Samstag, 23. Januar 2016

Deutsche Lebensrechtler trauern um ihre Gräfin

Johanna Gräfin v. Westphalen Foto: Benno Hofschulte
Manche aus der „jüngeren Generation“ von Lebensrechtlern wissen gar nicht genau, in welchen Organisationen oder Vereinen Johanna Gräfin von Westphalen überhaupt gewirkt hat. Sie entwickelte sich zu einer Leitfigur des deutschen Lebensrechts in einer Weise, dass viele in ihr eine Art Ehrenvorsitzende des gesamten Milieus sahen.

Dass sie dies auch tatsächlich wurde, lag vor allem an ihrer Art. Wenn sie sich in der Menge bewegte, war sie so etwas wie eine Meisterin des Understatements. Mit ihrem diskreten und zurückhaltenden Charme strahlte sie eine Aura respektvoller, nobler Würde aus, der man persönliche Interessen beim Kampf um das Lebensrecht der Ungeborenen gar nicht zutrauen mochte. Dieser Stil stand im Kontrast zur persönlichen Begegnung mit ihr, die oft etwas Nachwirkendes hatte. Stets vermittelte sie der Person gegenüber, dass sie ihr wichtig war und sie sie Ernst nahm. Man fühlte sich immer bei ihr aufgehoben. Diese Kommunikation von Mensch zu Mensch stellte sie her, ohne dabei je ihre aristokratische Art preiszugeben.

Johanna Gräfin von Westphalen war für die Lebensrechtler schlicht „die Gräfin“. Diese Bezeichnung kam den Menschen immer mit Zuneigung und Respekt über die Lippen.

"Die Gräfin" - eine erstaunliche Bezeichnung respektvoller Ergebenheit in unserer egalitaristischen Zeit!

Doch wie passend war diese Bezeichnung. Selbst als sie schon auf einen Gehstock angewiesen war, bewegte sie sich, als ob sie schwebte. Wenn sie sprach, waren es die angedeuteten Gesichtsausdrücke, die ihrer Kommunikation Kraft verliehen. Sie liebte es, knappe Bemerkungen zu machen, deren Wertung man dem leichten Lächeln entnahm. Wenn sie zornig wurde – etwa in einem Gespräch über die Abtreibungspraxis in Deutschland – wurde sie nie ausfallend: Hier folgte der kurzen Bemerkung ein Blick in die Ferne, in welchem sich das Bewusstsein über die vorherrschende Bosheit in den Pupillen konzentrierte. Der Blick ihres Großonkels, des Löwen von Münster, Kardinal von Galen, schien in diesen Momenten hervorzustechen.

Nach der Nachricht ihres Todes beschlich einen neben der Trauer ein anderes Gefühl: verwaist zu sein! Ja, man spürte eine Art Verlassenheit! Insbesondere für die Aktivisten unter den Lebensrechtlern hatte die Gräfin immer ein offenes Herz, egal, welche persönliche Meinung sie zu der einen oder anderen Aussage oder Handlung hatte. Sie vereinte alle, wodurch beim Aussprechen des Wortes „Gräfin“ auch ein gewisses Gefühl der Geborgenheit mitschwang, wie sie von einer Mutter vermittelt wird.

Den Tod der „Gräfin“ werden die Lebensrechtler noch lange als schmerzlichen Verlust empfinden. In all den Kämpfen der letzten Jahrzehnte war sie aktiv dabei. Zuerst als erste Vorsitzende des „Sozialdienstes katholischer Frauen“, ab 1985 als Gründerin und Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ und ab 1988 als Gründerin und Vorsitzende der Stiftung „Ja zum Leben“. Regelmäßig besuchte sie Kongresse und Tagungen, hielt Vorträge, reiste auch oft ins Ausland, wodurch sie auf internationaler Ebene zum Gesicht der deutschen Lebensrechtsbewegung wurde.

Möge der barmherzige Gott Johanna Gräfin von Westphalen für ihr Werk reichlich belohnen!

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