Montag, 12. Oktober 2015

Historiker De Mattei zu Synode: Kirche in alarmierenden Zustand

De Mattei/Foto: M.v.Gersdorff
Die Debatten vor und während der laufenden ordentlichen Synode zeigen, in welch alarmierendem Zustand sich die katholische Kirche befindet. Dieses Urteil fällte Roberto De Mattei in Rom am 10. Oktober 2015 auf der Tagung „Matrimonio e famiglia. Tra dogma e prassi della Chiesa” (Ehe und Familie. Zwischen Dogma und Praxis in der Kirche), die von der Fondazione Lepanto und der Associazione Famiglia Domani organisiert wurde.

De Mattei ist Professor für Zeitgeschichte an der Europäischen Universität zu Rom und Autor mehrerer Bücher über Kirchengeschichte.

Sogar hochstehende Prälaten würden essentielle Inhalte der kirchlichen Ehe- und Sexualmoral infrage stellen, beklagte der Redner. Selbst längst definierte Wahrheiten, wie etwa die Unauflöslichkeit der Ehe, stünden zur Diskussion.

Kritik übte der Historiker am deutschen Kardinal Walter Kasper. Er hätte mit seiner „Rede vor dem Konsistorium“ eine polemische Debatte eröffnet, die inzwischen eine zerstörerische Dynamik entfalten würde.

Die Hauptthesen Kaspers: 1. Wir leben in einer säkularisierten Welt. 2. Die Kirche müsse zur Kenntnis nehmen, dass viele Menschen ihr Leben nicht mehr nach der katholischen Ehelehre ausrichten. 3. Die Kirche müsse sich dieser Situation anpassen.

Es gehe somit nicht lediglich um die Lehre der Kirche hinsichtlich Ehe und Sexualität, sondern um das Verhältnis zwischen Kirche und Welt und um das Verhältnis zwischen kirchlicher Lehre und Alltagspraxis.

Der Kirche droht eine Fortsetzung dieser Debatte auch nach der Synode, zu stark sei das Interesse mancher kirchlicher Kreise, die katholische Lehre über Ehe und Sexualität abzuschaffen.

Der Historiker De Mattei ging auf zwei Ereignisse ein, die Parallelen zur heutigen Situation aufweisen: Die Akzeptanz der Scheidung durch die orthodoxe Kirche und das anglikanische Schisma durch König Heinrich VIII.

In beiden Situationen hätte sich die jeweilige Konfession (orthodox/anglikanisch) schließlich einer Situation angepasst, die zuvor zum säkularen „Mainstream“ wurde. 

Die katholische Kirche und ihre Doktrin dürfe sich aber auf keinen Fall dem Zeitgeist opfern, so De Mattei: Nicht die Kirche, müsse sich nach der Welt, sondern die Welt müsse sich nach den Vorgaben der Kirche ändern. Nicht die Wahrheit ließe sich ändern, sondern das Leben der Menschen müsse sich der Wahrheit, die von der Kirche verkündet wird, anpassen.

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