Sonntag, 10. Mai 2015

ZDK bricht endgültig mit katholischem Verständnis von Ehe und Sexualität

Das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZDK) hat bei der Vollversammlung am 9. Mai 2015 in Würzburg eine Stellungnahme für die Familiensynode im Vatikan im Oktober 2015 verabschiedet.

Der Titel: „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen – Familie und Kirche in der Welt von heute“.

Beklagt wird eine große Diskrepanz zwischen dem katholischen Lehramt über Ehe, Familie und Sexualität und der Lebenswirklichkeit der Gläubigen.

Um diese Kluft zu überwinden, fordert das ZDK von der Synode ein völlig neues katholisches Verständnis von Ehe und Familie.


Das Dokument macht deutlich, dass für den ZDK die Sexualität keineswegs allein in der Ehe praktiziert werden darf und dass das primäre Ziel dort nicht die Fortpflanzung ist.

Deshalb kann das ZDK eine neue Bewertung von nichtehelichen und sogar gleichgeschlechtlichen Partnerschaften fordern. Die Kirche sollte sogar liturgische Formen, wie etwa Segnungen, für diese Partnerschaftsformen entwickeln.

Die eigentliche Ehe wird im Dokument als die beste lebenslange Bindung angesehen. Paare sollen ermutigt werden, sakramentale Ehen zu schließen. Dennoch sollen andere Partnerschaftsformen geachtet und anerkannt werden. Im Dokument wird so was wie eine Art Hierarchie der Lebenspartnerschaften entwickelt, mit der eigentlichen Ehe an der Spitze.

Doch was macht aber eine Ehe laut dem ZDK aus? „Verlässliche Verantwortung füreinander, Treue in der Beziehung, Weggemeinschaft in Verbindlichkeit“.

Von Fortpflanzung – der eigentliche Sinn einer Ehe – ist nicht mehr die Rede. Ausdrücklich wird eine „Neubewertung“ der künstlichen Empfängnisverhütung gefordert.

Wenn die Ehe nicht primär für die Fortpflanzung da ist und die Sexualität nicht nur in der Ehe praktiziert wird, fällt die katholische Sexualmoral völlig zusammen.

Deshalb hätte das ZDK genauso gut von der Synode fordern können, die Lehre über die Ehe und die Sexualmoral einzustampfen.

„Verlässliche Verantwortung füreinander, Treue in der Beziehung und Weggemeinschaft in Verbindlichkeit“ gibt es in vielen Partnerschaftsformen. Auch in solchen, in welchen Sexualität keine Rolle spielt.

Das gilt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften von heterosexuellen Personen: Geschwistern, Freunden, Wohngemeinschaften usw.

Sollen diese auch in einer liturgischen Feier gesegnet werden? Oder sollen liturgische Feiern nur für Partnerschaften entwickelt werden, in denen Sexualität eine Rolle spielt?

Spätestens hier wird deutlich, wie orientierungslos das ZDK ist.

Das ZDK hält sich nicht mehr an das katholische Lehramt, sondern an die Vorstellungen über Partnerschaft, die in Zeitschriften wie Bravo, in den „Soap Operas“, in den Fernsehserien vermittelt werden.

Auch die „Bravo“ empfiehlt den Pärchen, sie sollten mit Verantwortung miteinander umgehen. Auch in den „Wilden Ehen“ in „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ gehen die Partner respektvoll miteinander um.

Kein Mensch braucht eine katholische Kirche, die auf dieses Niveau sinkt. Kein Mensch braucht ein „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“, das gar nicht mehr katholisch ist.

Kommentare:

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Herzlich willkommen!
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Peter Friedrich hat gesagt…

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zu Ihrem Beitrag Folgendes:


Für mich einfach unbegreiflich: Völkische Vermehrungsideologien im Bereich des Christentums

Ich meine, daß die existentielle Grundidee des Christentums nicht mehr weiter beschädigt werden darf durch (national -) soziale Blut - und - Boden - Ideologien wie die "Naturrechtslehre" und die Sexual - "Moral" des kath. Katechismus.
Nicht die völkische Vermehrung steht im Mittelpunkt der christlichen Verkündigung, sondern die personale, mitfühlende Liebe.

Gruß

Élsa hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Friedrich,

wieso "völkische Vermehrungsideologie"?
Empfände ich dreifache Fragezeichensetzung nicht als enorme Unhöflichkeit, hätte ich jetzt noch zwei Fragezeichen hinzugefügt.
Die Lehre der katholischen Kirche, die eine WELTKIRCHE ist (Versalien meinen hier eine Betonung, kein Aufschrei), ist ebenso in Afrika wie in Asien bzw. global also gültig. Wollen Sie ernsthaft einem Katholiken in Uganda oder einem anderen afrikanischen oder asiatischen Land mit "völkischer Vermehrungsideologie" kommen? Wirklich?
Gruß

Peter Friedrich hat gesagt…

Sehr geehrte Frau Elsa,

Besonders schlimm finde ich, wenn in dem "christlichen" Text die Fortpflanzung in den Mittelpunkt menschlicher Beziehungen gestellt wird. Das macht das Christentum völlig austauschbar mit allen anderen neolithischen Kulten. Wer das meiste Menschenfleisch produziert und damit die mächtigste Streitmacht, dessen Gott gewinnt und vernichtet die anderen. Das ist einfach nur barbarisch.
Lauschen wir lieber dem "Standpunkt" auf KATHOLISCH PUNKT DE vom 13.05.2015:

"Einstimmig hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen Beschluss in Vorbereitung der Familiensynode gefasst: ein klares Plädoyer für die sakramentale Ehe, die Unterstützung von Eheleuten und Familien in ihrem Leben und ihrer Berufung – und eben auch: für die vorbehaltlose Akzeptanz des Zusammenlebens gleichgeschlechtlicher Paare, schließlich Segensfeiern für diese Lebensgemeinschaften.

Dass das ZdK sich so vorbehaltlos an die Seite gleichgeschlechtlich Lebender und Liebender stellt, und vor allem: dass das so einhellig geschieht, war vorher alles andere als klar; die entsprechenden Stellen kamen erst durch Änderungsanträge in dieser Deutlichkeit in den Text. Nach langer Debatte, aber am Ende ohne Protest haben alle zugestimmt – und im ZdK ist eine große Bandbreite der katholischen Gläubigen in Deutschland vertreten: Die Vertreter aller diözesaner Räte, die Sozialverbände und die Studentenverbindungen, geistliche Gemeinschaften, Jugendverbände und Hilfswerke. Auch der "geistliche Assistent" des Gremiums, Bischof Gebhard Fürst, hat kein Veto eingelegt.

Dass das ZdK so deutlich abgestimmt hat, ist ein klares Zeichen: Das ist keine leichtfertig getroffene Entscheidung gewesen, keine Provokation. Für immer mehr Katholiken ist der Umgang mit Homosexuellen eine Gewissensfrage: Sie (ich auch) wollen sich nicht mehr schuldig machen am Lebensglück der Menschen, deren Natur so ist, wie sie ist, und die in ihrer Liebe auf einen anderen Menschen hingeordnet sind, der das gleiche und nicht das andere Geschlecht hat.

Verweise auf die Tradition erscheinen hohl, formal und fühllos, wenn zu dieser Tradition einmal auch die Ablehnung der Menschenrechte und der Demokratie gehörten. Verweise auf "Verwirrung" und Spaltung in der Kirche werfen die Frage auf: Wo herrscht denn wirklich Verwirrung? Bei denen, die sich von der Liebe zweier Menschen anrühren lassen, oder bei denen, die diese Liebe "objektiv ungeordnet" finden? Wer betreibt die Spaltung: Diejenigen, die Schwule und Lesben unter den Schutz des Rechts stellen wollen – oder die in der Kirche, die Unrechtsgesetze gegen Homosexualität gutheißen?

Dass es diesen Beschluss gibt, ist nicht der Skandal. Sondern dass es immer noch nötig ist, Achtung und Wertschätzung für Liebe einzufordern."

Der Autor

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und als Vertreter des Diözesanrats Freiburg Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Gruß
Peter Friedrich