Donnerstag, 19. Januar 2017

Amoris Laetitia führte zu Drei-Fraktionen-System

Christ-Erlöser-Kathedrale
Unmittelbar nach Erscheinen wurde das Nachsynodale Schreiben „Amoris Laetita“ von Papst Franziskus nicht nur sehr kontrovers diskutiert sondern auch widersprüchlich ausgelegt.

Diese wahre Interpretationsschlacht hinterließ zunehmend den Eindruck einer immer lauter werdenden Kakophonie.

Inzwischen hat diese Kakophonie das Episkopat erfasst, wie nicht anders zu erwarten war. Schließlich müssen die Bischöfe auf konkrete Anfragen der Gläubigen reagieren, die sich aufgrund der oben beschriebenen Situation verwirrt und verunsichert an ihre Hirten wenden.

Das linkskatholische Informationsportal Crux hat sich die Arbeit gemacht, eine Aufstellung der unterschiedlichen Positionen vorzunehmen. Wer den kompletten Text lesen möchte, möge diesen LINK anklicken.

Crux nennt zwei Parteien.

Partei A meint, Amoris Laetitia öffnet den Zugang zur Kommunion für die sog. wiederverheirateten Geschiedenen.

Partei B meint, Amoris Laetitia öffnet NICHT den Zugang zur Kommunion für die sog. wiederverheirateten Geschiedenen.

Es gibt eigentlich eine dritte Partei (Partei C) und zwar derjenigen, die der Meinung ist, die Öffnung beschränke sich auf sehr wenige Fälle bzw. auf Personen, die einen mehr oder weniger langen Weg der Buße hinter sich haben. Wenn man aber die verschiedenen Stellungnahmen liest, kann man noch mehr Schattierungen erkennen.

Wir geben hier die Aufstellung Crux wieder, ohne groß auf die Schattierungen in der Diskussion einzugehen.

Partei A: PRO Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene

Die Bischofskonferenz von Malta. Ihre Handreichung ist zurzeit die liberalste von allen. Sie haben sogar dem Gewissen des Einzelnen die endgültige Entscheidung überlassen.

Bischof Robert McElroy von San Diego (USA). Diesem Bischof ist die Öffnung für die wiederverheirateten Geschiedenen noch viel zu wenig und er hat gleich andere Gruppen einbezogen, wie etwa die Homosexuellen. Er bildet sozusagen den Pol am linken Rand.

Die Bischöfe von Buenos Aires, Argentinien. Diese vertreten die Idee, in Einzelfällen könnte man Ausnahmen gewähren. Sie sind sozusagen die Vorreiter der Partei C.

In der Crux-Liste befindet sich nicht die Deutsche Bischofskonferenz. In einer ersten Stellungnahme hat sie sich offen für die Ja-Regelung in Einzelfällen gezeigt und konkrete Richtlinien angekündigt. Diese gibt es allerdings bis heute nicht, wahrscheinlich, weil es innerhalb der deutschen Bischöfe wohl keine Einheit in dieser Frage gibt.

Zur Ja-Partei gehören auch Kardinal Walter Kasper, Kardinal Kevin Farrell (USA), der liberale Kardinal Blase Cupich von Chicago (USA) und natürlich der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Diese Kardinäle haben allerdings keine amtlichen Stellungnahmen abgegeben, sondern sich (lediglich) in Interviews, Zeitungsbeiträgen und Ähnlichem ausgesprochen.

Besonders wichtig in dieser Partei ist Roms Kardinalvikar Agostino Vallini, der sich für die Einzelfall-Regelung ausgesprochen hat, jedoch nicht in einem amtlichen Dokument.

Auf der Crux-Liste befinden sich nicht die Bischöfe der Philippinen, die sich zwar für eine Öffnung ausgesprochen, entsprechende Richtlinien aber noch nicht verfasst haben.

Partei B: Contra Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene

Bischof Steven Lopes des persönlichen Ordinariats Kathedra Petri (USA). Er lobt überschwänglich Amoris Laetitia in einem Hirtenbrief und beschwert sich, manche würden das päpstliche Schreiben für ihre liberale Agenda missbrauchen.

Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia. Er war wohl der erste, der sich klar positioniert hat. Auf der Synode hat er schon erkannt, dass der Progressismus einen wahren Durchmarsch plante.

Die Bischöfe Albertas und der Nordwest-Territorien in Kanada.

Bischof Thomas J. Olmsted von Phoenix (USA), allerdings nicht in einer amtlichen Stellungnahme.

Bischof James Conley von Lincoln, Nebraska (USA), ebenfalls nicht in einer amtlichen Stellungnahme.

Selbstverständlich gehören zu dieser Gruppe die sog. Dubia-Kardinäle Raymond Burke, Walter Brandmüller, Joachim Meisner und Carlo Caffarra.

Diese Kardinäle wurden von etlichen Prälaten, wie etwa Kardinal Paul-Josef Cordes, Weihbischof Laun etc. unterstützt.

Kardinal Ennio Antonelli äußerte sich auch ablehnend für jede Öffnung in einem Artikel.

Auf der Crux-Liste sind nicht die drei Bischöfe Kasachstans, die vor wenigen Tagen einen Gebetsaufruf zur Verteidigung der Lehre der Kirche über die Ehe veröffentlicht haben: Tomash Peta, Erzbischof Metropolit der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana, Jan Pawel Lenga, Emeritierter Erzbischof-Bischof von Karaganda und Weihbischof Athanasius Schneider.

Auf der Crux-Liste findet man auch nicht etliche Bischöfe Polens, die sich zwar sehr dezidiert für die traditionelle Position ausgesprochen haben, dies aber nicht in amtlichen Stellungnahmen taten.

Solange Papst Franziskus sich nicht äußert und die wahre Lehre der Kirche über die Ehe bekräftigt, kann diese Zersplitterung nur zunehmen.

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