Mittwoch, 28. Oktober 2015

Nach Synode: Deutscher Progressismus will Fakten schaffen

Das Schlussdokument der Synode wird von Deutschlands Progressisten als Vorwand genommen, Fakten zu schaffen und ihre Agenda durchzusetzen.

Die Tatsache, dass die Synode kein demokratisches Entscheidungs-, sondern ein Beratungsgremium ist und das Synodenschlussdokument – die „Relatio finalis“ - kein lehramtliches Schreiben, sondern eine Art Positionspapier, ist manchen Progressisten in Deutschland egal: Schon jetzt sehen sie sich in ihren Ansichten bestätigt und wollen nun konkrete Fakten schaffen.

So sagte Professor Eberhard Schockenhoff, seit Jahren rabiater Verfechter der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, gegenüber der „Katholischen Nachrichtenagentur (KNA)“, der in manchen Gegenden übliche unwürdige Empfang der Kommunion wäre nun von der Weltkirche akzeptiert worden:

„Das, was sich bisher vielerorts als bewährte Praxis gezeigt hat, kann gestärkt weitergehen. Die Erzdiözese Freiburg und andere Diözesen können mit gutem Grund sagen, dass ihre Praxis der individuellen Lösungssuche im Einklang mit weltkirchlichen Regeln steht. Und zwar mit gutem Gewissen und voller Überzeugung.“

Das Bistum Limburg, zurzeit vakant und von Weihbischof Manfred Grothe geleitet, fordert in einer öffentlichen Mitteilung „mit Blick auf die Familiensynode“ eine neue Wertschätzung von wilden Ehen: „Die Kirche müsse sich sehr davor hüten, bestimmte Lebensformen, die ihrer Überzeugung nach nicht bejaht werden können, zu verurteilen. Vielmehr gelte es, andere Lebensformen zu akzeptieren und wertzuschätzen, ohne dabei das Ideal aufzugeben.“ „Es tut der Kirche gut, wenn sie gute Beziehungen stärkt, egal in welcher Lebensform“, so das Communiqué des Bistums.

Laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 27. Oktober 2015 soll es aber nicht bei der bloßen Wertschätzung bleiben: „Wo sind geeignete Liturgien für Geschiedene, die eine neue Ehe eingehen wollen? Wo die für homosexuelle Paare? Wenn die Kirche auch in diesen Gemeinschaften ihre wichtigen Werte verwirklicht sieht (so muss Grothe verstanden werden), müsste sie auch Formen finden, dies auszudrücken – offiziell und nicht unter der Hand, wie es einzelne Pfarrer schon praktizieren“.

Das Schuldbekenntnis der deutschen Sprachgruppe bei der Synode (die Deutschsprachigen baten um Verzeihung für vergangene unbarmherzige Haltung gegenüber Homosexuellen, Alleinerziehenden, Geschiedenen usw.) nehmen das „Netzwerk katholischer Lesben“ und die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“ zum Anlass, den Dialog mit der Kirche zu intensivieren.

Die postsynodale Diskussion entwickelt in Deutschland eine Dynamik, die mit der eigentlichen Synode in Rom immer weniger zu tun hat.

Ein schon lang existierender Verdacht bestätigt sich zunehmend: Teilen der katholischen Kirche war es immer egal, was am Ende bei der Synode rauskommt. Sie waren von vornherein dazu entschlossen, einen deutschen Sonderweg zu wählen.

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