Freitag, 15. Januar 2016

Homo-Ehe: Anglikanisches Nein ist Warnsignal für katholischen Progressismus

„Lambeth Palace London 240404“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons 
Sprichwörtlich in allerletzter Minute haben die Anglikaner eine Kirchenspaltung abgewendet.

Wieder einmal ging es um das Thema Homosexualität: Während die europäischen und US-amerikanischen Anglikaner (Episkopalkirche) eine moraltheologische Neubewertung der Homosexualität befürworten, die auch die Zulassung von gleichgeschlechtlichen Paaren zur Ehe vorsieht, lehnen die Afrikaner jegliche Änderung ab. Sie drohten sogar, aus der anglikanischen Weltgemeinschaft auszutreten.

Der Streit schwelt schon seit einiger Zeit. Im Jahr 2003 wurde der bekennende Homosexuelle Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire (USA) gewählt. Seither ändert die amerikanische Episkopalkirche zunehmend ihre Haltung hinsichtlich der Homosexualität und unterstützt offen die Agenda der LSBTTIQ-Bewegung.

Schließlich drohten die afrikanischen Kirchenprovinzen aus der Weltgemeinschaft auszutreten. Aus diesem Grund wurde nun diese Woche (11. 17. Januar 2016) ein Treffen in Canterbury einberufen.

Im Krisentreffen setzten sich die Afrikaner durch. Die US-Amerikaner wurden aufgrund ihrer liberalen Haltung moniert und sogar für drei Jahre suspendiert. Sie werden damit nicht mehr in ökumenischen oder interreligiösen Gremien vertreten sein und sie verlieren ihr Stimmrecht.

Mit einem solchen Erfolg der Konservativen hatte kaum jemand gerechnet. Eine Spaltung schien unabwendbar.

Doch der Selbsterhaltungstrieb scheint am Ende obsiegt zu haben: Die lebensmüden Kirchen aus Europa und den USA konnten es sich schlichtweg nicht leisten, auf die Afrikaner zu verzichten.

Diese Wende und die Strafmaßnahme gegen die amerikanische Episkopalkirche könnte auch große Wirkung innerhalb der katholischen Kirche entfalten. Auch bei den Katholiken gibt es nicht wenige, die damit liebäugeln, den Anglikanern zu folgen. Auch sie setzen auf eine positive Neubewertung der Homosexualität, die soweit geht, dass sie sogar eheähnliche Partnerschaften akzeptieren, wie sie in manchen Nationen schon in der zivilen Gesetzgebung eingeführt wurden. Die wichtigsten Vertreter dieser progressistischen Strömung sind Kardinal Christoph Schönborn (Wien) und Kurienkardinal Lorenzo Baldisseri sowie der Bischof von Chieti-Vasto, Bruno Forte.

Kürzlich gab Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga (Tegucigalpa, Honduras) bekannt, dass innerhalb des Vatikans eine „Homo-Lobby“ wirke. Progressistische Kreise haben im Vorfeld der letzten Familiensynode (Oktober 2015) hartnäckig versucht, das Thema Homosexualität und homosexuelle Partnerschaften einzubringen. Dabei handelt es sich strenggenommen um eine Art katholische LSBTIQ-Agenda.

Dass das Thema auch in der katholischen Kirche ein enormes Spaltungspotenzial besitzt, ist offensichtlich. Anhand abenteuerlicher Verrenkungen der katholischen Lehre über Sexualität, Ehe und Familie versuchen Kardinal Schönborn & Co. die Weltkirche zu überzeugen. Schönborn versteigt sich sogar zu der Behauptung, in solchen Lebenspartnerschaften gäbe es „Semina Verbi“ (Samen des Wortes).

Nicht wenige - vor allem natürlich in Osteuropa und Afrika - sind entsetzt und gewinnen den Eindruck, die Progressisten wollten die katholische Tradition und das Lehramt gänzlich über Bord werfen, um sich dem Zeitgeist endlich mit ganzer Hingabe anpassen zu können. Und vor allem scheinen sie bereit, eine Spaltung zu riskieren.

Das Signal aus Canterbury zeigt, was dem Progressismus blühen könnte, sollte er seine LSBTIQ-Agenda fortsetzen.

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