Mittwoch, 12. Februar 2020

Amazonas-Dokument: Versucht man die Deutschen in die Irre zu führen?

Das neueste Papstdokument „Querida Amazonas“ öffnete bekanntlich nicht den geringsten Spalt für die reformkatholischen Vorstellungen bezüglich Zölibats, Viri Probati oder Frauenämter.

Aus diesem Grund wurde schon in der Pressekonferenz im Vatikan die Frage gestellt, welche Autorität das Schlussdokument der Amazonas-Synode besitzt. Dieses Dokument war sehr weitreichend, was die oben genannten Themen betrifft.

Kardinal Baldisseri erklärte unmissverständlich, das Schlussdokument besitze hätte KEINE lehramtliche Autorität (Minute 1:09:00. Pressekonferenz: https://youtu.be/OoHdNVITDL8)

Hierzu bräuchte es die ausdrückliche Zustimmung des Papstes. 

In seinem Mitteilungsblatt vom 12. Februar 2020 verschickte VaticanNews auch eine Stellungnahme von Kardinal Marx.

In der E-Mail heißt es: „Kardinal Marx sieht den Synodalen Weg durch das Papstschreiben nicht beeinträchtigt. Er weist darauf hin, dass Franziskus das Schlussdokument der Synode, in dem sich Reformvorschläge finden, ausdrücklich bestätigt. 

Offensichtlich steht diese Aussage im direkten Widerspruch zur Aussage Kardinal Baldisseris in der Pressekonferenz.

Im Artikel selbst ist man (wohl bewusst) ungenauer und lässt die Frage der Autorität des Schlussdokumentes (einigermaßen) offen: „Zugleich verwies Marx darauf, dass das Schlussdokument der Amazonas-Synode und das jetzt veröffentlichte Papstschreiben eine Einheit darstellten und zusammen betrachtet werden müssten: „Der Papst stellt klar: Das Gesamte ist die Frucht der Synode.“ Es sei bemerkenswert, dass Franziskus die Relevanz beider Schreiben betone und ausdrücklich nicht das eine durch das andere aufhebe.“

Kardinal Baldisseri gehört mitnichten zum konservativen Flügel. Dass er sich auf diese Weise ausdrückt deutet darauf hin, dass man keine weiteren Diskussionen zu diesen Themen haben will. 

Dienstag, 10. Dezember 2019

Besitzt der „Synodale Weg“ Legitimität oder bildet er eine Pseudosynode?

In der offiziellen Informationsseite des „Synodalen Wegs“ ist in den viele Texten die Aussage gestreut, dass die Letztentscheidung bei den Ortsbischöfen liegt. Im Falle von Beschlüssen, die die Weltkirche betreffen, liegt die endgültige Entscheidung beim Heiligen Stuhl.

Diese Stellen bilden so etwas wie eine Rückversicherung und sollen zeigen, dass sich der „Synodale Weg“ an die Regeln des Kirchenrechts und der hierarchisch verfassten Kirchenstruktur hält.

Jedoch gewinnt man den Eindruck, dass diese Aussagen nichts anderes sind als ein Feigenblatt.

Der Duktus der Dokumente und der vielen Erläuterungen zeigt nämlich eine ganz andere Stoßrichtung: Es soll eine parlamentarische Form fabriziert werden, deren Beschlüssen man den Anschein der Legitimität geben will.

Es fängt schon bei der Zusammensetzung der sog. Synodalversammlung an. Das ist das oberste Gremium des „Synodalen Weges“.

In § 3, Abs. Artikel 3 heißt es: „Die Synodalversammlung ist das oberste Organ und fasst die Beschlüsse. Die Mitglieder der Synodalversammlung haben gleiches Stimmrecht.“

Wichtig: Diese Versammlung soll Beschlüsse fassen. In den Erläuterungen heißt es sogar: „Verbindliche Beschlüsse werden von den Gremien des Synodalen Weges durch deren geregelte Abstimmungsverfahren zu solchen gemacht.“

Kardinal Marx hat selbst erklärt: „Es ist ein offener Weg, der zu Beschlüssen und Voten an die jeweils zuständigen kirchlichen Verantwortlichen führen soll.“

Aber in wessen Namen? Beispielsweise werden dort 69 Vertreter des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) sitzen. Diese Personen vertreten maximal ihre eigenen Verbände, können aber nicht im Namen der Katholiken in Deutschland sprechen. Dafür haben sie schlicht und ergreifend kein Mandat.

In den Erläuterungen wird das ZdK folgendermaßen beschrieben: „Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist der Zusammenschluss von Vertreterinnen und Vertretern der Diözesanräte und der katholischen Verbände sowie von Institutionen des Laienapostolats und von weiteren Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft. Organe des Zentralkomitees sind die Vollversammlung, der Hauptausschuss, das Präsidium sowie die Präsidentin bzw. der Präsident.“

Man kann vom ZdK halten, was man will. Jedenfalls repräsentieren sie keineswegs Personen im Sinne ihrer Angehörigkeit zur Kirche als Mystischer Leib Christi.

Beschlüsse, die unter solchen Bedingungen getroffen werden, sind – rein juristisch gesehen - null und nichtig.

Das sog. Synodalpräsidium wird gebildet durch den „Vorsitzenden und der stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sowie die Präsidentin/der Präsident und eine Vize-Präsidentin/ein Vize-Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken“.

Keine dieser Personen vertritt die Katholiken in Deutschland, auch nicht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. In seiner Eigenschaft als Erzbischof von München-Freising kann er zwar für seine Diözesanen sprechen, nicht aber für die anderer Bistümer.

Das bedeutet: Weder aus einer „demokratischen“ Sichtweise noch aus einer Betrachtung der Kirche als mystischer Leib Christ besitzt dieser „Synodale Weg“ irgendeine Legitimität.

Man könnte die gesamte Satzung und alle Erörterungen der Informationsseite „synodaler.weg“ durchgehen und nach diesen Kriterien analysieren.

Stets würde klar werden, dass der „Synodale Weg“ ein massives Legitimitätsproblem besitzt und sowieso niemand repräsentiert.

Der „Synodale Weg“ ist bestenfalls ein Treffen von Verbänden und Ad-Hoc-Gruppen, wie etwa die „15 junge Menschen, davon mind. 10 weibliche, die am 1. Dezember 2019 nicht älter als 30 Jahre sind und nicht dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehören“ (Quelle: Satzung Artikel 3). Diese können nicht für sich den Anspruch erheben, im Namen der Kirche oder für die Katholiken in Deutschland zu sprechen.

Aber es liegt ein weiteres Problem vor, das viel gravierender ist:

Der „Synodale Weg“ suggeriert, dass er die katholische Kirche in Deutschland versammelt.

Ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt: Jedenfalls liegt der Verdacht der Irreführung bzw. der Täuschung vor. Diese Versammlung suggeriert eine Autorität und ein Mandat, die sie nicht besitzt.

Aus diesem Grund gerät der „Synodale Weg“ in den Verdacht, eine illegale und illegitime Pseudosynode schismatischen Charakters zu sein.

Aus folgenden Gründen:

1. Sie fabriziert eine Leitungsstruktur, die weder Repräsentanz noch Mandat besitzt.
2. Sie will Beschlüsse fassen, wozu sie aus offensichtlichen Gründen nicht berechtigt ist.
3. Sie fabriziert eine Pseudo-Kirchenhierarchie mit Beschlussfähigkeit, was die Vermutung des schismatischen Handelns zulässt.

Kurz: Der „Synodale Weg“ suggeriert, ein Entscheidungsgremium zu sein, was den Tatbestand der Täuschung und Irreführung erfüllen könnte.

Wäre das tatsächlich der Fall, so würden die Bischöfe, die sich an dieser Pseudosynode beteiligen, dafür verantwortlich sein, eine schismatische Versammlung zu unterstützen.

Sonntag, 8. Dezember 2019

Synodaler Weg: Schisma oder Aufweichung von unten?

Foto: Nicolas Raymond, Freestock.ca, (CC BY 3.0)
Vor dem Auftakt des sog. „Synodalen Wegs“ hat der deutsche Verbandskatholizismus, angeführt vom „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK), seine Forderungen bekräftigt: Revision der Sexualmoral, Segen und liturgische Feiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Öffnung aller Ämter für Frauen, Demokratisierung der kirchlichen Leitung etc.

Diese Forderungen sind alles andere als neu. Neu ist lediglich, dass sie noch hartnäckiger und lauter vorgetragen werden. Die blasphemische Gruppe „Maria 2.“ hat sogar Straßendemonstrationen durchgeführt, um sich Gehör zu verschaffen.

Dass sich die Wünsche von ZdK & Co. nicht mit dem kirchlichen Lehramt vereinbaren lassen, ist offensichtlich. Unter diesen Umständen müsste die gesamte Veranstaltung abgesagt werden. Trotzdem haben lediglich Kardinal Wölki von Köln und Bischof Voderholzer das Statut des „Synodalen Prozesses“ abgelehnt. Weitere Kirchenmänner haben lediglich vor „zu großen Erwartungen“ gewarnt.

Was kann unter diesen Umständen aus diesem Treffen zwischen Bischöfen und Verbandskatholiken herauskommen? Was wird da überhaupt angestrebt?

Möglichkeit 1: Die Gründung einer schismatischen und häretischen deutschen Nationalkirche

Wenn auch nur ein kleiner Teil der Forderungen angenommen und in der Praxis umgesetzt werden, so würden sich die Bischöfe, die sich darauf einlassen, von Rom trennen und eine neue Kirche gründen.

Ihr Credo wären die Maximen der 1968er-Bewegung: Sexuelle Revolution, Feminismus, Gender-Ideologie, Basisdemokratie. Universitätstheologen würden dafür sorgen, dem Ganzen einen christlichen Anstrich zu geben.

Ganz unwahrscheinlich ist ein solcher Ausgang nicht, zumindest in einigen Bistümern. Unter dem Motto „nachgeben, um nicht zu verlieren“ haben manche Bischöfe dermaßen hohe Erwartungen geweckt, dass sie irgendwann nicht mehr zurückrudern oder den Schwarzen Petern Rom zuschieben können. Einige Bischöfe hätten sowieso schon heute keine Probleme, Frauen zu weihen. Es könnte eine Revolte entstehen, die sich nicht mehr kontrollieren lässt, etwa wie bei der Kirchenspaltung im 16-ten Jahrhundert.

Allein aufgrund dieses Risikos ist es unverantwortlich, dass die Deutsche Bischofskonferenz den „Synodalen Weg“ einberuft.

Möglichkeit 2: Eine dezentrale Zersetzung des Glaubens, des Lehramtes und der Hierarchie durch Pseudo-Beschlüsse

Der deutsche Progressismus könnte eine andere Strategie wählen: Im Laufe des „Synodalen Wegs“ werden Tagungsberichte und Positionspapiere mit unklarer Verbindlichkeit redigiert und veröffentlicht. Beispielsweise wird die Forderung nach liturgischen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften „begrüßt“, doch auf missverständlicher Art und Weise ausgedrückt, ob solche denn stattfinden dürfen oder nicht.

Resultat: Jeder interpretiert die Texte, wie er will, etwa nach dem Muster des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“ hinsichtlich der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Die Einheit der Kirche würde zerbrechen, aber auf unterster Ebene, in den sog. „Pastoralen Räumen“ und nicht unbedingt auf Bistumsebene.

Auf diesem Wege würde mit der Zeit eine „Synodalität“ auf lokaler Ebene entstehen bzw. zementiert werden. In Großstädten wie Frankfurt am Main existieren schon heute völlig widersprüchliche Glaubenspraktiken. So gibt es dort sog. „Queer-Gottesdienste“ und Pseudo-Segnungen queerer Paare.

Der „Synodale Weg“ würde diese Situation verstärken und ihr eine Art „Legimitation“ durch die entstehenden Texte geben. Weil diese gar keinen verbindlichen Charakter hätten, müsste man sie auch nicht von „Rom“ anerkennen lassen.

Diese Vorgehensweise würde de facto auch eine neue Kirche entstehen lassen, aber nicht auf eine krachende Art und Weise wie oben beschrieben. Die Hierarchie würde ihre Funktion verlieren. Das kirchliche Lehramt wäre bestenfalls noch eine Richtlinie, die man eventuell zur Kenntnis nimmt. Diese Kirche könnte nicht mehr als „katholisch“ bezeichnet werden.

Was können rechtgläubige Katholiken unternehmen?

Es ist noch schwer zu prognostizieren, welchen Widerstand rechtgläubige Katholiken in einer solchen Situation leisten könnten. Früher hätten sie sich an Rom gewendet und in der Tat wurde so manche Fehlentwicklungen verhindert, man erinnere sich bloß an die Debatte um dem unsäglichen „Beratungsschein“, der straffreie Abtreibungen ermöglichte. Ob man heute auf eine solche Rettungsaktion hoffen darf, ist fraglich.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Die Amazonas-Synode: Was steht auf dem Spiel?


Mathias von Gersdorff

Die seit dem 6. Oktober tagende „Amazonas-Synode“ im Vatikan sorgt für nicht geringe Irritationen und Perplexitäten unter den Katholiken. Grund dafür war zuerst der Duktus des Arbeitsdokumentes (Instrumentum laboris), das sich fast wie ein Pamphlet der Grünen liest und deutliche Sympathien für die (heidnischen) Lebensgewohnheiten der indigenen Völker in der Amazonasregion zeigt.

Weiterer Unmut entstand nach der Bekanntgabe der Teilnehmer an der Synode. Es finden sich die Namen der radikalsten Vertreter der Befreiungs-, der ökologischen und der indigenen Theologie. Diese theologischen Richtungen plädieren für einen völlig neuen Weg der katholischen Kirche und einen drastischen Abschied von der katholischen Tradition und dem Lehramt. Und nun kommen immer wieder Berichte über heidnische Praktiken rund um die tagende Synode und von heterodoxen Stellungnahmen in der Synodenaula.

Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Was ist los in Teilen der katholischen Kirche?

Als Ausgangspunkt Hans Küng

Der Theologe Hans Küng beschreibt in seinem Buch „Sieben Päpste“ vom Jahr 2015 das, was er als Grundübel der katholischen Kirche ansieht: Die Bildung eines effizienten und schlagfertigen Apparates im Vatikan unter dem Pontifikat von Innozenz III. (Papst von 1198 bis 1216), also der Vatikanischen Kurie.

Alle Progressisten sind mehr oder weniger der Auffassung, dass damals die katholische Kirche mehr oder weniger (es gibt nämlich erhebliche Schattierungen) zu einem Apparat geworden ist, der den Geist erstickt. In der Kirche stehe angeblich seitdem nicht mehr der direkte und uneingeschränkte Glaube im Mittelpunkt, sondern das Kirchenrecht, die lehramtlichen Dokumente, der Machtanspruch des Papstes, die Kirchenverwaltung.

Diese Karikatur kann nur bei Personen entstehen, die die Kirche nicht als eine übernatürliche Institution, deren Leben von der göttlichen Gnade geleitet wird, ansehen. Dann kann man leicht zur Auffassung kommen, das real existierende Leben der Kirche hätte genauso gut einen völlig anderen Weg nehmen können, als ob Gott nicht letztlich die Geschichte leiten würde.

Der heutige Progressismus will im Grunde die Kirchengeschichte korrigieren. Dies geschieht auf zwei Wegen, dem europäischen und dem südamerikanischen Weg.

Die europäische (progressistische) Vision von Kardinal Marx & Co.:

Was der europäische Reformkatholizismus will, ist bekannt: Die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist. Dem Zeitgeist messen die Progressisten Autorität zu. Er besitzt sogar Deutungshoheit darüber, wie das Leben und der Glaube in der Kirche sein sollen. Aus diesem Grund werden die Thesen des Zeitgeistes bereitwillig übernommen: Die Kirche hat demokratisch zu sein, die Sexualmoral soll sich an die Ansichten der Welt anpassen, der Feminismus hat die Strukturen der Kirche zu bestimmen etc. Heute soll der Ökologismus die prägende Idee in der Kirche sein.

Die Tradition, die Kirchengeschichte, das Lehramt, die Dogmen, die Volksfrömmigkeit werden als unnötigen Ballast angesehen, der den Glauben erstickt. Vielmehr soll sich die Kirche ständig neu erfinden: Liturgisch, glaubensmäßig, moraltheologisch.

Die lateinamerikanische (befreiungstheologische) Vision von Kardinal Humes & Co.:

In Südamerika hat der Progressismus einen anderen Weg genommen, weil er stark vom Marxismus beeinflusst wurde. Die sog. „Befreiungstheologie“ ist die Übernahme der Methode des Klassenkampfes in die katholische Kirche. Die Befreiungstheologie verteidigte die Notwendigkeit eines Klassenkampfes der Armen gegen die Reichen, genauso wie der klassische Marxismus.

Weil der katholische Glaube keine „Klassen“ kennt, wurde die Befreiungstheologie vom Vatikan verurteilt (u.a. durch die Instruktion der Glaubenskongregation Libertatis nuntius im Jahr 1984).

Sie lebte aber in den Köpfen vieler Theologen fort und durchlief eine erstaunliche Metamorphose. Auf der Basis der Befreiungstheologie entstanden eine „Feministische Theologie“, eine „Ökologische Theologie“, eine „Indigene Theologie“ etc.

Allen liegt die Grundthese zugrunde, dass eine herrschende Schicht die große Mehrheit der Menschen unterdrückt.

Die „Indigene Theologie“ ist aus kulturrevolutionärer Perspektive die radikalste: Sie besagt, dass die ganze Kolonisierung und Evangelisierung Lateinamerikas ein einziger Akt der Unterdrückung war. Wohlgemerkt: Auch die Evangelisierung. Denn diese habe legitime religiöse Gewohnheiten zerstört. Ebenso habe man den Eingeborenen eine europäische Weltanschauung aufgedrückt.

Auf diese Weise leben die Urvölker seit 500 Jahren kulturell und religiös unterdrückt.

Eine europäische Version dieser These würde behaupten (und der NS-Ideologe Rosenberg tat dies auch), den Germanen hätte man ihre Naturverbundenheit samt ihrem Kult zur „Mutter Erde“ und zu den anderen Gottheiten genommen.

Was verbindet den europäischen und den lateinamerikanischen Progressismus?

Obwohl rein äußerlich sich europäischer und lateinamerikanischer Progressismus sehr unterscheiden, sind sie eng verwandt: Beide lehnen Tradition und Lehramt ab. Beide sind der Auffassung, der Glaube müsse sich völlig ungebunden entfalten und brauche keine Kurie, kein Kirchenrecht, keine Dikasterien, keine Hierarchie.

Was denkt die „Mitte“?

Die oben beschriebenen Strömungen sind radikal, bilden aber keine Mehrheit. Die Mehrheit der Bischöfe versuchen in einer Äquidistanz (gleicher Abstand) zu Tradition und zur Anpassung an die Welt zu leben. Doch wegen der allgemeinen Krise der Kirche (Missbrauchsfälle, Krise der Berufungen, schwindende Zahl von Gläubigen etc.) ist diese Mehrheit sehr schwach und blass. Deshalb ist heute der Einfluss der Progressisten, auch der Radikal-Progressisten, sehr stark. Sie treten mit großer Autorität auf und kaum einer wagt es, ihnen zu widersprechen.

Was ist neu an der heutigen Situation: Die Umgürtelung ist gesprengt.

Nun könnte man sagen, dass diese Bildung von Strömungen oder Parteien seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr ausgeprägt ist: Die einen wollen alles umkrempeln. Die anderen wollen, dass sich nichts ändert (Eine dritte Gruppe will, dass man zu Zeiten von Pius XII. zurückkehrt. Sie sind aber in der Synode gar nicht vertreten).

Heute ist aber neu, dass die unterschiedlichen Sektoren in der Kirche wie isolierte Inseln leben. Die Umgürtelung, die es noch unter Figuren wie Kardinal Lehmann gab, gibt es nicht mehr. Jeder Gruppe lebt sozusagen für sich allein.

Das führt dazu, dass die radikalen Wortführer, die von Lehramt und Tradition nichts halten, immer offener agieren und sich noch mehr radikalisieren.

Der Konsens, was katholisch ist und was nicht, zerbricht zunehmend. Nichts ist mehr verbindlich. Die zentrifugalen Kräfte wachsen. Inzwischen wird offen über mögliche Schismen gesprochen, was noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Die Perspektiven:

Allein die Tatsache, dass manche Bischöfe laut über das Frauenpriestertum nachdenken, wie etwa Bischof Peter Kohlgraf von Mainz, zeigt, dass die Lage äußerst kritisch ist.

Aus dem lateinamerikanischen Progressismus hört man Forderungen, wie etwa eine Entschuldigung der Kirche für die Evangelisierung der Indianer. Sie seien von Gott direkt „getauft“ worden und hätten in einem paradiesischen Zustand gelebt. Der Westen hätte all das zerstört und Jesus Christus wäre demnach kein notwendiger Retter mehr.

Hier geht es nicht "nur" um Häresien, sondern um offene Apostasie, also komplette Abkehr vom Christentum.

Was ist das Ergebnis: Die Amazonas-Synode ist ein „Va-Banque-Spiel“

Was kann daraus folgen? Der Progressismus scheint aus der Amazonas-Synode ein Va-Banque-Spiel gemacht zu haben. Also „Alles oder nichts“. Vieles deutet darauf hin, dass sie endgültig Fakten schaffen wollen, koste es, was es wolle.

Das gilt für Lateinamerikaner wie auch für Europäer.

Was sollten die lehramtstreuen Katholiken tun?

Mit hoher Geschwindigkeit bewegt sich die Kirche in die Anarchie.

Erstens: In einer solchen Situation muss der Einzelne zusehen, dass er seinen Glauben sturmfest macht: Durch das Gebet, durch die Sakramente, durch die Vertiefung der katholischen Wahrheiten.

Durch das andächtige Beten des Glaubensbekenntnisses!

Zweitens: Er muss sich auch entschlossen und kraftvoll zur katholischen Kirche bekennen und fest halten an seinem Glauben von der Unzerstörbarkeit der Kirche, die Christus ihr verheißen hat (vgl. Mt 16,18 ff).

Donnerstag, 21. März 2019

Die Amazonas-Synode auf dem Weg zum ökologischen Sozialismus

Foto: Pixabay
Dass die Amazonas-Synode ein progressistisches Festival werden würde, ahnte man bereits. Stichwort „Abschaffung des Zölibats aus pseudo-pastoralen Gründen“. Doch es fehlte noch an konkreten Hinweisen, um dies zu dokumentieren. Diese werden nun allmählich geliefert.

Die Jesuiten-Universität Georgetown in Washington, bekannt für ihre extravaganten theologischen Experimente, veranstaltet eine Konferenz zur Vorbereitung der Amazonas-Synode. 

Die „Katholische Nachrichtenagentur (KNA) berichtet dazu: „Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sprach sich für klare Ziele aus. >Der umfassende Schutz der ausgegrenzten Armen und der geschundenen Schöpfung haben absolute Priorität<, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Heinz.“

Konkret bedeutet das: Angeblich pastorale Ziele werden verpackt in einem Programm zum Schutz einer „ausgegrenzten sozialen Schicht“ und zum Schutz einer angeblich „geschundenen Schöpfung“.

Dem europäischen Leser mag diese Verknüpfung fremd vorkommen. In reformkatholischen Kreisen Lateinamerikas ist diese Verbindung aber durchaus üblich. Hier geht es um eine Fortentwicklung der klassischen Befreiungstheologie (Übernahme der Methode des Klassenkampfes für kommunistische Ziele unter dem Deckmantel der katholischen Religion) hin zu einer Verschmelzung mit dem neuheidnischen und sozialistischen Ökologismus. 

Insbesondere in Lateinamerika gingen diese beiden sozialistischen Strömungen in den letzten 30 Jahren (zumal nach der Verurteilung der Befreiungstheologie im Jahr 1984 durch Kardinal Ratzinger) eine Allianz ein: Nicht nur das sog. Proletariat demnach in der Marktwirtschaft ausgebeutet, sondern auch die Umwelt. Die Befreiungstheologie versteckte sich nach der Verurteilung durch die Glaubenskongregation im Gewand des Umweltschutzes. Sein altes Ziel behielt sie aber stets im Auge, also die Errichtung einer katholisch getarnten sozialistischen Gesellschaft. 

Eine Überwindung dieser „Ausbeutung“ gelingt nach dem Verständnis der Progressisten durch die Aufhebung des Privateigentums und die Einführung eines marxistischen Systems. Eine solche Gesellschaft wird die Menschen zu ihrem primitiven "Urzustand" führen, in der sie zwar bar jeglicher Zivilisation, aber im Einklang mit der Natur leben. Im Grunde eine Art Naturreligion mit katholischem Anstrich.

Dass hier marxistische politische Ziele unter „katholischem“ Gewand angestrebt werden, ist offensichtlich.

Die marxistische Revolution kann aber noch viel universeller ausgerufen werden. Wieso soll sie nur für die Amazonas-Anrainer gelten? KNA schreibt nämlich: >"Die Rechte der indigenen Völker werden regelmäßig mit Füßen getreten, wenn am Amazonas für unsere Autos Erdöl gefördert, für unsere Kraftwerke Kohle abgebaut, oder für unseren Fleischhunger Rinder gemästet werden", ergänzte Thomas Wieland, der für Adveniat an der Konferenz in Washington teilnimmt.<

Hier werden klassisch sozialistisch-populistische Assoziationen hergestellt, nämlich das Bild des Südens, welches vom reichen Norden ausgebeutet wird. Ein klassisches sozialistisches Klischee der 1960er und 1970er Jahre.

Die Wahrheit ist eine ganz andere: Dank marktwirtschaftlicher Reformen (die man von Ländern des „Nordens" kopiert hat) und Investitionen des „verhassten Nordens“ haben die lateinamerikanischen Staaten die wirtschaftliche und technologische Anpassung an die Industrieländer gefunden. Dies geschah durch den wirtschaftlichen Anschluss an kapitalistische Länder wie den Vereinigten Staaten, Deutschland und Japan. 

Solange die Länder Lateinamerikas sich in der Peripherie von kommunistischen Diktaturen wie die Sowjetunion oder Kuba aufhielten, waren sie unterentwickelt und erreichten minimale Wachstumsraten. Das gilt vor allem für die Anrainer-Staaten des Amazonas. 

Erst durch marktwirtschaftliche Reformen in den 1980er und 1990er Jahren konnten massenhaft arme Menschen in den Mittelstand aufsteigen. Dies erwähnen die Progressisten in Europa niemals, denn sie wollen das Bild eines unterentwickelten und armen Lateinamerikas pflegen. 

In Berkeley wird auch Kardinal Reinhard Marx sprechen. KNA schreibt über ihn: „Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die politische Bedeutung der Amazonas-Synode im Herbst unterstrichen.“

Damit ist sozusagen die „Katze aus dem Sack“. Es geht vor allem um Politik und zwar um sozialistische Politik. Es geht nicht um die Bekehrung der Völker zur katholischen Kirche oder um die Verbreitung des katholischen Glaubens im Amazonas-Gebiet. 

Nein, in der Amazonas-Synode geht um die Schaffung eines neuen sozialistischen, ökologistischen und antieuropäischen Paradigmas: Eine primitive Kirche in der Wildnis als Modell für die Universalkirche. Und eine Abkehr des benediktnitischen Ideals von Kirche, der die Förderung des katholischen Glaubens stets mit der Förderung des zivilisatorischen Fortschritts der Menschheit verknüpfte.

Freitag, 15. März 2019

Nach der Vollversammlung der DBK: Deutscher Katholizismus am Abgrund?

Nach der Vollversammlung der DBK: Wird die Kirche endgültig ruiniert?
Die Stellungnahmen und Beschlüsse, die die deutsche Bischofskonferenz anlässlich ihrer Frühjahrs-Vollversammlung gefasst hat, sind höchst besorgniserregend. Denn sie sind imstande, die schwerwiegendsten Entwicklungen der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten zu beschleunigen und zu verstärken und damit zum endgültigen Bruch mit der Weltkirche führen.

In der Frühjahrs-Vollversammlung hat sich nämlich der deutsche Wille zu einem Sonderweg vollumfänglich durchgesetzt.

Dies soll an den folgenden Punkten verdeutlicht werden:

Von der Auflösung der Sexualmoral zur Auflösung des gesamten Lehramtes

Am einfachsten lässt sich dies an den Personalien erkennen. Wie in diesem Blog schon erklärt, ist insbesondere die Wahl von Bischof Franz Josef Bode (Osnabrück) als Verantwortlicher für das Forum „Sexualmoral“ die denkbar schlechteste Entscheidung. 

Diese Tatsache konnte den in Lingen versammelten Bischöfen nicht entgangen sein. Sie wählten also bewusst den Bischof, der am rabiatesten seit Jahre gegen die katholische Sexualmoral agitiert. Die Botschaft aus Lingen ist: Das ist jetzt so und Basta! So wollen wir es!

Wichtigster Ansprechpartner Bodes soll zudem das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)“ sein. Bode und das ZdK haben noch nie verheimlicht, was sie anstreben: Die Einführung der Maximen der 1968er-Revolution in die katholische Kirche. Also Akzeptanz Wilder Ehen, moraltheologische Unbedenklichkeit von praktizierter Homosexualität etc. (Weiteres zum ZdK HIER)

Das Ziel des Reformkatholizismus ist also eine Auflösung der Sexualmoral und eine Abkehr des Naturrechts als moraltheologischer Grundlage hin zu einer liberalen und zeitgeistorientierten Situationsethik.

Besonders deutlich wird dies an den Forderungen, die die Ehe betreffen.

Auf dem „synodale Weg“ zu einer egalitären Kirche „voranschreiten“

Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat den Rechts- und Zeitrahmen des „Synodalen Wegs“, in welchem die Gespräche über Sexualmoral, priesterliche Lebensform und innerkirchliche Machtstrukturen stattfinden werden, nicht festgelegt.

Für das „synodale Voranschreiten“ hat er aber als einzigen Ansprechpartner das ZdK genannt. Sicherlich werden sich an diesem „synodalen Dialog“ andere kirchliche Gruppierungen beteiligen, die von einem ähnlichen Geist durchweht werden wie das ZdK.

Das Ziel scheint festzustehen: Aufweichung der kirchlichen Hierarchie, Etablierung einer laiendominierten Kirche, die von pseudo-demokratischen Strukturen geleitet wird.

Jüngst stellte das ZdK folgenden Reformvorschlag vor: „Klerikale Machtstrukturen sollen aufgebrochen werden. Zum einen durch Einbindung von gewählten Laienvertretern auf allen Entscheidungsebenen, zum anderen durch die stärkere Einbeziehung von Frauen „auf allen Ebenen“.“

Fazit

In seiner Stellungnahme erklärte Kardinal Marx: „Die Kirche in Deutschland erlebt eine Zäsur. Der Glaube kann nur wachsen und tiefer werden, wenn wir frei werden von Blockierungen des Denkens, der freien und offenen Debatte und der Fähigkeit, neue Positionen zu beziehen und neue Wege zu gehen.“

In diesem Satz sind die obigen Punkte subsumiert: Gründung einer Kirche ohne verbindliches Lehramt und ohne klar festgelegte Hierarchie.

Das eine folgt dem anderen: Die Kirche fordert von ihren Gläubigen, dass sie an der Wahrheit und am Lehramt festhalten. Hüterin des Lehramtes ist die Kirche mit ihrer Hierarchie. Wird das Lehramt zu einer Art Ratgeber für bessere Lebensführung degradiert, braucht es auch keine Hierarchie mehr, die auf die Reinheit der Lehre achtet.

Es geht aber nicht nur um die Vermittlung der Wahrheit, sondern um die übernatürliche Natur der Kirche an sich. Eng mit der Hierarchischen Verfassung der Kirche ist auch ihre objektive (im Gegensatz zur subjektiven) Heiligkeit verbunden. Diese entspringt unmittelbar der Tatsache, dass Priester geweihte Personen sind, die „in Persona Christi“ (an der Stelle Christi) handeln: In der Eucharistie vollzieht Christus selbst die Wandlung; die Absolution in der Beichte erfolgt durch Christus selbst etc.

Die höhere Rangstellung von Priestern in der Kirche entspringt der Tatsache, dass sie am Priestertum Christi aufgrund des Sakraments der Weihe in besonderer Weise teilnehmen. Dies unterscheidet sie von Laien oder von Personen mit niedrigeren Weihegraden. Deshalb sind Priester auch sakrale Personen (ohne dass sie aufhören, Sünder zu sein). 

Die angestrebte Egalisierung will im Grunde das Sakrale in der Kirche verdecken und die Kirche zu einem säkularen Verein reduzieren. 

Bischof Bode als Verantwortlicher für Sexualmoral ist eine Rebellion gegen das Lehramt

Bischof Bode. Foto Bistum Osnabrück
Die Deutsche Bischofskonferenz hat bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen ausgerechnet Bischof Franz-Josef Bode als Verantwortlichen für Fragen der Sexualmoral im Rahmen des angekündigten "Synodalen Wegs"  ernannt [Zum "Synodalen Weg" wird in einem späteren Kommentar eingegangen]

Das Thema  Sexualität und Sexualmoral soll er zudem im Dialog mit dem "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" (ZdK) behandeln. Das ZdK agitiert seit eh und je gegen die katholische Sexualmoral und fordert unter anderem das Ende des Zölibats, die Akzeptanz von Wilden Ehen, Homosexualität und überhaupt eine umfassende Änderung der Sexualmoral. 

Aus dem Munde von Kardinal Marx kommend, ist der Begriff Synodalität genauso schwammig wie umstritten. Doch einen "Synodalen Weg" in Sachen Sexualmoral unter der Führung von Bischof Bode und des ZdKs auszurufen , ist ein Affront. Was wie ein schlechter Witz klingt, ist in Wahrheit ein Affront gegen alle Katholiken, die ihren Glauben und das katholische Lehramt noch ernst nehmen.

Bischof Bode agitiert nämlich seit Jahren gegen die katholische Sexualmoral. In seinen vielen Stellungnahmen zu diesem Thema, hat er ausführlich dokumentiert, dass er von der katholischen Sexualmoral nichts hält. 

Keiner im deutschen Episkopat fördert die Einführung der sexuellen Revolution á la 1968, wie das Bischof Bode tut.

Um das zu erreichen, nimmt er sogar eine Kirchenspaltung in Kauf, wie er im Jahr 2015 erklärte: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/2018/01/segnung-von-homo-paaren-bischof-bode.html

Hartnäckig setzt sich Bischof Bode für Homo-Segnungen ein und damit für eine Akzeptanz von Homosexualität: https://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/2019/01/bischof-bode-fordert-erneut-homo.html

Die Tatsache, dass Homosexualität der katholischen Sexualmoral diametral widerspricht, interessiert ihn nicht. Bischof Bode orientiert sich nach seiner eigenen liberalen Auffassung von Sexualität. Für ihn sind die 1968er, nicht das Lehramt der Maßstab.

Mit der Ernennung von Bischof Bode zum Verantwortlichen der Kommission für Sexualmoral zeigt die Bischofskonferenz, dass es ihr nicht um eine Genesung der heftig ramponierten katholischen Kirche geht, sondern um die stille Gründung einer neuen Kirche mit einer neuen Sexualmoral im Sinne der Maximen der 1968er-Revolution.


Weitere Kommentare zu dieser wichtigen Frühjahrs-Vollversammlung folgen

Samstag, 9. März 2019

Hessischer Rundfunk verbreitet Fake-News über § 218 StGB

Am 8. März 2019 strahlte der Hessischer Rundfunk eine Sendung zum Thema Abtreibung und Schwangerenberatung. 

Im Erklärungstext unter dem Foto (siehe Bild oben) wird der Anlass für die Sendung folgendermaßen beschrieben: 

„Das Recht der Frau auf legalen Schwangerschaftsabbruch musste hart erkämpft werden und jetzt wieder hart verteidigt. Erzkonservative Christen haben eine deutschlandweite Kampagne gestartet.“

Diese Erläuterung ist schlicht und ergreifend falsch. 

Zur Behauptung "Das Recht der Frau auf legalen Schwangerschaftsabbruch“: Es gibt kein „Recht auf Abtreibung in Deutschland. Laut § 218 StGB (ca. 98 Prozent der Abtreibungen fallen unter diesem Paragraphen) sind Abtreibungen in Deutschland sogar „rechtswidrige Handlungen“. Diese Abtreibungen sind allerdings unter bestimmten Bedingungen straffrei. Dazu gehört insbesondere der Besitz eines sog. Beratungsscheins und die Schwangerschaft darf nicht älter als 12 Wochen sein.

Durch diese wahrheitswidrige Behauptung in der Sendung des HRs wird die Kampagne der Christen, um der es in der Sendung auch geht, völlig falsch eingeordnet. Die Christen – konkret geht es um eine Gebetsaktion der Organisation „40 Tage für das Leben“ -  verteidigen nämlich das Status quo, also die Tatsache, dass Abtreibungen rechtswidrige Handlungen sind. Es sind also nicht die protestierenden Christen, die unter Rechtfertigungsdruck stehen, sondern Institutionen, die sich eine (noch) liberalere Abtreibungspraxis als die geltende wünschen.

Die Organisation Pro Familia, die in der Sendung mehrmals genannt wird, tritt seit eh und je für eine Entkriminalisierung von Abtreibungen ein. Dieses Ansinnen wurde aber schon zweimal vom Bundesverfassungsgesetz abgelehnt, zuletzt im Jahr 1993. 

Laut deutschen Verfassungsrechts beginnt das menschliche Leben mit der Empfängnis und ist ab diesem Moment auch rechtlich geschützt.

Die genannten Christen setzen sich also für ein Recht ein, welches klar und deutlich vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde.

Sie müssten in der Sendung des Hessischen Rundfunks eigentlich gewürdigt werden. Sie verteidigen nämlich den Rechtsstaat.

Samstag, 2. März 2019

Unfassbar: Angela Merkel unterstützt Schulschwänzen für das Klima!


Man hält es nicht für möglich: Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt in ihren neuesten Podcast die Schäler, die die Schule schwänzen, um gegen den Klimawandel zu protestieren.

Mit dieser Aussage bzw. dieser Anbiederung an die protestierenden Schüler werden in Deutschland neue Qualitäten an Populismus beschritten. Bestehende Gesetze sind Politikern offenbar egal, lediglich die ideologische Richtung muss stimmen.

Damit öffnet die Bundeskanzlerin auch Tür und Tor allen Schülern, die aus irgendeinem Grund die Schule schwänzen wollen. Etwa, um gegen Gender, gegen Sexualkunde oder gegen Aufrüstung zu protestieren.

Den Podcast der Bundeskanzlerin können Sie hier hören: https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/mediathek/die-kanzlerin-direkt/merkel-klimaschutz-in-europa-gemeinsam-anpacken-1586124

Auf die konkrete Frage "Wie stehen Sie zu Initiativen wie „Fridays for Future“, die sich für den Klimaschutz engagieren?" antwortet Merkel:

Wir können unsere Klimaschutzziele nur dann erreichen, wenn wir auch Rückhalt in der Gesellschaft haben. Deshalb begrüße ich es sehr, dass junge Menschen, Schülerinnen und Schüler demonstrieren und uns sozusagen mahnen, schnell etwas für den Klimaschutz zu tun. Ich glaube, dass das eine sehr gute Initiative ist. Ich weiß, dass die Schülerinnen und Schüler sich manches schneller wünschen, zum Beispiel den Ausstieg aus der Kohle. Da muss ich allerdings als Regierungschefin auch darauf hinweisen, dass wir natürlich vieles bedenken müssen: Wir müssen Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf der einen Seite mit den Zielen des Klimaschutzes versöhnen. Deshalb haben wir eine Kommission eingesetzt, die aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammengesetzt war – aus Vertretern der Wirtschaft genauso wie aus Umweltverbänden und aus Vertretern der betroffenen Regionen der Kohleabbaugebiete. Dort ist es zu einer gemeinsamen Haltung gekommen. Man hat sich entschieden, bis 2038 planbar und berechenbar den Kohleausstieg zu bewältigen in Deutschland. Das scheint aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler vielleicht sehr lange, aber es wird uns sehr fordern und dafür werbe ich, auch dies zu verstehen. Aber ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen.






Freitag, 1. März 2019

Der Klima-Irrsinn ist dabei, den Gender-Irrsinn zu überbieten

Die heilige Greta von Thunberg hat es tatsächlich am 1. März 2019 auf die erste Seite der FAZ geschafft. Liegt das an Karneval?

Erste Seite der FAZ am 1. März 2019

BundesJUSTIZministerin Barley unterstützt Schulschwänzen!

Deutschlandfunk fördert Medien-Hype um Greta Thunberg

Dienstag, 26. Februar 2019

Verbot von Konversionstherapien wäre Angriff auf Gewissensfreiheit

Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde/Lichtblick
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte ein Gesetz zum Verbot von Konversionstherapien für Personen mit homosexueller Orientierung an, die heterosexuell empfinden möchten. Sein Ansinnen begründete er sogar religiös in einem Interview mit der linken „taz“ am 15. Februar 2019: „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins. Ich sage immer, der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Spahn will Konversionstherapien möglichst auch für Erwachsene verbieten. Diese Therapien seien wie „Körperverletzung“ einzustufen. Somit will er wohl den drastischen Einschnitt in die individuelle Freiheit rechtfertigen. Schließlich sollte jedem freigestellt sein, ob er sich auf diese Weise therapieren lässt oder nicht.

In der öffentlichen Diskussion werden normalerweise Therapien genannt, die von evangelikalen Gruppen angeboten werden und die angeblich keine medizinischen Standards einhalten sollen. Es ginge mehr oder weniger um Scharlatanerie.

Jens Spahn gibt allerdings nicht zu erkennen, dass es nur um Pseudo-Therapien geht, sondern um jegliche Handlung, die zu einer freiwilligen "Umorientierung" führen könnten. Dazu könnten womöglich auch schlichte Gespräche mit einem Psychologen oder mit einem Seelsorger, etwa im Beichtstuhl, gehören.

Möglicherweise lässt Spahn das bewusst offen, um ein Drohszenario aufzubauen: Selbst eine Predigt, die zur Bekehrung von homosexuellen Personen aufruft und in der theologische und moralische Argumente angeführt werden, könnte als eine Form der Therapie angesehen werden. Jedenfalls würde in einer solchen Predigt davon ausgegangen werden, dass sich Personen, die homosexuelle Praktiken ausüben, bekehren sollten und auf solche Handlungen verzichten.

Jemand könnte nach einer solchen Predigt oder nach einem solchen Beichtgespräch behaupten, er hätte ein schlechtes Gewissen bekommen, hätte sich unter Druck gesetzt gefühlt und hätte deshalb versucht, seine Homosexualität zu überwinden. Dies stürzte ihn in große seelische Not, weshalb er eine Entschädigung und die Bestrafung des Priesters fordert.

Von Spahn sind Bußgelder von bis zu 5.000 Euro angedacht.

Je nachdem, wie Spahns Vorstellungen am Ende in Gesetzesform gegossen werden, wird die Religions- und Gewissensfreiheit eingegrenzt werden.

Im Extremfall könnte jeder Aufruf in Wort oder Schrift zur Bekehrung bzw. Konversion als eine Hass-Botschaft aufgefasst werden, die entsprechend bestraft werden muss.

„Konversion“ (oder verdeutscht „Bekehrung“) ist ein Schlüsselbegriff der christlichen Moraltheologie und Askese.

Zu Aschermittwoch, also zu Beginn der Fastenzeit, wird den Katholiken das Aschenkreuz aufgelegt. Dabei hören sie vom Priester „„Bekehre dich und glaube an das Evangelium“.

Die gesamte Fastenzeit sollte genutzt werden, um sich zu bekehren, um sich von Fehlern, falschen Anhänglichkeiten und vor allem von der lässlichen und schweren Sünde zu befreien.

Die Fastenzeit ist sowas wie die Bekehrungs-Zeit im Jahr. Doch zur Bekehrung sind alle Menschen immer aufgerufen. Alle Menschen sollten stets bemüht sich, sich mit Hilfe Gottes zu bekehren und bessere Menschen zu werden.

Der Grund dafür ist sehr einfach: Alle Menschen sind Sünder. Alle Menschen sündigen, selbst Gerechte sündigen „sieben Mal am Tag“, wie es in der Hl. Schrift heißt. Wobei „sieben“ in diesem Fall einfach „viel“ bedeutet. Niemand ist von den Folgen der Erbsünde ausgenommen. Dementsprechend sollten alle Menschen versuchen, sich zu bekehren.

Das ist der einzige Weg zu Gott: Wer sich nicht bekehrt, gelangt nicht zum Heil.

Wie in diesem Blog schon mehrmals erläutert wurde, ist Geschlechtlichkeit nur im Rahmen einer gültig geschlossenen Ehe ethisch einwandfrei. Zudem müssen diese Akte der Fortpflanzung offenstehen. Alles andere ist Sünde.

Die praktizierte Homosexualität soll im Grunde eine Art Privileg erhalten: Sie soll stets als moralisch einwandfrei erklärt werden. Nicht einmal eine geschlossene Ehe wäre als Voraussetzung erforderlich. Eigentlich würden dadurch die heterosexuellen Paare moraltheologisch „diskriminiert“ werden, denn sie müssen sehr wohl heiraten.

Spätestens hier sieht man, dass die ethische Sonderbehandlung der Homosexualität lächerlich ist.

Die katholischen Bischöfe müssten scharf gegen das Verbot von Konversionstherapien protestieren.

Möglicherweise müssten aber auch manche Missverständnisse, die in der Öffentlichkeit herrschen, ausgeräumt werden. Eine Konversion (bzw. eine Bekehrung) ist immer eine völlig freiwillige Entscheidung. Der freie Wille ist also die entscheidende Instanz. Diese Entscheidung muss im Heilsplan Gottes für den Einzelnen eingebettet werden (Gott will die Bekehrung aller Sünder) und es muss auch betont werden, dass Gott eine zentrale Rolle in der Bekehrung jeden Menschen spielt, denn Gott schenkt die Gnade, die für einen solchen lebensverändernden Schritt notwendig ist. Eine Bekehrung ist im Grunde das Ergebnis des Zusammenspiels von menschlichem Willen und göttlicher Gnade.

Deshalb ist eine Bekehrung immer auch ein übernatürlicher Vorgang, der sich in der Seele des Menschen abspielt.

Montag, 25. Februar 2019

Nach Krisengipfel: Forderungen des Progressismus nach konfrontativen deutschen Sonderweg werden lauter

Mit großer Verbitterung reagierte der FAZ-Redakteur für katholische Themen, Daniel Deckers, in seinem Kommentar auf der ersten Seite in der Ausgabe vom 25. Februar 2019 auf den Ausgang des Krisengipfels zum sexuellen Missbrauch.

Die Kirche würde nach wie vor „ihre Mitglieder, wenn nicht ganze Gesellschaften, in Geiselhaft von mitunter archaischen Vorstellungen von Sexualität (Stichwort Empfängnisverhütung), und Geschlechterverhältnissen (Stichwort Ausschluss von Frauen von Weiheämtern)“ halten.

In diesem Tenor meldete sich die überwiegende Zahl deutscher Medien zu Wort.

Es war von Anfang an klar, dass der Progressismus den Missbrauchsskandal für seine eigene Agenda missbrauchen würde. Erstaunlich, dass Daniel Deckers in seinem Kommentar nicht auch die sexualmoralische Akzeptanz von Homosexualität, das neue Lieblingsthema des Progressismus, fordert.

Von den deutschen Bischöfen, die sich bald zu ihrer Frühjahrsvollversammlung treffen, fordert Deckers, dass sie eigene Wege gehen:

„Die deutschen (Bischöfe) etwa haben schon anlässlich ihrer Frühjahresvollversammlung in gut zwei Wochen Gelegenheiten, ihren Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen. Das werden nicht alle wollen. Dann sollten aber diejenigen unter ihnen, die wollen, sich nicht länger aufhalten lassen. Das Sollen setzt nicht nur das Können voraus. Wer kann, der muss.

Nachdem das gegenwärtige Pontifikat die Erwartungen des deutschen Progressismus in mancher Weise enttäuscht hat, ist deutlich zu erkennen, dass die Bereitschaft zu einem Sonderweg und damit zu einer Abspaltung von der Weltkirche gewachsen sind.

Noch nach der Familiensynode im Herbst 2015 mit einem weichen Sonderweg in Form von lokal gültigen Lehraussagen, beispielsweise was die Sexualmoral angeht. So wäre beispielsweise in Afrika eine andere Sexualmoral gültig als in Westeuropa. Eine solche lokal begründete Situationsethik hat im deutschen Reformkatholizismus viele Anhänger, obwohl sie offensichtlich nicht katholisch sein kann (Katholisch bedeutet „für alle“ oder „allumfassend“, also alle ordnen sich demselben Glauben, demselben Lehramt und derselben Hierarchie unter).

Doch mit Voranschreiten des Pontifikats scheint der Geduldsfaden zu reißen und die Forderungen nach einem harten Sonderweg werden lauter. Dieser würde aus einer offenen Konfrontation mit dem katholischen Lehramt bestehen und könnte damit zu einer Abspaltung etlicher katholischer Bischöfe von der Weltkirche führen.

Die wichtigsten Hindernisse für diesen endgültigen Schritt sind: Der Anteil der aktiven Katholiken mit Migrationshintergrund steigt systematisch. Polen, Kroaten (und auch viele Deutsche) etc. werden einen solchen Bruch nicht akzeptieren. Die Abspaltung würde sich innerhalb der Diözesen ergeben. Und: Eine Abspaltung würde auch die Kirchensteuereinnahmen gefährden.