonders aktiv. So wurde regelmäßig gegen lehramtliche Dokumente protestiert, die als „konservativ“ eingestuft wurde, wie etwa Dominus Iesus. Das wichtigste Thema für diese Katholiken war aber stets die katholische Ehe- und Sexualmoral. Diese wurde als despotisch, unzeitgemäß, impraktikabel oder gar als nicht biblisch kritisiert. Darüber hinaus fordern sie eine Demokratisierung der kirchlichen Strukturen und eine größere Beteiligung der Laien an den kirchlichen Entscheidungen, inklusive Bischofsernennungen. Nach der sogenannten „Debatte um den Beratungsschein“ Ende der 1990er Jahre, in der es um die Zulässigkeit der Erteilung von Beratungsscheinen durch katholische Beratungsstellen der Caritas, des „Sozialdienstes katholischer Frauen“ (SKF) und andere ging, hielt sich der Linkskatholizismus in der Öffentlichkeit mit allzu polemischen Stellungnahmen zurück. Caritas & Co. machten damals großen Druck auf die Bischöfe, um im staatlichen Beratungssystem zu verbleiben. Es hagelte Kritik, denn die ausgestellten „Beratungsscheine“ waren die notwendige Voraussetzung, um eine straffreie Abtreibung vorzunehmen. Schließlich stiegen die deutschen Bischöfe aus diesem System aus.
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| In der Mitte: Erzbischof Stanisław Gądecki |
Einige Beispiele: Mitte Dezember 2013 forderten 17 Theologieprofessoren ein „Umdenken der katholischen Kirche bei Sexualmoral und Familie“ und behaupten beispielsweise hinsichtlich Homosexualität, dass „Treue, Verlässlichkeit und Solidarität nicht weniger wert sind, nur weil sie von Schwulen und Lesben gezeigt werden“. Die christliche Moralverkündigung müsse auch „die vielen Erscheinungsformen des Sexuellen außerhalb der Ehe“ zum Thema machen.
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| Programm der Tagung |
Ebenfalls Mitte Dezember 2013 hat das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK)“ eine Stellungnahme zum Thema Ehe und Familie veröffentlicht: mehr Verständnis für Homosexuelle, wiederverheiratete Geschiedene und Patchwork-Familien.
Mitte Januar 2014, als die Debatte um die Petition „Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“, die die Einführung der Gender-Ideologie in den Schulen Baden-Württembergs vorsah, hochkochte, meldete sich der Freiburger Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und proklamierte: „Katholische Jugendverbände sind für die Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt (also der Gender-Ideologie) im neuen Bildungsplan“ der Grün-Roten Landesregierung.
Christoph Lehmann von der Katholischen Elternschaft schrieb am 8. Februar 2014 im Berliner Tagesspiegel: „Und auch Konservative können kaum leugnen, dass die staatliche Anerkennung der Übernahme gegenseitiger Verantwortung von Menschen füreinander etwa in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft (also homosexuelle Partnerschaften) hohe Wertschatzung verdient.“ Sowohl Papst Johannes Paul II. wie auch Benedikt XVI. haben „eingetragene Partnerschaften“ unmissverständlich abgelehnt und als Angriffe auf Ehe und Familie bezeichnet.
Nun, solche Erscheinungen sind im deutschen Katholizismus nicht neu. Seit eh und je gibt es Bestrebungen deutscher Katholiken, sich eine eigene Moral und eine eigene Religion zu basteln und sich hierbei nicht zu scheuen, gegen „Rom“ zu polemisieren. Doch es ist auffällig, dass solche Initiativen just in einer Zeit aufkommen, wenn in der säkularen Welt anhand von Projekten im EU-Parlament wie dem „Estrela-Bericht“ (Recht auf Abtreibung und ultraliberale Sexualkunde) und dem „Lunacek-Bericht“ (Sonderrechte inklusive Definition von sog. Hassverbrechen für LGBTI-Menschen), sowie der Einführung der Lerneinheit „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Rahmen des „Bildungsplanes 2015“ in Baden-Württemberg, Gender Mainstreaming, Gender-Theorie, Homo- und LGBTI-Agenda mit brachialer Gewalt und gar mit Hinterlist vorangetrieben werden. Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen den innerkirchlichen und säkularen Vorgängen.
Trotz unterschiedlicher Sprache und Gewichtungen verfolgen beide Strömungen – säkulare linksliberale Kräfte sowie liberale bzw. progressistische Linkskatholiken – dasselbe Ziel: die Durchsetzung der Maximen der Sexuellen Revolution im Geiste der Achtundsechziger-Bewegung als gesellschaftliche und moralische Norm. Die kirchlichen Gruppen, die dies vorantreiben, sind so etwas wie die „Fünfte Kolonne“ der Achtundsechziger-Revolution innerhalb der katholischen Kirche.
Besonders empörend ist die Tatsache, dass diese linksliberalen katholischen Gruppen solche Themen aufgreifen, wenn konservative Katholiken oder Christen überhaupt dabei sind, gegen das Voranschreiten der sexuellen Revolution in der Form der oben genannten EU-Resolutionen oder der Einführung von Gender-Mainstreaming in den Schulen kämpfen. Der Linkskatholizismus wählt oft den passenden Moment, um den guten katholischen Kräften in den Rücken zu fallen.
Neue Energie hat dieses linke Milieu erhalten durch die bekannte Rede von Walter Kardinal Kasper vor dem Konsistorium Anfang 2014 als Vorbereitung für die Familiensynode im Oktober 2014. Bekanntlich schlug er vor, Wege zu suchen, damit wiederverheiratet Geschiedene Zugang zur heiligen Kommunion finden könnten. Es ging aber von vornherein um viel mehr, was der Linkskatholizismus auch schnell erkannt hat. Mit seiner Rede hat Kardinal Kasper in Wahrheit die Büchse der Pandora geöffnet, wodurch all der Schmutz der „Sexuellen Revolution“ der Achtundsechziger-Bewegung in die katholische Kirche einzudringen droht.
Beide Familiensynoden – die vom Oktober 2014 und die kommende im Oktober 2015 - werden vom Linkskatholizismus als willkommene Vorwände missbraucht, wieder aktiv für ihre revolutionäre „Vision“ von Kirche und Lehramt zu werben.
Speerspitze des deutschen Links- oder Reformkatholizismus ist die Bewegung „Wir sind Kirche“. Seit etwa 20 Jahren kämpft sie für eine egalitäre Kirche und dient einer liberalen Auffassung von Moral: Schleifung der Unterschiede zwischen Laien und Priestern, Abschaffung des Zölibats, Akzeptanz außerehelicher Sexualität, Akzeptanz der Wiederheirat nach Scheidung, Verständnis für Abtreibung usw.
Somit propagiert „Wir sind Kirche“ innerhalb des Katholizismus sämtliche Positionen, die im säkularen Bereich diverse Organisationen und Aktivisten der sexuellen Revolution im Geiste der 1968er-Bewegung vertreten.
Wegen der durch Kardinal Kasper neu entflammten Diskussion über eine mögliche kirchliche Neubewertung von wiederverheirateten Geschiedenen Katholiken, kamen alle Themen von „Wir sind Kirche“ auf den Tisch. Lange Zeit war von dieser sogenannten „Basisbewegung“ kaum etwas zu hören. In gewisser Weise hat Kardinal Kasper sie wieder aus der Versenkung geholt.
Trotz ihrer Inaktivität ist „Wir sind Kirche“ ideologisch nicht in der Zeit stehengeblieben. Sie haben im Arbeitspapier „Texte und Arbeitshilfen zur Familien-Synode 2014-2015“ komplett die Entwicklungen der sexuellen Revolution der letzten Jahre übernommen.
So treten sie heute für eine positive Bewertung der Homosexualität und von homosexuellen Partnerschaften ein, sie fordern eine positive Bewertung für das „breite Spektrum sexueller Beziehungen unterschiedlicher Intensität und Ausdrucksformen“, sie fordern die Akzeptanz von künstlichen Verhütungsmitteln usw. Diese Forderungen finden sich in einem Positionspapier mit dem Namen „Sexualität als lebenspendende Kraft“, was schon vieles über die Gesinnung der Autoren sagt.
Auch ihre Auffassung von Familie unterscheidet sich kaum noch von jener der Gender-Ideologen: „Ehrlich bemühte Christinnen und Christen in Sachen Familie und Partnerschaften finden sich in unterschiedlichen Lebens‐ und Familienformen: gut gelebte Ehen mit und ohne Kinder, gescheiterte Ehen und Partnerschaften, gelingende zweite Ehen, alleinerziehende Mütter und Väter, Patchwork‐Familien, homosexuelle Partnerschaften mit und ohne Kinder, Singles in familienähnlichen Netzwerken…“
„Wir sind Kirche“ beschränkt sich aber nicht bloß darauf, Forderungen zu stellen und Arbeitspapiere zu redigieren. Sie will in allen Ebenen aktiv werden, um eine revolutionäre Kirche einzurichten. Eine Liste mit fast zwanzig „Aktionsmöglichkeiten vor Ort“ erklärt den Anhängern, wie sie die Ansichten der Bewegung bekannt machen können. Ein „Synoden-Fahrplan“ erläutert die wichtigsten Etappen bis zur Synode und koordiniert die bundesweiten Aktivitäten, um die größtmögliche Wirkung zu erreichen.
Kurz: „Wir sind Kirche“ hat eine regelrechte Kampagne organisiert mit dem Ziel, die sexuelle Revolution in der Familiensynode 2015 in die katholische Kirche einzuführen.
Diese Bewegung steht in Deutschland natürlich nicht alleine da. Eine Schar von subventionierten Theologen leistet die intellektuelle Vorarbeit, um die katholische Ehe- und Sexualmoral zu demontieren. Sie publizieren in renommierten Verlagen wie Herder oder Patmos.
Vor allem Herder hat etliche Titel herausgegeben, in denen zentrale Inhalte des Lehramtes in Frage gestellt oder direkt angegriffen werden. Eines der wichtigsten Bücher in dieser Kategorie ist das des Tübinger Theologen Hermann Häring, „Keine Christen zweiter Klasse“. Zu ihm gesellen sich Titel wie „Der Fall Tebartz-van Elst: Kirchenkrise unter dem Brennglas“, von Joachim Valentin herausgegeben, oder „Leitbild am Ende? – Der Streit um Ehe und Familie“. In einem verschärft rigiden Ton werden die polemischen Themen Sexual- und Ehemoral, Zölibat, hierarchische Verfassung der Kirche usw. wieder aufgewärmt.
In „Leitbild am Ende?“ vertritt Konrad Hilpert, einer der beiden Herausgeber und emeritierter Professor für Theologie an der Universität München, hinsichtlich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften folgende Ansicht: „(Es wäre) evident ungerecht, gleichgeschlechtliche Partner von einem öffentlich anerkannten Institut, in dem der Wille zur dauerhaften Verbundenheit und die gegenseitigen Beistandspflichten geregelt sind (also die sog. gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften gem. dem Lebenspartnerschaftsgesetz, Anm. d. Red.) prinzipiell und auf Dauer auszuschließen.“ Sowohl Johannes Paul II., wie auch Benedikt XVI. lehnten solche pseudofamiliären Konstruktionen vehement ab.
Hilpert will aber keineswegs solche rechtlichen Institute auf homosexuelle Paare beschränkt wissen und regt an: „zusätzlich weitere Institute öffentlich geregelter Partnerschaften zu schaffen, die der Ehe in relevanten Regelungshinsichten ähnlich sind.“ Unter diesen Umständen wundert man sich nicht mehr, wenn Bernhard Laux, zweiter Herausgeber und Professor für Theologische Anthropologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Regensburg, die Auffassung vertritt, für manche könnten alternative Partnerschaftsformen – also „wilde Ehen“ – die „bestmöglich erreichbare Form sein“.
In „Der Fall Tebartz-van Elst“ sinniert Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg, über die ekklesiologischen, also kirchenstrukturellen Auswirkungen des Limburger Falles: „Unter der Hand verschieben sich ekklesiologische Koordinaten. Das Volk Gottes erhält ein Mitspracherecht, wenn es um das Amt des Bischofs geht. Zugleich wird die nicht-kirchliche Öffentlichkeit als ein Faktor innerkirchlicher Entscheidungen ernst genommen.“ Der Autor erhofft sich im Grunde eine Demokratisierung der Kirche.
Wesentlich deutlicher und verständlicher fordert Hermann-Josef Frisch eine Demokratisierung der Kirche in seinem Pamphlet „Nicht Kirchenschafe, sondern Mut-Christen“, erschienen im Patmos-Verlag: „Diese hierarchische, klerikale, selbstbezogene, auf Macht und Einfluss drängende Kirche, die Menschen unterdrückt statt befreit, die eine Drohbotschaft verkündet statt der Frohen Botschaft christlichen Glaubens, die ausschließt statt integriert, die fordert statt zu schenken, die Angst statt Mut und Hoffnung macht – diese Kirche ist am Ende, personell und moralisch.“ Sollte sich die Kirche nicht ändern, so würde sie zu einer unter vielen Sekten verkommen.
In ihren Schriften werden also so gut wie alle Thesen der sexuellen Revolution in theologischer Sprache wiedergegeben, inklusive der letzten Ausprägungen der Gender-Ideologie.
Die Aktivisten von „Wir sind Kirche“ brauchen diese Bücher nur zu lesen, um genügend Argumente für ihren Propagandafeldzug zu sammeln. Kurz: In Deutschland existiert eine gut geölte Maschinerie zur Zerstörung essentieller Bereiche des katholischen Lehramtes.
Wie destruktiv diese Forderungen sind, erklären ausführlich die Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski im Buch „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“.
Nach „moderner“ - aber natürlich völlig falscher – Auffassung, sind Sexualität und Fortpflanzung völlig getrennte Dinge, die man zusammenlegt, wenn es zweckmäßig erscheint, so Pérez-Soba und Kampowski. Insbesondere die „Sexuelle Revolution“ hat Sexualität von Liebe (und von der Ehe sowieso) getrennt. Und zwar nicht erst in den 1960er Jahren, sondern schon viel früher. Für den Psychoanalytiker Wilhelm Reich war Sexualität eine menschliche Tätigkeit, die völlig frei von höheren Erwägungen praktiziert werden sollte. Er vertrat also das glatte Gegenteil der katholischen Auffassung.
Bekanntlich hat sich Reichs Sichtweise immer mehr durchgesetzt. Inzwischen dermaßen stark, dass sich die katholische Kirche in einer Defensivposition befindet. Viele können gar nicht mehr nachvollziehen, wieso Sexualität nur in der Ehe stattfinden soll, zudem ohne künstliche Verhütungsmittel.
Diese moderne freizügige Mentalität prägt natürlich unsere Kultur. In Spielfilmen, Fernsehserien, Literatur, Talkshows, Werbung, ja, überall wird eine Sicht von Sexualität verbreitet, die weitgehend der von Wilhelm Reich und seinen Nachfolgern, vor allem Herbert Marcuse und den Achtundsechzigern, entspricht. Die moderne Kultur unterstützt nicht die katholische Kirche, ihre Ehe- und Sexualmoral den Menschen begreiflich zu machen. Ganz im Gegenteil: Die moderne Kultur steht in vielen Punkten konträr zum katholischen Lehramt.
Auf diese Situation gibt es zwei mögliche Antworten: Eine wäre, die Kultur komplett zu verändern. Das war die Haltung des Apostels Paulus und der anderen Apostel, die permanent der antiken Welt die Leviten gelesen und zu einer umfassenden Bekehrung aufgerufen haben. Dasselbe taten später Menschen wie der hl. Bonifatius oder der hl. Remigius, der Chlodwig I., dem König der Franken, nach seiner Konversion sagte: „Bete an, was du verbrannt hast – verbrenne, was du angebetet hast. Adora quod incendisti, incende quod adorasti!“
Kardinal Walter Kasper ist weit von solchen Vorstellungen entfernt. Er meint, man müsse die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit akzeptieren und mit ihnen ganz behutsam umgehen. Keineswegs solle man sie überfordern oder gar einen drastischen Lebenswandel verlangen.
Dieser „pragmatische Ansatz“ ist das Programm des Linkskatholizismus in Deutschland.
-------
Fast unnötig zu sagen, dass wenige im deutschen Episkopat den unverschämten Forderungen von „Wir sind Kirche“ widersprechen. Viele unterstützen sogar die Implementierung von Kardinal Kaspers Vorstellungen zur Familienpastoral. Dass diese schon mehrmals widerlegt wurden, unter anderem durch Kardinal Ratzinger, als er noch Glaubenspräfekt war, spielt keine Rolle. Auf Biegen und Brechen wollen die Progressisten die katholische Kirche dem modernen Zeitgeist anpassen. Diese Situation ist natürlich nicht neu. Neu ist allerdings die Entschlossenheit, mit der man die katholische Ehe- und Sexualmoral über Bord werfen will.
„Wir sind keine Filiale von Rom.“ Dieser Spruch kam bekanntlich nicht von Reichskanzler Otto von Bismarck während des Kulturkampfes, sondern laut kath.net aus dem Munde von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, ausgesprochen vor kurzem auf einer Pressekonferenz.
Das war keineswegs ein Ausrutscher.
Reinhard Kardinal Marx gab schon am 22. Januar der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten America ein Interview, in welchem er seine Hoffnungen für die Familiensynode im Oktober 2015 und seine Vision von Kirche schildert. In Deutschland wurden vor allem die Passagen zu geschiedenen Wiederverheirateten und Homosexuellen registriert. Die Süddeutsche Zeitung wählte für ihren Bericht die Überschrift „Auch Homosexuelle gehören dazu“, der Nordbayerische Kurier titelte: „Marx für Reformkurs bei wiederverheirateten Geschiedenen“.
Diese Themen sind zur Zeit die wichtigsten für die sogenannten Reformkatholiken, die eine Anpassung der Lehre der katholischen Kirche an die Maxime der sexuellen Revolution der Achtundsechziger-Bewegung anstreben.
Doch Kardinal Marx beschränkt sich im Interview mit „America“ keineswegs auf diese Themen, sondern präzisiert und aktualisiert die üblichen Anschauungen des Reformkatholizismus. Damit stellt er sich an die Spitze einer Bewegung, die spätestens seit dem Missbrauchsskandal vor fünf Jahren immer deutlicher und lauter in der Öffentlichkeit ihre Ansichten vertritt: Die Kirche müsse ihre Strukturen drastisch schleifen, die Kirche müsse sich demokratisieren, und das kirchliche Lehramt müsse sich dem heutigen Lebensgefühl anpassen.
Der sogenannte „Fall Tebartz-van Elst“ im vergangenen Jahr war ein neuer willkommener Anlass für die liberalen Katholiken, für ihre Agenda zu werben. Angeblich um in Zukunft „Limburger Verhältnisse“ auszuschließen, müsse nun auch über eine neue Definition des Bischofsamtes und der kirchlichen Hierarchie schlechthin diskutiert werden.
In Wahrheit geht es um eine völlig neue Vision dessen, was Kirche überhaupt ist. Dies wird im Interview von Kardinal Marx mit America sehr deutlich. So sagt er: „Die Kirche kann der Welt zeigen, dass sie nicht ein Instrument für sich selbst, sondern für die Einheit der Nation und der Welt sein kann.“ Die Kirche dürfe keine narzistische Kirche, keine Kirche der Furcht sein, so Marx.
Verständnis zeigt Kardinal Marx auch für homosexuelle Partnerschaften, für „wilde Ehen“, für wiederverheiratete Geschiedene, für die Forderungen, die Sakramentenlehre zu verändern. Für ihn sei sowieso nicht klar definiert, was die katholische Kirche über Ehe und Familie lehrt.
Kardinal Marx tritt ein für eine Entklerikalisierung der Macht an der römischen Kurie. Dementsprechend sollten Laien wichtige Ämter, sogar den Vorsitz von Räten, Kongregationen (also der vatikanischen Ministerien) und sonstigen Verwaltungseinheiten übernehmen.
An diesen Aussagen wird folgendes klar: Die Kirche wird von den liberalen Reformkatholiken nicht primär als Hüterin der Wahrheit aufgefasst, sondern als ein Ort der Begegnung, wo sich alle Menschen, egal wie sie sind, treffen. Damit das überhaupt funktionieren kann, muss sich die Kirche an den Zeitgeist anpassen und möglichst offene Grenzen haben. Die Grenzen zwischen katholisch und nicht-katholisch werden möglichst verwischt – aber nicht so stark, dass das die Kirchensteuereinnahmen gefährden könnte). Um das wiederum zu erreichen, ist eine Schwächung des Priester- und Bischofsamtes nötig.
In einer solchen Kirche kann die Wahrheit beziehungsweise die Treue zum Evangelium nicht im Mittelpunkt stehen. Das wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, doch das ist die zwangsläufige Konsequenz. Damit die Wahrheit gegen die ständigen Angriffe gewappnet ist, muss sie hierarchisch auf der Basis des Weihesakramentes aufgebaut sein.
Sollte dieser Prozess lange genug fortdauern, entstünde ein formloses Gewebe von Bistümern und Pfarreien ohne festumrissene Gebietsabgrenzungen. Das Sagen hätten pseudo-demokratische Gremien und charismatische Figuren, die einen Lebensstil vorgeben, der nicht mehr an festdefinierte Glaubenswahrheiten gebunden ist.
Eigentlich sähe dann die Kirche nicht viel anders aus als die utopische poststrukturalistische Gesellschaft der Achtundsechziger-Revolutionäre.------
Dass in Deutschland die katholische Kirche nicht schon längst einen Sonderweg eingeschlagen hat, ist maßgeblich in Deutschland lebenden Gläubigen aus Kroatien, Polen oder Afrika zu verdanken. Ohne diese Katholiken würde vielerorts, vor allem in Großstädten, kaum noch Glaubensleben mehr existieren. Zudem werden sie immer aktiver und mischen sich inzwischen auch in kirchenpolitische Angelegenheiten ein. Der hierzulande noch herrschende Laien- und Rätekatholizismus von Reformkatholiken, der in den entscheidenden Ämtern sitzt und über großzügige finanzielle Mittel verfügt, bekommt allmählich Konkurrenz.
Hoffnung für die Kirche kommt entspringt heute vor allem aus Ländern und Regionen, in denen der Glaube noch nicht so stark verdunstet wie bei uns: Polen, Asien, Afrika. Von dort sowie aus den USA kam bei der Familiensynode im Oktober 2014 der größte Widerstand gegen die Demontage der Ehe- und Sexualmoral.
Aber Hoffnung kommt auch von deutschen Katholiken selbst. Lange Zeit haben sie es zugelassen, dass sich der linksliberale moderne Geist in der Kirche ausbreitet. Doch auch diese Katholiken werden aktiver und organisieren sich.
Wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird, ist noch ungewiss. Eines ist sicher: Die katholische Kirche in Deutschland geht turbulenten Zeiten entgegen. „Doch am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“ hat die Gottesmutter in Fatima versprochen. O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen!
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