Montag, 19. Oktober 2015

„Synodalität“ ist für deutschen Progressismus gleich Nationalkirche

Foto: M.v.Gersdorff
Papst Franziskus hat in seiner viel beachteten Ansprache vom Samstag (17. Oktober) betont, er wolle den „synodalen Weg für die Kirche“ vorantreiben. Das bedeutet eine verstärkte Beteiligung der Ortsbischöfe an den Entscheidungen der Weltkirche und gleichzeitig eine Dezentralisierung der Kirchenleitung. 

Leider werden diese päpstlichen Aussagen in Deutschland von vielen dafür als Vorwand genommen werden, was vielerorts schon längst vollzogen ist: Ein großes Spektrum des deutschen Katholizismus fühlt sich schon jetzt von Rom unabhängig und meint, Entscheidungen treffen zu können, die weder von Rom noch von der Weltkirche akzeptiert werden.

Ein Beispiel war die Vergabe von Beratungsscheinen durch katholische Beratungsstellen im Rahmen der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung. Diese Scheine hatten (und haben immer noch) den einzigen Zweck, eine straffreie Abtreibung zu ermöglichen.

Die deutschen Laienverbände – allen voran das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken" – bestanden darauf, dass die Deutschen alleine entscheiden sollten. Sie wollten schlichtweg nicht kapieren, dass in dieser Problematik auch Glaube und Moral involviert waren und deshalb die katholische Kirche in Deutschland keine Position einnehmen konnte, die dem katholischen Glauben und der katholischen Lehre widerspricht.

Bekannterweise stiegen die deutschen Bischöfe aus dem staatlichen Beratungssystem erst aus, nachdem Papst Johannes Paul II. intervenieren musste.

Doch die Einstellung hat sich nicht verändert: Das ZdK will nun die Beratungsstelle „Donum Vitae“ rehabilitieren, obwohl diese den Beratungsschein ausstellt. So etwas nennt man Starrsinn.

Der Blick auf die hiesige Theologie lässt auch Schlimmstes befürchten, sollte die „Synodalität“ entsprechend der deutschen Lesart interpretiert werden.

Schon heute gibt es eine Schar von deutschen Theologen, die sich nicht an das katholische Lehramt gebunden fühlen. 

Die Interventionen der deutschen Delegation (Kardinal Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode) bei der Familiensynode zeigen, dass inzwischen selbst hohe deutsche Prälaten das Lehramt nicht für verpflichtend halten.

Eine deutsche“ Interpretation des „synodalen Weges“ würde deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur zu einer deutschen Nationalkirche, sondern insgesamt zu einer Kirche führen, die sich nicht dem Heiligen Geist unterwirft, sondern dem Zeitgeist. 

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