Samstag, 24. Oktober 2015

Kardinal Marx` Angriff auf Kardinal Pell könnte sich als Boomerang erweisen

Großes Staunen gab es über den ersten Absatz des dritten Berichtes der deutschen Sprachgruppe. 

Er lautete: „Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode wahrgenommen. Dies widerspricht dem Geist des Zusammengehens, dem Geist der Synode und ihren elementaren Regeln. Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wir distanzieren uns entschieden.“

Das Geheimnis, wer wohl damit gemeint sei, lüftete sich bei der Pressekonferenz am 21. Oktober: Kardinal George Pell. Dieser hätte zwei Parteien ausgemacht, die „Kasperianer“ und die „Ratzingerianer“.

Der Vorfall im Pressesaal des Vatikans ist wahrlich neu. Zum ersten Mal griff ein Kardinal in solcher Schärfe einen anderen an.

Was Kardinal Marx dazu bewogen hat, ist nicht ganz einfach zu verstehen. Seit Monaten wird diskutiert, inwiefern sich Kardinal Walter Kasper mit seinen Vorschlägen hinsichtlich Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene durchsetzen würde. Inzwischen haben 17 Kardinäle und eine noch größere Zahl von Bischöfen und Theologen gegen die Thesen Kaspers Stellungnahmen abgegeben.

Kaspers Thesen sind alles andere als neu. Schon 1993 äußerte er sich in diesem Sinne in einem Hirtenbrief, den er zusammen mit Bischof Karl Lehmann und Bischof Oskar Saier verfasst hatte.

Damals erhielt Walter Kasper vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, einen Brief, der ihn auf die Irrtümer in seinem Hirtenbrief hinwies.  Walter Kasper musste seine Vorschläge zum Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen zurückziehen. 

Doch Anfang 2014 wiederholte Kardinal Walter Kasper mehr oder weniger dieselben These von 1993. Kein Wunder, dass viele ihm unverbesserliche Hartnäckigkeit vorwerfen.

Auf die Einwände, die in der Folge erschienen, ging Walter Kasper nicht ein.

Den Vorwurf des Starrsinns übertragen viele nun auf Kardinal Reinhard Marx. Dieser verhält sich wie eine Art Jünger Kaspers. Auch ihm scheinen die Einwände der Kardinäle, Bischöfe und Theologen egal zu sein.

Die Argumente der Schar von Anti-Kasperianern sind im Kern dieselben wie die von Kardinal Ratzinger im Jahr 1993.

Ist es unter diesen Umständen so abwegig, von „Kasperianern“ und „Ratzingerianern“ zu sprechen?

Eigentlich war Kardinal Pell sogar moderat: Unter Umständen könnte von einem wahren Rachefeldzug von Kasper & Co. gegen Ratzingers Theologie interpretativ gesprochen werden.

Die Wutattacke auf Kardinal Pell ist deshalb fast kindisch. Meinte Kardinal Marx im Ernst, alle würden auf seine Harmonie-Strategie eingehen? 

Kardinal Marx unternimmt seit über einem Jahr eine weltweite Propagandakampagne, um Kaspers Thesen in die Kirche einzuführen. Diese Thesen widersprechen der katholischen Lehre über Ehe und Sexualität und stoßen auf heftigen Widerstand, vor allem in Osteuropa und Afrika.

Auf diese Weise provoziert Kardinal Marx seit Monaten viele im Weltepiskopat und ruiniert dabei den Ruf der katholischen Kirche in Deutschland.

Nun ärgert er sich öffentlich, wenn jemand indirekt auf diesen Umstand aufmerksam macht.

Sollte Kardinal Marx nach der Synode weiterhin auf Biegen und Brechen seine kasperschen Vorstellungen durchsetzen wollen, wird er noch mehr Widerstand und Ablehnung heraufbeschwören. Sollte er dann mit Beschimpfungen um sich werfen, werden ihn manche auf seine Attacke auf Kardinal Pell erinnern.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Man kann mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis nehmen, daß der Kasperismus auf der Synode nicht durchgedrungen ist.

Bezeichnend im übrigen, daß Marx derart aus der Rolle gefallen ist. So kennt man ihn allerdings schon seit geraumer Zeit. Früher konnten die Neuerer wenigstens noch Leute vom Format eines Rahner oder Döpfner zu den Ihren zählen. Diese Zeiten sind längst vorbei - was nun kommt, sind Epigönchen, die im Rumpelstilzchen-Stil reagieren, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Marx mag den Ehrgeiz z.B. eines Döpfner haben, aber gan sicher nicht sein Talent.

"Das Glas is halb voll", bemerkte Marx nach der Synode das Jahres 2014. Vermutlich war aber lediglich er selbst "halb voll". Sonst hätte er schon damals sehen müssen, daß es dieses Glas überhaupt nicht gibt.