Dienstag, 9. Oktober 2018

Die Sexualmoral ist eine Vorgabe und keine Option/Der Fall Wucherpfennig

Die kirchliche Sexualmoral ist verbindlich für alle Katholiken
Die kirchliche Sexualmoral ist recht einfach zu verstehen: Der Eheakt ist für Katholiken lediglich in einer gültig geschlossenen Ehe (zwischen Mann und Frau) ethisch einwandfrei. Dieser Akt soll generell neuem Leben geöffnet sein. Sämtliche Akte, Gedanken, Vorstellungen (mit voller Zustimmung, also mit bewusster Absicht) außerhalb dieses Kontexts, sind sündhaft.

Die Sexualmoral ist eine Vorgabe und keine Option; sie ist verbindlich und nicht nur ein Ratschlag oder Konzept zur Lebensgestaltung. Ein Katholik ist also verpflichtet, diese Sexualmoral zu akzeptieren, auch wenn er nicht danach lebt. Ist jemand der Auffassung, die gelehrte Sexualmoral sei falsch, ist er eigentlich nicht mehr katholisch.

Die Kirche hat allerdings nie gesagt, dass es einfach wäre, nach dieser Vorgabe zu leben. Im Gegenteil: Nach der katholischen Sexualmoral zu leben erfordert die Bereitschaft, gegen seine eigenen Neigungen zu kämpfen.

Das gilt übrigens für alle. Selbst Eheleute dürfen sich nicht alles erlauben, z.B. keinen Ehebruch.

Der Reformkatholizismus poltert bekanntlich seit Langem gegen die katholische Sexualmoral. Gegenwärtig regen sie sich auf, weil der Vatikan Prof. Ansgar Wucherpfenning als Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Oberrad bei Frankfurt abgelehnt hat.

Die Begründung: Wucherpfenning erklärte Homosexualität als Bestandteil der Identität einer homosexuellen Person; sie müsse moraltheologisch anders gesehen werden, wie das in den letzten 2000 Jahren geschehen ist. Darüber hinaus hat Professor Wucherpfenning, der Jesuitenpater ist, Segenshandlungen mit homosexuellen Paaren durchgeführt.

Die vatikanische Bildungskongregation lehnt deshalb Wucherpfennig als Rektor ab.

Die Reformkatholiken zeigen sich erwartungsgemäß erschüttert und kündigen Widerstand an. Ihre Argumentation wird in einer akademischen Sprache vorgebracht. Die Entscheidung aus Rom sei außerdem ein Angriff gegen die wissenschaftliche Theologie etc.

Im Grunde betreibt der Reformkatholizismus Augenwischerei:

Homosexuelle Handlungen finden weder innerhalb einer sakramentalen Ehe statt noch sind sie offen für neues Leben. Sie widersprechen der Schöpfungsordnung Gottes. Das ist offensichtlich.

Wären homosexuelle Handlungen ethisch einwandfrei, so wären es alle Handlungen außerhalb der Ehe, also auch sog. „Wilde Ehen“ etc.

Wenn die Reformkatholiken das tatsächlich so vertreten, dann sollten sie an die Öffentlichkeit gehen und erklären:

Die katholische Kirche hat bezüglich der menschlichen Sexualität in den letzten 2000 Jahren eine falsche Lehre verbreitet.

Wenn das aber tatsächlich so gewesen sein soll, dann wäre die katholische Kirche schlicht und ergreifend eine falsche Kirche. Sie wäre nämlich nicht im Besitz der Wahrheit.

Konsequenterweise müssten die Reformkatholiken (die die Sexuallehre ablehnen) eine neue Kirche gründen, wie das etwa im 16. Jahrhundert Luther, Calvin etc. getan haben.

Sie haben aber nicht den Mut dazu. Anstatt Tacheles zu reden, tun sie so, als ob die Sexualmoral so was wie eine Theorie sei, über die man diskutieren könne. Ist sie aber nicht. Die Sexualmoral ist die Erläuterung des 6. Gebotes, hat normativen und verpflichtenden Charakter. Man kann sie nicht ändern. Würde man das tun, so wäre die katholische Kirche nicht mehr die wahre Kirche.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Mahnwachen vor Pro Familia in Frankfurt: Ordnungsamt lehnt Bannmeile ab

Der Frankfurter Ordnungsdezernent, Markus Frank (CDU), lehnt aus rechtlichen Gründen die Errichtung einer Bannmeile von 150 Metern um die Beratungsstelle von Pro Familia ab.

Seit dem 26. September 2018 organisiert die international tätige Organisation „40 Days for Life“ (in Zusammenarbeit mit dem Verein „Helfer für Gottes kostbare Kinder“) eine Gebetsaktion vor der Beratungsstelle von Pro Familia im Frankfurter Westend. Die Aktion strebt einen Gesinnungswandel hinsichtlich der Wertschätzung des Lebens ungeborener Kinder und ein Ende der Abtreibung an.

Dagegen hat sich ein feministisches Bündnis gebildet, das eine Bannmeile von 150 Metern Abstand zur Beratungsstelle fordert. Das Ansinnen wurde im Stadtparlament von SPD, Grünen, LINKE und einigen Splitterparteien unterstützt.

So fand sich am vergangenen Freitag (28. September) eine Mehrheit, die die Schaffung einer solchen Bannmeile fordert. CDU, AfD und „Bürger für Frankfurt“ votierten gegen die Bannmeile.

Es war den Stadtverordneten allerdings von vornherein klar, dass die rechtlichen Bedingungen kaum vorhanden sind. Etliche Urteile höchster Gerichte verbieten ausdrücklich die Bildung von Bannmeilen in solchen Situationen. (Siehe: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/2018/09/trotz-klarer-rechtslage-frankfurter.html)

Dieser Argumentation schloss sich der Frankfurter Ordnungsdezernent, Markus Frank (CDU), an: Es gibt in diesem Fall keine Handhabe, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit einzuschränken.

Inzwischen liegt sogar ein nagelneuer Beschluss des Verwaltungsgerichts Karlsruhe vor, das über einen identischen Fall in Pforzheim geurteilt hat. Die Richter erklärten: „Die Versammlung hat vielmehr das Recht unter den geltenden Auflagen vor der Beratungsstelle abgehalten zu werden.“  Aufgrund der Aussichtslosigkeit zog die dortige Niederlassung von Pro Familia ihren Antrag zur Schaffung einer Bannmeile zurück.

Ein älteres Urteil aus Freiburg i. Br., in welchem eine Bannmeile beschlossen wurde, findet im Falle Frankfurts keine Anwendung: Die Beter von „40 Tage für das Leben“ haben laut Frank erklärt, auf ein Ansprechen der Besucher der Beratungsstelle und auf das Austeilen von Informationsmaterial zu verzichten. Sie wollen lediglich beten. Zudem hat sich „40 Tage für das Leben“ freiwillig bereit erklärt, in einem Abstand von 40 Metern zum Eingang der Beratungsstelle zu stehen.

Die Frankfurter Polizei bestätigte, dass die Beter von „40 Tage für das Leben“ die Besucher der Beratungsstelle nicht ansprechen.

Die Entscheidung des Ordnungsdezernenten wurde scharf von der FDP kritisiert. Die FDP hatte im Stadtverordnetenhaus den Antrag gestellt, eine Bannmeile zu errichten. Uwe Schulz, rechtspolitischer Sprecher der FDP, nannte die Entscheidung Franks ein Zeugnis einer „beispiellosen politischen Ignoranz“.

Die FDP steht allerdings für ihr Vorgehen gegen die Gebetsaktion in der Kritik. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt in der heutigen Ausgabe: „Handeln nach dem Motto, gesellschaftspolitischen Zielen dürften kleinliche rechtsstaatliche Bedenken nicht im Wege stehen, denn >Not kennt kein Gebot<, hat schon genug Unheil angerichtet. Gerade Liberale sollten das wissen, bei anderen kritisieren sie es auch.“

Auch die „Bürger für Frankfurt“ kritisierten die FDP scharf: „Aus Sicht der Bürger Für Frankfurt BFF im Römer ist es  mehr als erstaunlich, dass ausgerechnet die FDP-Fraktion im Römer, deren Partei in ihrem Bundesprogramm Respekt vor den Grundrechten, dem Rechtsstaat und seinen Gesetzen einfordert, mit ihrer Initiative einen offenkundig rechtswidrigen Beschluss des Stadtparlaments erwirkt.“

Nun könnte Frankfurts Oberbürgermeister, Peter Feldmann (SPD), seine „Richtlinienkompetenz“ anwenden und die Errichtung einer Bannmeile anbefehlen. Bislang hat er sich zum Fall nicht geäußert. Ob er sich aber angesichts der eindeutigen Rechtslage dazu bewegen lässt, ist zweifelhaft.

Die Abtreibungsaktivisten haben jedenfalls schon angekündigt, bis zum Ende der Mahnwachen am 4. November an den Werktagen in der Mittagszeit Gegendemonstrationen durchführen zu wollen.

Montag, 1. Oktober 2018

Missbrauchsskandal: Sünde ist primär Folge geistiger Dekadenz, nicht irgendwelcher Strukturen

Der Hl. Pfarrer von Ars stand um
1:00 Uhr zum Beten auf
Vergangene Woche hat die Bischofskonferenz die Studie über sexuelle Missbräuche durch Kleriker in den deutschen Bistümern vorgestellt. Die Stellungnahmen der Bischöfe, vor allem von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, waren recht unkonkret und teilweise sogar irritierend. Der sexuelle Missbrauch wurde nämlich vorwiegend als Folge „falscher“ klerikaler Strukturen dargestellt. Darüber hinaus soll über die katholische Sexualmoral und die Haltung der Kirche gegenüber Homosexualität nachgedacht werden.

Es ist zu befürchten, dass sich die deutschen Bischöfe völlig auf dem Holzweg befinden hinsichtlich der Überwindung dieser Krise.

Der sexuelle Missbrauch ist nämlich zunächst eine Sünde und diese ist in erster Linie Folge eines ungenügenden geistigen Lebens. Bestimmte „Strukturen“ können möglicherweise dazu beitragen, gewisse Sünden zu vertuschen, wie das tatsächlich passiert ist. Doch es die Entscheidung des Einzelnen, dem Bösen und damit der Sünde zu folgen. Und wie sämtliche ernsthaften Autoren der asketischen Literatur ausführen, ist das Fallen in besonders schwere Sünden das Ergebnis eines langen Prozesses der geistig-charakterlichen Verwahrlosung.

Aus der Sicht der Gläubigen wäre deshalb interessant zu erfahren, wie dieser Prozess der Dekadenz konkret ausgesehen hat und wie dieser beim bestehenden Klerus überwunden werden kann.

Deshalb sollten folgende Punkte eruiert und der Ist-Zustand beim aktiven Klerus festgestellt werden:

1. Mit welcher Ernsthaftigkeit, Häufigkeit und Beständigkeit praktizierten die inkriminierten Priester die wichtigsten katholischen Devotionen, wie etwa die regelmäßige Anbetung des Allerheiligsten, Beten des Breviers, die Herz-Jesu-Verehrung, die Andacht zur Muttergottes, inklusive des Betens des Rosenkranzes der Litaneien und sonstiger marianischer Gebete? 

Klarheit über diesen Sachverhalt ist deshalb so wichtig, weil der Progressismus diese Andachtsformen nicht nur belächelt, sondern manchmal regelrecht bekämpft hat, was zu einer Schwächung des geistlichen Lebens bei Laien und bei Klerikern führte.

2. Ebenso wichtig wäre zu erfahren, wie stark in den Priesterseminaren die Notwendigkeit des Gebetes zur Vermeidung der Sünde und zur angemessenen Ausübung des Priesteramts erläutert wurde.

Wir schon oben angedeutet: Alle ernsthaften Moraltheologen sind sich einig, dass ein Leben nach Gottes Geboten ohne ein starkes Gebetsleben unmöglich ist. Noch weniger ein gutes Priesterleben. Dies wurde schon vom Konzil von Trient erkannt, weshalb den Priestern strenge Pflichten in dieser Hinsicht auferlegt wurden.

3. Der sexuelle Missbrauch ist eine besonders schwere Sünde. Doch sämtliche Sünden wider das 6. Gebot sind schwere Sünden (sofern vollkommene Zustimmung und Erkenntnis vorliegt). Hinzu kommt, dass der Priester zwar gültig, aber unwürdig handelt, falls er die Sakramente im Zustand der schweren Sünde erteilt. Insbesondere hat er die Messen, die er im Zustand der schweren Sünde zelebrierte, unwürdig gefeiert. Stirbt ein Priester mit nur einer unbereuten schweren Sünde, so folgt die ewige Verdammnis im Höllenfeuer. Man fragt sich: Werden diese Wahrheiten genügend in den Priesterseminaren vermittelt? Wird dafür gesorgt, dass nach der Weihe die Priester diese Wahrheiten immer gegenwärtig haben?

Diese Fragen sind mehr als berechtigt, denn in den letzten Jahren wurden Sünde und Göttliche Gerechtigkeit mehr oder weniger belächelt. Insbesondere hielten viele die Sünden wider das 6. Gebot für vernachlässigbar. Die Folgen dieser Laxheit sehen wir heute.

4. Die heute allgegenwärtig herrschende „sexuelle Revolution“ ist ein frontaler Angriff auf die Sexualmoral und auf die Lehre der Kirche über die Ehe. Werden die Priesteranwärter in den Seminaren genügend auf diesen Angriff (man kann auch von Versuchung sprechen) vorbereitet? Wird ihnen genügend erläutert, dass sie Bollwerke des Glaubens gegen diesen Angriff sein müssen?

Auch diese letzte Frage ist mehr als berechtigt, denn allzu oft wurden Personen, die auf die Bedrohung durch die sexuelle Revolution für die Seelen und das Seelenheil hinwiesen, belächelt oder gar verleumdet: Sie würden Ängste schüren, anstatt auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen.

Es ist zu wünschen, dass unsere Bischöfe diesen Fragen nachgehen und das Kirchenvolk darüber informieren. Insbesondere ist es wichtig zu erfahren, ob man die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, damit Priester den Versuchungen des Fleisches widerstehen können.

Freitag, 28. September 2018

Trotz klarer Rechtslage: Frankfurter Stadtparlament verbannt Lebensrechtler


Stein des Anstoßes in der Bankenstadt: Die Beter vor pro familia

Ideologie vor Recht: Ein Antrag der FDP-Fraktion im Frankfurter Stadtverordnetenhaus, eine Bannmeile von 150 Metern Entfernung zur Beratungsstelle von pro familia zu errichten, wurde mehrheitlich im Frankfurter Stadtverordnetenhaus verabschiedet.

Der Sachverhalt: Zum vierten Mal organisiert die international tätige Organisation „40 Days for Life“ (in Zusammenarbeit mit dem Verein „Helfer für Gottes kostbare Kinder“) in diesem Herbst Mahnwachen vor der Beratungsstelle von pro familia im Frankfurter Westend. Die erste Gebetsaktion fand in der Fastenzeit 2017 statt.

Seit dem Frühjahr dieses Jahres streben FDP und Grüne im Frankfurter Stadtparlament die Errichtung einer Bannmeile von 150 Metern an. Bislang hatte sich der Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) aus rechtlichen Gründen dagegen ausgesprochen. 


Nun hat eine Mehrheit von SPD, Grünen, Linken und Splitterparteien eine solche Bannmeile beschlossen. Die Fraktionen von CDU, AfD und "Bürger für Frankfurt - BFF" haben dagegen gestimmt. 

Das Ordnungsamt kann, muss aber nicht die Entscheidung des Stadtparlamentes annehmen.

Die rechtliche Lage ist nämlich klar zugunsten von „40 Tage für das Leben“ und ihrer Gebetswachen: Ein Urteil des „Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte“ (EGMR (V. Sektion), Urteil vom 26.11.2015 – 3690/10): „Die von den deutschen Gerichten erlassene Unterlassungsverfügung war ein „Eingriff“ in das durch Art. 10 EMRK garantierte Recht des Beschwerdeführers auf freie Meinungsäußerung, der gesetzlich vorgesehen war und ein berechtigtes Ziel verfolgt hat, aber in einer demokratischen Gesellschaft nicht notwendig war. Der Beschwerdeführer hat mit seiner Äußerung zu einer sehr kontroversen Debatte von öffentlichem Interesse beigetragen. Trotz des den Vertragsstaaten zustehenden Ermessensspielraums ist festzustellen, dass die deutschen Gerichte keinen gerechten Ausgleich zwischen seinem Recht auf freie Meinungsäußerung und den nach Art. 8 EMRK geschützten Persönlichkeitsrechten der Ärzte hergestellt haben.“

Vom Verwaltungsgericht München gibt es ein noch jüngeres Urteil, welches nicht eindeutiger sein könnte: „Ein Totalverbot jeglicher Gehsteigberatung schwangerer Frauen vor einer Abtreibungsklinik ist grundsätzlich rechtswidrig. Es muss Raum bleiben für ein sensibles und die besondere Situation der Frau berücksichtigendes Ansprechen der Frau auf die Abtreibungsproblematik und ein Zeigen entsprechenden Informationsmaterials verbunden mit dem Angebot einer weitergehenden Beratung und Übergabe von Informationsmaterial einschließlich des Aufzeigens von Hilfen bei einer Entscheidung für das Leben des Ungeborenen (so genanntes sensibles Beratungsmodell). (VG München ( VG München, Urt. v. 12.5.2016 – M 22 K 15.4369 ).“

Mittwoch, 19. September 2018

Missbrauchsskandal: Progressismus will Feuer mit Öl löschen

Priester müssen Sakralität, Reinheit und Innerlichkeit ausstrahlen
Die ersten Reaktionen von Bischöfen auf den Missbrauchsskandal in Deutschland lassen eine eindeutige Tendenz erkennen: Der progressistische Kurs soll fortgesetzt werden, ein Umdenken, eine Reflektion über den eigenen Kurs der letzten Jahrzehnte, ist nicht im geringsten erkennbar.

Das sind die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine wahre Umkehr. Denn eine solche setzt voraus, dass man Grundsätzliches in Frage stellt.

Doch der deutsche Progressismus will absurderweise den moralischen Verfall mit einer Fortsetzung und sogar Beschleunigung des Kurses beheben, der diesen Verfall überhaupt ermöglicht hat.

Die ersten Reaktionen lassen sich ungefähr so zusammenfassen:

1. Die kirchlichen Strukturen sollen demokratisiert werden, um Clicken und Männerbündnisse zu verhindern.
2. Die Priesterstand soll geschwächt, der Laienstand gestärkt werden.
3. Die Sexualmoral soll überdacht und gelockert werden.

Hier soll kurz erläutert werden, wieso der Progressismus dabei ist, das Feuer mit Öl löschen zu wollen. Denn genau das Gegenteil dieser vorgeschlagenen Maßnahmen braucht die Kirche.

ERSTENS: Der Klerus der katholischen Kirche bildet nicht die Leitung eines Vereins, Unternehmens oder politischen Partei, sondern ist aufgrund der Weihe ein besonderer Stand, der äußerst eng mit Christus selbst verbunden ist. Ein Priester handelt nicht nur im Auftrag Christi, sondern auch oft – bei den Sakramenten – „in persona Christi“, also an der Stelle Christi: Christus selbst spricht die Wandlungsworte in der Eucharistie, Christus selbst gibt die Lossprechung in der Beichte durch den Priester etc.

Damit verbunden ist der Auftrag des Priestertums, die Wahrheit Christi +über die Jahrhunderte aufrecht zu erhalten und zu lehren. Dazu gehört auch die Vermittlung von „schwierigen“ Wahrheiten, wie etwa Moral und hier insbesondere die Sexualmoral. Die Einhaltung des 6ten Gebotes ist schwierig und die Aufforderung, es zu halten, erfordert deshalb eine sehr hohe moralische Autorität.

Das ist die Aufgabe der „Lehrenden Kirche“, die aus den Vorstehern der Kirche besteht, also aus den Nachfolgern der Apostel, den Bischöfen.

Die Bischöfe sind mit den Gaben des Heiligen Geistes ausgestattet, um diese schwierige Funktion zu erfüllen. Wenn sie lehren, erhalten sie Gnaden, um besonders glaubwürdig zu sein. Die Laien wiederum erhalten Gnaden, um die (wahre) Lehre, die von den Bischöfen weitergegeben wird, mit offenem Herzen zu empfangen und zu praktizieren.

Eine „Demokratisierung“ dieser Tatsache im Sinne einer Aufweichung der Rangstellung der lehrenden Kirche kann nur zu einer weiteren Aufweichung der Moral in Klerus und im Laientum führen.

Übrigens: Auch kein Unternehmen, kein Verein und keine politische Partei kann auf der Grundlage der Kumpanei bestehen.

Noch weniger die Kirche, denn sie kein weltlicher Verein, sondern essentiell hierarchisch. Wenn diese Hierarchie und ihre Autorität nicht betont werden, kann nicht damit gerechnet werden, dass die moralische Krise in der Kirche und insbesondere im Klerus überwunden werden.

ZWEITENS: Daraus ergibt sich direkt, dass der Priesterstand nicht geschwächt, sondern gestärkt werden muss. Vor allem muss wieder die SAKRALITÄT des Priesterstandes deutlich sichtbar werden: Durch beispielhafte Lebensführung, durch vertieftes Gebetsleben, durch äußere Zeichen wie Priesterkleidung etc.

Die Menschen müssen instinktiv erkennen, dass sie vor einer sakralen Person stehen, die ein göttliches Amt ausübt. Dann werden die Laien auch eher gewillt sein, die Lehren, Mahnungen und Ratschläge zu befolgen.

Man braucht nur alte Fotos von Priestern oder Mönchen zu sehen, um zu verstehen, was es heißt, wenn jemand sein sakrales Amt ernst nimmt. Weil es viele gute Beispiele gab, erkannten manche Laien auch instinktiv, wenn ein Priester in Sünde oder unwürdig lebte. Das Volk erhält bisweilen Gnaden, um diese Sachverhalte zu erkennen.

Zum Laienstand: Selbstverständlich sind die Laien sehr wichtig in der Kirche. Aber es ist ein Irrweg zu meinen, sie müssten in Konkurrenz zu den Priestern treten und mehr oder weniger deren Aufgaben übernehmen. Das ist schier unmöglich und führt zur Verweltlichung und Entsakralisierung, die wir heute sehen.

In der Geschichte der Kirche gab es immer auch heilige Laien, die entsprechend ihrem Laienstand gewirkt haben. Sie waren aber nicht vom Ansinnen getrieben, sie müssten Aufgaben übernehmen, die dem Priesterstand zustehen.

DRITTENS: Der absurdeste Vorschlag ist eine Aufweichung der Sexualmoral. Abgesehen davon, dass dies unmöglich ist, denn die Moral ist unveränderbar und immer wahr und gültig, weil sich auch Gottes Wort mit der Zeit nicht ändert, kann dies nur zu einer noch gravierenden moralischen Katastrophe führen: Die katholische Moral zu befolgen ist mühsam und anstrengend. Sie erfordert eine grundsätzliche, eine radikale Lebensentscheidung. Man sagt entweder Ja oder Nein. Und bis zum Tod lebt der Menschen in einem immerwährenden Kampf gegen die eigenen schlechten Neigungen. Dieser Folge der Erbsünde kann sich kein Mensch entziehen.

Es ist völlig absurd zu meinen, eine „Lockerung“ würde es den Menschen einfacher machen, gemäß der katholischen Moral zu leben. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Es gibt keine liberale Moral, es gibt keinen Laissez Faire. Es gibt nur Kampf gegen die ungeordneten Neigungen und gegen die Sünde.

Eine Schlussbemerkung: Normalerweise müssten Priester über Themen wie diese schreiben oder sprechen. Doch offenbar trauen sie sich nicht, weshalb diese Aufgabe wohl Laien übernehmen müssen.

Montag, 17. September 2018

Missbrauchsskandal: Bischöfe müssen zuerst über die Hölle predigen

Nach dem Bekanntwerden des Ausmaßes an sexuellen Missbräuchen durch katholische Priester zeigten sich etliche Bischöfe entsetzt, schockiert und beschämt.

Das bedeutet aber nicht, dass sie die richtigen Schlussfolgerungen aus dem Skandal ziehen. Ganz im Gegenteil: Sie klammern sich an ihre liberale Agenda, denken über institutionelle Änderungen nach und mancher meint sogar, die Sexualmoral ändern zu müssen.

Fakt ist: Die Missbräuche sind Folge einer immensen moralischen Verkommenheit der beschuldigten Priester. Die erste Maßnahme, um eine dermaßen große moralische Wunde zu beseitigen, ist das Predigen über die letzten Dinge, vor allem über die Hölle.

Die deutschen Bischöfe sollten ihren Priestern klar und deutlich erklären, was sie erwartet, wenn sie auch nur mit einer einzigen ungesühnten und nicht bereuten schweren Sünde sterben:

1. Das Feuer der Hölle ist nicht wie das Feuer, das wir kennen. Unser Feuer wurde von Gott erschaffen, um uns zu helfen. Das Feuer der Hölle erschuf Gott zur ewigen Bestrafung der Verworfenen. Dieses Feuer erlischt nicht und vernichtet auch nicht die Körper und die Seelen der verdammten. Sie brennen ewig in diesem Feuer. Dieses Feuer erfasst nicht nur den Körper sondern auch die Seele der Verdammten. Jeder Schmerzensschrei dieser Seelen in der Hölle wurde von Gott gewollt. In der Hölle gibt es keine Barmherzigkeit und keine Gnade mehr, sondern ausschließlich die Strafe für die ungesühnten und nicht bereuten Sünden. Die Seelen in der Hölle können aber nicht mehr bereuen, weshalb sie diesem Feuer niemals entkommen werden.

2. Die Strafen in der Hölle sind nicht für alle gleich. Je mehr und schwerwiegender man gesündigt hat, desto härter sind die ewigen Strafen. Weil Priester besonders berufene Menschen waren, werden sie umso härter bestraft, wenn sie ihre Berufung verraten haben. Priester, die sich wegen sexuellen Missbräuchen schuldig gemacht haben, haben besonders schwerwiegend ihre Berufung verraten, weil sie die Schwäche der Schutzbefohlenen ausgenutzt haben. Während die Verdammten die Strafen in der Hölle erleiden, haben sie stets ihre Sünden vor sich: Den Strafen des Feuers kommt das schlechte Gewissen hinzu. 

3. Die Theologen erklären, dass die schlimmste Strafe nicht das ewige Feuer ist, sondern die Gewissheit, dass man von Gott für alle Ewigkeit verdammt wurde. Derselbe Gott, der in seiner Güte einen erschaffen hat, mit allen möglichen Gunsterweisungen einen versorgt hat, der seinen Sohn hat leiden und sterben lassen, damit wir von unseren Sünden erlöst werden können, nun dieser Gott wendet sich von uns ab, und erklärt uns seine ewige Ablehnung, weil man seine Gnade abgelehnt hat. Dieses ist das höchste Leiden in der Hölle.

4. Zu all diesen Leiden kommen andere hinzu: Das Wissen, dass man leicht das ewige Heil erreicht hätte, wenn man Ja zu den Hilfsangeboten Gottes gesagt hätte, um die Sünde hinter sich zu lassen.

5. Zuletzt eine besonders wichtige Tatsache: Aus der Hölle gibt es kein Entkommen, auch wenn das manche liberale Theologen behaupten. Selbst wenn Gott zulassen würde, dass die Verdammten die Hölle verlassen dürften, würden sie es nicht tun. Denn sie sind in ihrer Sünde fixiert. Die Sünde ist nichts anderes als ein Akt des Hasses gegen Gott (und seine Gebote). Der Verdammte hasst Gott und ist unfähig, ihn zu lieben. Er ist in seinem Hass zu Gott sozusagen für alle Ewigkeit fixiert.

Kardinal Reinhard Marx und die anderen deutschen Bischöfe sollten ihren Priestern diese Tatsachen predigen, um eine wahre Läuterung einzuleiten. Die Furcht Gottes ist nämlich der Anfang der Erkenntnis.

Eine Schlussbemerkung: Normalerweise müssten Priester über Themen wie diese Schreiben oder sprechen. Doch offenbar trauen sie sich nicht, weshalb diese Aufgabe wohl Laien übernehmen müssen. 

"Sexuelle Selbstbestimmung” gelingt allein durch Keuschheit

Am 22. September wird dieses Jahr erneut der “Marsch für das Leben” stattfinden, in welchem für das Lebensrecht der Ungeborenen auf der Straße demonstriert wird. Wie in den Jahren zuvor, fühlen sich Radikalfeminist/innen von dieser Veranstaltung provoziert und rufen zu Gegendemonstrationen, Blockaden und Störungen auf. In den vergangenen Jahren konnten sie ca. 1500 linke Aktivisten mobilisieren. Das reicht, um den Marsch zu stören, jedoch nicht, um ihn ernsthaft zu beeinträchtigen oder gar zu blockieren.

Die wichtigste Gruppierung in diesem Kontext ist das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“.

Ihre Argumentation: Wer Abtreibungen verbieten oder den Zugang erschweren will, greift das „Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper“ an.

Abtreibung müsse legal und leicht zugänglich sein, denn ansonsten könnte die Frau nicht „selbstbestimmt“, also nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen leben. Wird eine Frau „ungewollt“ schwanger, so soll sie frei entscheiden können, ob sie das Kind bekommt oder nicht. Dieses Prinzip wird im Slogan „My Body, my choice“ zum Ausdruck gebracht. Früher verwendeten Abtreibungsaktivisten noch die deutsche Sprache und brüllten “Mein Bauch gehört mir!“.

Die angebliche „Selbstbestimmung“ erstreckt sich auch auf das Körper des ungeborenen Kindes, obwohl es eine andere Person als die Mutter ist. Die „Selbstbestimmung“ beinhaltet also eine Art „Recht zum Töten“ des eigenen Kindes.

Dass der so definierte Begriff „sexuelle Selbstbestimmung“ barer Unsinn und sogar unlogisch ist, soll hier kurz erläutert werden.

1. Wenn eine Frau tatsächlich „selbstbestimmt“ lebt, könnte sie schlicht und ergreifend entscheiden, keinen Geschlechtsverkehr zu haben und damit von vornherein ausschließen, schwanger zu werden. Diese banale Tatsache aber kommt in den Aussagen der Feministinnen niemals vor. Auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, ist für sie keine Option. Das feministische Verständnis von „Selbstbestimmung“ beinhaltet impliziert hemmungslosen Sex, obwohl dadurch die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, stark ansteigt. Denn Verhütungsmittel sind nicht völlig sicher, abgesehen davon, dass irgendwann die sog. „Pillenmüdigkeit“ eintritt. Wer aber der Auffassung ist, man müsse sich dem Geschlechtstrieb ohne Einschränkungen hingeben, lebt nicht „selbstbestimmt“, sondern unterwirft sich seinem Trieb. Dieser wird als so mächtig empfunden, dass man gar nicht anders kann, als diesem zu folgen. Der Wille ist zu schwach, sich dagegen zu wehren, so die feministische „Logik“. Selbstbestimmung bedeutet im Grunde genommen „Triebbestimmung“.

2. Dass die Frau keine „Selbstbestimmung“ besitzt, zeigt auch die banale Tatsache, dass sie durch den Geschlechtsakt schwanger werden kann. Dem eigenen Körper interessiert nicht, was die Frau will: Sind die Voraussetzungen gegeben, dann wird sie schwanger, ob sie das will oder nicht. Das ist aber alles andere als „Selbstbestimmung“. Der Körper lässt sich nicht bestimmen, denn er folgt der Natur.

„Sexuelle Bestimmung“ besitzt im Grunde nur, wer frei entscheiden kann, ob und wann er Geschlechtsverkehr hat und sich dabei nicht von seinem Trieb, sondern von einer sittlichen Norm leiten lässt.

Diese Norm ist für die katholische Kirche folgende: der Geschlechtsakt ist nur ethisch einwandfrei, wenn er innerhalb einer gültigen Ehe vollzogen wird und offen für neues Leben ist.

Keuschheit bezeichnet ein Leben nach dieser Norm, dem 6. Gebot Gottes in und außerhalb der Ehe. Die Tugend, die ein solches Leben ermöglicht, heißt Reinheit.

Papst Paul VI. erklärte dazu: "Die Reinheit ist die Atmosphäre, in der die Liebe atmet."

Wichtig ist dabei zu beachten, dass der Geschlechtstrieb NICHT entscheiden soll, ob und wann jemand den Eheakt vollzieht. Der Trieb ist lediglich eine Hilfe für den Vollzug. Der Mensch soll nicht ihm folgen, wie das eben Tiere tun, sondern immer souverän entscheiden, so die katholische Sexualmoral.

Alle Religionen und Kulturen setzten Normen auf, die mehr oder weniger der katholischen Sittenlehre ähnelten. Der entscheidende Punkt aber ist immer: Der Mensch soll sich nicht willenlos seinem Trieb hingeben, sondern nach einem höheren Prinzip leben. Dies setzt voraus, dass er seine Triebe zügelt und diesem Prinzip unterordnet.

Erst die 1968er Revolte bzw. die sexuelle Revolution vertraten das Prinzip, der Mensch solle sich nicht nach Prinzipien orientieren, sondern sich wie ein Tier den Trieben hingeben. Die 1968er haben diese moralische Verkommenheit philosophisch zu rechtfertigen versucht.

Diese Verwahrlosung führt aber mitnichten zu einer „Selbstbestimmung“, sondern zu einer Versklavung, und zwar unter die eigenen Triebe.

Am 22. September sollten die Abtreibungsaktivisten deshalb nicht „sexuelle Selbstbestimmung“, sondern „unfreie Triebbestimmung“ fordern.

Montag, 4. Juni 2018

Wie es zu 1968 kam: Der Film "Breakfast at Tiffany's" (1961)

Es gibt viele Gründe, wieso sich jemand ein Film anschaut und oft spielt der Inhalt keine allzu große Rolle. Das kann auch heute der Fall mit einem Film wie „Frühstück bei Tiffany“ sein. Der Charme von Audrey Hepburn, die Musik von Henry Mancini, das mondäne Leben New Yorks Ende der 50er Jahre, die Mitglieder der High Society, die gleichzeitig elegant und locker sind, der „American Way of Life“, der damals seinen absoluten Triumph feierte und andere Elemente können für den heutigen Zuschauer durchaus Ansporn genug sein, sich diesen Streifen anzuschauen, ohne sich groß für den Inhalt zu interessieren.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Mädchen vom Lande, Holly Golightly (Audrey Hepburn), lernt, elegant und gesellschaftsfähig zu sein und führt in New York ein frivoles Leben in einer recht dekadenten High Society. Ihr neuer Nachbar ist der erfolglose Schriftsteller Paul Varjak (George Peppard), zu dem sie schnell Vertrauen findet. Sie sagt ihm, dass sie einen Millionär zum Heiraten sucht, doch eigentlich weiß sie gar nicht, was sie will. Sie irrt sozusagen im Leben umher. Nachdem ihre Verlobung mit einem brasilianischen Millionär in die Brüche geht, nimmt sie Vernunft an und ist bereit, Paul Varjak zu heiraten, der ihr zuvor seine Liebe gestanden hatte.

Weltberühmt ist das Lied „Moon River“, das von Holly in einer Filmszene gesungen wird. Die zweite Strophe faßt den Inhalt des Filmes zusammen: “Two drifters, off to see the world/Theres such a lot of world to see/We´re after the same rainbows end, waitin round the bend/My huckleberry friend, Moon River, and me.”

Frei übersetzt heißt das: Zwei Weltbummler wandern in der Welt umher/es gibt noch so viel zu sehen/Wir sind hinter dem Ende des Regenbogens her, hinter der Biegung wartend/mein Außenseiter-Freund, Moon River, und ich.

Die erste Strophe lautet: Moon river, wider than a mile / I’m crossing you in style some day /Oh, dream maker, you heart breaker / Wherever you’re goin’, I’m goin’ your way. Eine mögliche Übersetzung wäre: Moon River, meilenbreit/ Ich überquere Dich mal mit Eleganz / Traummacher, Herzbrecher/ Egal wohin du gehst, komme ich mit.

Moon River ist also eine Metapher für einen Lebenstraum. Die zweite Strophe spricht von zwei Weltenbummlern und meint damit Holly Golightly und auch den erfolglosen Schriftsteller. Beide sind nämlich „gestrandete Personen“, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Der Schriftsteller Paul Varjak ist aber während des Filmes in der Lage, sein Leben in die Hand zu nehmen, die Schriftstellerei erfolgreich neu zu beginnen und sich vom alten Leben als Liebhaber reicher Frauen zu distanzieren.

Diese Kraft besitzt Holly Golightly nicht. Sie hält sich an ihren Träumen fest und ist selbst dann nicht bereit, sie loszulassen, als ihre Verlobung mit einem brasilianischen Millionär aufgelöst wird. Sie entschließt sich, nach Brasilien zu fliegen, um einen der 50 reichsten Männer dort zu heiraten, von denen sie keinen kennt. Paul Varjak sagt ihr dann offen ins Gesicht, was sie ist: „Weißt Du woran es fehlt bei Dir, armes Ding ohne Namen? Du hast Angst! Du hast keine Courage! Du bist ein Kind, das Angst hat, alles so zu sehen, wie es ist. Menschen verlieben sich nun mal. Menschen gehören zusammen, weil das die einzige Möglichkeit ist, ein bißchen glücklich zu werden. Du hältst Dich für einen freien Geist, der nur ungebunden leben kann. Und zitterst vor Angst, daß Dich jemand in einen Käfig sperren könnte. Mein liebes Kind: Du sitzt schon lange drin und gebaut hast Du ihn Dir selbst. Und der Käfig ist nicht nur in Tulip/Texas oder hier in New York, sondern Du schleppst ihn überall mit Dir rum, ganz gleich wohin Du auch gehst. Überall wirst Du Dir selbst begegnen.“

Holly Golightly ist trotz ihr ständigen Feierns – sie ist der Prototyp des Glamour-Party-Girls – einsam. Die berühmteste Szene des Films, wenn sie mit der Gitarre das Lied Moon River singt, beginnt mit der Einblendung von Paul Varjak, als er versucht, eine Geschichte zu schreiben. Die Kamera blendet das Papier in der Schreibmaschine ein, worauf der Anfang der Erzählung steht: „There was once a very lovely, very frightend girl. She lived alone except for a nameless cat.“ Übersetzt: Es lebte einmal ein sehr liebenswertes, sehr verängstigtes Fräulein. Sie lebte allein, mit Ausnahme eines namenlosen Katers.

Dieser Kater spielt eine große Rolle in dem Film. Truman Capote, der Autor der Novelle, aus der das Drehbuch hervorging, hat das psychologische Profil der Hauptdarstellerin anhand mehrerer Symbole repliziert. Eines davon ist der Kater, der bei ihr lebt. Am Anfang des Films, bei der ersten Begegnung mit Paul Varjak, erzählt sie seine Geschichte: „Armer alter Kater. Armes Vieh, hast keinen Namen. Ich finde, daß ich kein Recht habe, ihm einen Namen zu geben. Wir gehören eigentlich nicht zusammen, er ist mir mal über den Weg gelaufen. Und ich will gar keinen Besitz haben, bevor ich nicht weiß, wo ich richtig hingehöre. Wie es da ungefähr aussehen müßte, weiß ich ganz genau: So wie bei Tiffany.“

Im Kater projiziert Holly ihre eigene seelische Verfassung der Einsamkeit, des Verlorenseins, der Perspektivlosigkeit, des sich nicht selber Kennen und Verstehen. Der luxuriöse Juwelierladen Tiffany ist für sie der Zufluchtsort, zu dem sie geht, wenn sie einmal wieder Angst verspürt.

Am Ende des Filmes spielt der Kater eine große Rolle, um die innere Verfassung von Holly verstehen. Als sie überstürzt beschließt, nach Brasilien zu fliegen und einen Millionär zu finden, wirft sie den Kater aus dem Taxi, in welchem sie zusammen mit dem Schriftsteller sitzt. Sie wirft ihn gnadenlos in den Regen und überlässt ihn seinem eigenen Glück. Nachdem ihre Verlobung und damit ihre Träume in die Brüche gingen, wird sie kalt und indifferent gegenüber anderen. Das Scheitern macht sie egoistisch und hart. Nachdem sie vom Verlobten zurückgewiesen worden ist, tut sie dasselbe mit ihrem Haustier. Daraufhin hält ihr Paul Varjak die obige Ansprache, wodurch sie in sich fällt.

Der Seelenzustand von Holly wird auch immer wieder durch die Musik von Henry Mancini ausgedrückt. Gleich am Anfang des Filmes, wenn sie aus einem Taxi vor Tiffany aussteigt, um sich die Juwelen im Schaufenster anzuschauen und dabei ihr Frühstück einzunehmen (Daher der Name des Films), wird die Melodie von Moon River gespielt. Eine melancholische Melodie, voller Weltschmerz und unerfüllter Sehnsüchte, doch mit der Hoffnung, insbesondere wenn die Streicher einsetzen, daß die Träume irgendwann wahr werden, solange man fest genug an sie glaubt.

Der Film und seine Musik sind nicht bekannt geworden, weil da die Geschichte eines orientierungslosen Fräuleins erzählt wird, sondern weil der Film eine Grundstimmung erfaßte, die sich damals zu bilden begann. In diesen Jahren begann der amerikanische Traum vom Leben, voll der Sorglosigkeit und der Zuversicht, erste Risse zu bekommen. Eine Entfremdung zwischen den Generationen begann spürbar zu werden. Die normierte Massengesellschaft wurde immer mehr in Frage gestellt. Neue Intellektuellen-Gruppe, wie die sog Beat-Generation, propagierten einen neuen Existentialismus, der die herrschende Wertestruktur radikal bekämpfte.

Jugendliche, die nicht gesellschaftliche Außenseiter waren, aber die sich nicht in der Gesellschaft ihrer Eltern heimisch fühlten, konnten sich durchaus unbewusst mit jemandem wie Holly Golightly identifizieren. Sie war jemand, der in der Gesellschaft lebte, trotzdem aber einsam und orientierungslos war. Sie zeigte deutlich, dass inmitten des Glamours, der Eleganz, des New Yorker Reichtums, es Menschen gibt, die sich in dieser Welt nicht mehr zurechtfinden und aus ihr ausbrechen wollen und das tun, sobald sie die Kraft dazu finden. Das geschieht allerdings nur im Happy End der Filmfassung - im Roman irrt Holly weiter in der Welt umher und am Ende erfährt man, dass sie irgendwo in Afrika war (Zwischen dem Film und dem Roman gibt es weitere erhebliche Unterschiede).

Das psychologische Profil von Holly Golightly mit ihrem Umherirren, ihrem mangelnden Realitätssinn, ihrer aufgesetzten Art, die ihr Inneres verdeckt, ihrer tiefen Traurigkeit und Einsamkeit waren Kennzeichen vieler Jugendlicher einer Generation und der Nährboden, auf welchem die Explosion von 1968 vorbereitet wurde.

Montag, 28. Mai 2018

Irlands Abtreibungs-Katastrophe ist auch ein Desaster für die katholische Kirche

Kathedrale von Armagh. Foto: JohnArmagh Wikimedia Lizenz CC BY-SA 3.0
Das Ergebnis des Irland-Referendums zur Abtreibungsfrage ist dermaßen erdrückend, dass sich das Kommentieren fast erübrigt. Die Fakten sprechen für sich.

Die Tatsache, dass zwei Drittel der Iren für die Abschaffung des Abtreibungsverbots und für eine – perspektivistisch – recht liberale Regelung votiert haben, verschlägt einem den Atem. 1983 wurde mit etwa diesem Ergebnis das Abtreibungsverbot in die Verfassung eingeführt.

Dieses Erdbeben in der öffentlichen Meinung kann nur aufgrund der Erosion des Einflusses der katholischen Kirche in Irland erklärt werden.

Als Irland noch Teil des Vereinigten Königreiches war, bedeutete Ire zu sein, auch katholisch zu sein. Ire und katholisch waren Synonyme, wie etwa heute immer noch in Polen ähnlich.

Das ist aber in Irland nun Geschichte.

Hier zeigt sich das ungeheure Risiko, das jener Katholizismus birgt, der sich fast ausschließlich auf die Autorität des Klerus stützt und dabei die moralischen Grundsätze und die Glaubenswahrheiten in den Hintergrund rückt: Zerbricht diese Autorität, wie in den letzten Jahren aufgrund vieler gravierender Skandale geschehen, so verliert das Volk auch den Glauben.

Es scheint, dass die katholische Kirche in Irland zu einer Art „Stunde Null“ gelangt ist. Sie muss sich selbst erst erneuern und zum alten Glanz des Glaubens finden, um wieder jenen Einfluss zu gewinnen, den sie einst hatte.

Bitter ist auch, dass sich diese Fälle vermehren, man denke bloß an Chile. Auch dort ist der Einfluss des Klerus auf null gesunken. Nicht nur aufgrund der sexuellen Skandale. Auch, weil die Kirchenleitung seit den 1960er Jahren mit sozialistischen politischen Strömungen flirtet.

Ein ähnliches Schicksal erlebt zurzeit die katholische Kirche in Italien. 

Die Bischofskonferenz hat bei den letzten Wahlen massiv für eine liberale Einwanderungspolitik geworben. Schließlich votierten ca. zwei Drittel der Italiener für Parteien, die genau das Gegenteil postulierten. Lange vorbei sind auch hier die Zeiten der Klüngelei zwischen Kirche und Democrazia Cristiana.

Und in Ländern wie Deutschland kann man „irische“ Verhältnisse gar nicht mehr befürchten, weil der Klerus sowieso fast keinen Einfluss mehr hat. Und Persönlichkeiten wie Kardinal Marx, mit ihren ständigen bizarren Wortmeldungen, sind dabei, die Reste an Einfluss zu demolieren, den Amtsräger noch haben.

Die katholische Kirche kann aus dieser Krise nur dann herauskommen, wenn sie das selber will. Das wird ihr aber nicht gelingen, wenn sie meint, sich dafür mit dem Zeitgeist verbrüdern zu müssen, so, wie das gegenwärtig Kardinal Marx praktiziert.

Donnerstag, 24. Mai 2018

Abtreibungsaktivisten zweifeln an Tauglichkeit des Kampfbegriffes „Selbstbestimmung“

Der Autor auf einer Pro-Life-Demo
Um die liberale Abtreibungspraxis zu verteidigen, verwenden Abtreibungsaktivisten in der Regel ein einziges Argument: Die Schwangeren hätte ein „Recht auf Selbstbestimmung“.

Was sie damit sagen wollen ist, dass die Frau völlig autonom in der Entscheidung sein soll, ob sie das Kind in ihrem Leib austrägt oder nicht. Um diese Position zu rechtfertigen, abstrahieren sie völlig die Existenz des Kindes. Das gezeugte Kind führt in den apologetischen Texten der Abtreibungsaktivisten fast immer eine Nicht-Existenz.

Diese Strategie führt offensichtlich dazu, dass sie die Realität des Problems nicht nur reduzieren, sondern auch verzerren, wodurch ihre Glaubwürdigkeit erheblich geschwächt wird: Jede Frau, die nicht völlig ideologisch verblendet ist, versteht, dass es sehr wohl (auch) um das Leben eines Menschen geht. Ansonsten wäre gar nicht zu verstehen, wieso seit Jahrzehnten in dramatischer Art und Weise über Abtreibung diskutiert wird, selbst in Ländern, in denen die Abtreibung legal und staatlich subventioniert ist.

Aber inzwischen sind andere Bedenken hinzugekommen: Durch die Fixierung auf das Selbstbestimmungsargument schließt sich der radikale Feminismus von neu hinzu gekommenen Debatten völlig aus, die durchaus ideologische Positionen betreffen, die ihn eigentlich was angeht.

Wer dies verstanden hat, ist Kirsten Achtelik, die in ultra-linken Verlagen wie „Verbrecher“ publiziert. Sie befürwortet rabiat Abtreibung, scheint aber die Einfalt der Argumentation ihres Milieus zu erkennen, die zu fanatischen und nicht mehr zu rechtfertigenden Positionen führen.

So schreibt Achtelik im „Für Föten und Werte. Die ‚Lebensschutz‘-Bewegung in Deutschland“ (erschienen in „Juliane Lang, Ulrich Peters (Hrsg.): Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt“): Aufgrund des Erstarkens der Pro-Life-Bewegung, ist „die Versuchung groß, alle linken, feministischen und emanzipatorischen Kräfte unter dem Label der Selbstbestimmung sammeln zu wollen. Dadurch besteht aber die Gefahr, die ambivalenten, problematischen und antiemanzipatorischen Konnotationen dieses Konzeptes für die gemeinsamen Sache und das größtmögliche Bündnis auszublenden. »Selbstbestimmung« jedoch ist kein eindeutig emanzipatorischer, positiver Begriff, sondern ein ambivalenter, der in Richtung optimierter Selbstverwertung und konsumistischer Wunscherfüllung offen ist. Diese individualistischen und neoliberalen Implikationen des Begriffs beeinträchtigen sein Potential, zur radikalen Veränderung gesellschaftlicher, sozialer und ökonomischer Machtverhältnisse beizutragen.

In den Debatten um das Thema Abtreibung seit den späten 1960ern wird dies deutlich in der seltsamen Allianz zwischen dem feministischen Flügel in der SPD (und später bei den Grünen und bei den Linken) und der FDP. Obwohl sie eigentlich völlig unterschiedliche Weltanschauungen vertreten, scheinen sie sich beim Thema Abtreibung einig zu sein, so auch in der gerade laufenden Debatte um den Werbeverbot (§ 219a StGB). Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, schlug der SPD vor: „Wenn die SPD die Streichung von § 219a StGB auf die Tagesordnung setzt, wird eine Mehrheit dafür nicht an der FDP scheitern.“

Kirsten Achtelik erkennt die Gefahr, dass der Begriff „Selbstbestimmung“ eine Normativität zulässt, die ganz von Individualismus und Selbstverwirklichung durch Perfektion und Leistung mitgeprägt ist.

Diese Sicht des Themas würde problemlos erlauben, Kinder, die bestimmte Gesundheitsnormen nicht erfüllen, zu töten (vor oder nach der Geburt).

In den letzten Jahren war eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder der linken Bewegungen der Kampf gegen (angeblich) willkürliche Normativitäten. Dieser Kampf bekommt erheblichen Gegenwind durch das Streben nach „Selbstbestimmung“.

Nirgends ist dies deutlicher zu sehen, als in den neu hinzugekommenen Themen des Lebensschutzes, etwa der Pränataldiagnostik. Diese führt bekanntlich zu einer fast vollständigen Tötung aller Kinder mit Behinderungen, wie etwa das Down-Syndrom.

Wenn perfekte Gesundheit zur absoluten Norm erhoben wird, so kann das nur bedeuten, dass Kinder mit Behinderungen keinen Anspruch auf Leben haben dürfen.

Zwar drücken das wenige so aus, doch das ist die Praxis. Diese utilitaristische Sicht des menschlichen Lebens hat der australische Philosoph und Tierrechtler Peter Singer philosophisch formuliert. Er plädiert sogar dafür, Kinder nach der Geburt zu töten, sollten sie behindert sein.

Dass es aufgrund technologischer Fortschritte in der Pränataldiagnostik zu Konflikten zwischen dem Ziel „Selbstverwirklichung“ und anderen Zielen linker Bewegungen kommen muss, ist offensichtlich. Achtelik schreibt dazu in ihrem Buch „Selbstbestimmte Norm“ (2015): „Die Forderung nach Selbstbestimmung will dann nur noch individuelle Bedürfnisbefriedigung innerhalb der gesellschaftlichen Normen. Und diese sind – allem Reden von Inklusion und einigen Erfolgen der Behindertenbewegung zum Trotz – allzu oft weiterhin behindertenfeindlich."

Achtelik erkennt die Gefahr, dass ihre Feinde, die „Lebensrechtler“, den Diskurs in diesen bioethischen Themen dominieren und appelliert an ihr eigenes Milieu, den Feminismus: „>Lebensschützer< werden wieder lauter und sichtbarer, ihre Gegner*innen halten ihnen die alte feministische Parole des Rechts auf Selbstbestimmung entgegen. In diesem Bild fehlt die feministische Fraktion, die seit den 1980er-Jahren kritisch über die Bedeutung von Selbstbestimmung diskutiert, die Pränataldiagnostik und selektive Schwangerschaftsabbrüche nicht als Erweiterung der Entscheidungsmöglichkeiten für Frauen begreift, sondern als Ausweitung des Normalitätsgebotes.“

Donnerstag, 17. Mai 2018

In eigener Sache: Kommentarfunktion inaktiv wg. EU-DSGVO

Aufgrund der erhöhten Bestimmungen der neuen Datenschutzverordnung (EU-DSGVO) bezüglich Kommentaren, wurde einstweilen diese Funktion inaktiviert.

Mittwoch, 16. Mai 2018

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